Die Türkei ist zwar nominell die "größte" muslimische Wirtschaft, kämpft aber mit einer Inflation, die fast sechsmal so hoch ist wie der globale Durchschnitt, und einer deutlich geringeren individuellen Kaufkraft als die Golfstaaten. Ich will da gar nichts schlecht reden, aber die Realität sieht anders aus.
Das nominelle BIP steigt oft durch massive Preissteigerungen, nicht nur durch reale Wirtschaftsleistung. Der IWF prognostiziert für die Türkei im Jahr 2026 eine durchschnittliche Inflationsrate von 28,6 %. Im Vergleich dazu liegen die Raten in Saudi-Arabien oder Indonesien meist im niedrigen einstelligen Bereich.
Während das Gesamtergebnis beeindruckt, sieht es beim Wohlstand des Einzelnen anders aus. Das BIP pro Kopf (nominal) liegt in Saudi-Arabien 2026 bei geschätzten 38.100 USD, während es in der Türkei nur rund 19.000 USD beträgt. Ein Saudi ist also im Schnitt doppelt so "reich" wie ein Türke.
Das Wachstum der Türkei ist teuer erkauft. Der IWF erwartet für 2026 ein Leistungsbilanzdefizit von 2,8 % des BIP. Da das Land stark von Energieimporten abhängt, belasten hohe Öl- und Gaspreise die Stabilität massiv.
Der IWF hat seine Wachstumserwartung für die Türkei für 2026 aufgrund der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten bereits von 4,2 % auf 3,4 % gesenkt.
Das nominelle BIP in Dollar ist stark vom Wechselkurs abhängig. Die Lira-Schwankungen bleiben ein Unsicherheitsfaktor für die langfristige Führungsposition