[h=2]Geringe Wahlbeteiligung der Serben
[/h]Prishtina – "Shiptari, Shiptari", riefen Demonstranten und bezeichneten damit jene Serben, die wählen gingen in einer abwertenden Form als "Albaner" – und damit wohl auch als "Verräter". Um etwa 17 Uhr stürmten dann serbische Extremisten gar ein Wahllokal in Mitrovica und zertrümmerten die Wahlurnen. Die Polizei setzte Tränengas ein, die Wahl wurde in dem Lokal suspendiert. Eine Person wurde festgenommen.
Zuvor war die Wahlbeteiligung der Serben in den vier Gemeinden im Norden erwartbar gering, zwischen sieben und 13 Prozent. Es war aber erwartet worden, dass sich bei Einbruch der Dunkelheit mehr Leute trauen würden, wählen zu gehen. Manche kamen offenbar aus Furcht von anderswo mit Bussen zu den Wahllokalen.
Tatsächlich hatten sich dort nicht nur die "Tschetniks aus Valjevo" eingefunden, manche Wähler wurden auch mit Kameras gefilmt. Die Gegner des Urnengangs trugen rote Schleifen mit der Aufschrift "Boykott". Manche von ihnen waren aus Serbien angereist, um die erste kosovarische Lokalwahl seit der Unabhängigkeit 2008, die von der Regierung in Belgrad anerkannt werden wird, zum Scheitern zu bringen und Wähler zu bedrohen. Der Chef der OSZE-Mission im Kosovo, Lamberto Zannier, zeigte sich über die "unklare Sicherheitssituation" und die "Boykottaufrufe" besorgt.
Der Bürgermeister von Nordmitrovica Krstimir Pantić warnte davor, dass nur Albaner zur Wahl gingen, denn damit würden diese in mehrheitlich serbischen Gemeinden die Vertretung übernehmen. Pantić kritisierte auch das fehlende Eingreifen der Polizei gegen die Extremisten und die mangelnde Vorbereitung der internationalen Gemeinschaft. Er selbst hatte Sonntagfrüh wegen technischer Probleme zunächst nicht wählen können.
[h=3]April-Abkommen
[/h]Die serbische Staatsspitze rief die Kosovo-Serben dazu auf, ihre Stimme abzugeben. Denn die Teilnahme der Serben aus dem Nordkosovo ist entscheidend für die Umsetzung des historischen April-Abkommens zwischen Serbien und dem Kosovo, das die Integration des Nordens in den kosovarischen Staat zum Ziel hat.
Im Süden (inklusive in der serbischen Enklave Gračanica) war die Wahlbeteiligung rege. Am Vorabend der Wahl wurde ein Kandidat in Skenderaj ermordet. (Adelheid Wölfl/DER STANDARD, 4.11.2013)
Das Kosovo, ein Teil der Serben, sowie ein Teil der Albaner entwickelt sich konsequent zurück anstelle vorwärts. Der Weg zu einem entwickelten Land, das seiner Lage in Europa würdig wäre, wird immer länger statt kürzer.