Du sprichst hier, im Zusammenhang der Grenzverschiebungen, zwei Formen des Nationalismus an.
Zum einen gibt es den individuellen Nationalismus. Das ist der typische Nationalist, der sich aufgrund irgendwelcher psychischen Komplexitäten in nationalistisches Gedankengut flüchtet, unabhängig von den politischen Umständen, in denen er sich befindet. Zum Beispiel bei den Rechtsextremen in Deutschland.
Zum anderen gibt es eine Art kollektiven, revolutionären Nationalismus, falls man sich zum Beispiel von einem politisch übergeordneten Macht diskriminiert fühlt. Die gesellschaftlichen Missstände sind groß und man hofft durch nationale Eigenständigkeit, die Lage verbessern zu können. Wobei hier oft "echte Nationalisten" als Führungspersonen agieren.
Soweit so gut.
Der echte Nationalist hat im Falle eines gutes Lebensstandards keinen Einfluss auf die Gesellschaft. Sein Gebrüll wird überhört, weshalb es auch nicht notwendig ist, ihm die Meinungsäußerung zu verbieten.
Echte Nationalisten wird es immer geben aber solange das Leben in der Gesellschaft lebenswert ist, haben diese Menschen keinen Einfluss. Sie bleiben eine sehr kleine Minderheit.
Falls es aber zu der anderen Art Nationalismus kommt, also dem revolutionäre Nationalismus, dann ist es klüger nachzuforschen, weshalb ein Volk sich an den Nationalismus wendet. Denn da stecken ja gerade schlechte Lebensbedingungen dahinter. Und an diesen sollte man arbeiten, anstatt das Problem unter den Teppich zu kehren und zu warten, bis die echten Nationalisten mit billigen Parolen das Volk auf ihre Seite bringen.
In beiden Fällen ist Meinungszensur sinnlos oder sogar schädlich. Eine Meinung ist eine Größe, die man messen kann. Und für die Wissenschaft und den Fortschritt allgemein ist jede Messung von bedeutung. Denn nur mit Messergebnissen kann man arbeiten.