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Alzheimer und Therapien

ALZHEIMER-MEDIKAMENTE
„Das ist eine völlig neue Ära“
Rund 100.000 Menschen leben in Österreich mit der Diagnose Demenz, bis 2030 könnten es bis zu 230.000 werden. Zuletzt haben Meldungen über neue Medikamente aufhorchen lassen, die in den USA teils schon zugelassen sind. Für eine österreichische Alzheimer-Spezialistin bricht damit eine neue Ära in der Behandlung an.

Erkrankt ein Mensch an Demenz, lagern sich in seinem Gehirn Eiweiße ab. Diese Amyloid Beta- und Tauproteine töten Nervenzellen, und damit gehen die typischen Symptome einher, vor allem die zunehmende Vergesslichkeit und Orientierungslosigkeit.

Seit Kurzem gibt es zwei neue Wirkstoffe, die genau gegen diese Eiweißablagerungen wirken, sie „aus dem Gehirn wegwaschen“, wie es Elisabeth Stögmann, Leiterin der Demenzambulanz an der Medizinischen Universität Wien, formuliert: „Man hat in großen Studien in den USA gesehen, dass das Amyloidbeta im Gehirn weniger wird und dass dies eben gleichzeitig mit einer klinischen Verbesserung in der Gruppe einhergeht, die die Substanz bekommen hat.“

Der Effekt in der Praxis: Die Erkrankung wird eingebremst, das Gedächtnis funktioniert besser, die Menschen können ihren Alltag leichter bewältigen. All das hat man bei Lecanemab in Tests festgestellt, deren Ergebnisse im „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht wurden. Dieser Wirkstoff wurde in den USA bereits zur Behandlung von Alzheimer zugelassen.

Setzen an Mechanismen der Krankheit an

 
Weiteres Alzheimer-Medikament überzeugt
Eine neue Klasse von Medikamenten hat die Behandlung von Alzheimer zuletzt beflügelt. Eine US-Studie liefert nun weitere überzeugende Ergebnisse. Der Wirkstoff Donanemab verlangsamte das Fortschreiten der Demenzkrankheit deutlich.

Personen in einem Alzheimer-Frühstadium hatten im Vergleich zur Placebogruppe ein 35 Prozent geringeres Risiko, Symptome zu entwickeln, berichtet ein Team um John Sims von der Pharmafirma Eli Lilly soeben im Fachjournal „JAMA“.

Bei Donanemab handelt es sich – wie bei den jüngsten Alzheimer-Medikamenten Aducanumab (Markenname: Aduhelm) und Lecanemab (Markenname: Leqembi) – um einen monoklonalen Antikörper. Diese Medikamente greifen Ablagerungen im Gehirn an, die aus einem Protein namens Amyloid bestehen. Die Amyloid-Proteine können Nervenzellen töten, damit einher gehen die typischen Symptome von Demenz wie Vergesslichkeit und Orientierungslosigkeit.

Achtung vor Nebenwirkungen
Im Rahmen der “Trailblazer-Alz-2-Studie“ untersuchten Sims und sein Team eineinhalb Jahre lang die Wirkung von Donanemab bei rund 1.700 Personen mit milden Alzheimer-Symptomen. Bei der Bekämpfung der schädlichen Amyloid-Proteine stellte sich die Substanz zum Teil als wirkungsvoller heraus als die beiden anderen Medikamente. Patientinnen und Patienten in fortgeschrittenem Krankheitsstadium profitierten hingegen kaum.

Auch die Nebenwirkungen seien zu beachten, betont Gil Rabinovici von der University of San Francisco in einem „JAMA“-Begleitkommentar. In Einzelfällen sei es zu Gehirnschwellungen und -blutungen gekommen, drei Patienten seien daran gestorben. Das Risiko steige mit bestimmten Varianten im Erbgut, ein Gentest vor einer Behandlung mit monoklonalen Antikörpern sei deshalb empfehlenswert, betont Rabinovici.



 
EMA gibt grünes Licht für Alzheimer-Medikament
Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) macht erneut den Weg frei für das erste Alzheimer-Medikament in der EU, das auf die zugrundeliegenden Krankheitsprozesse abzielt.

Die Experten der Behörde mit Sitz in Amsterdam haben keine Bedenken zur Sicherheit und empfehlen die Zulassung des Antikörpers Lecanemab zur Behandlung von leichter kognitiver Beeinträchtigung (Gedächtnis- und Denkstörungen) oder leichter Demenz in einem frühen Stadium der Alzheimer-Krankheit. Andere Alzheimer-Therapien behandeln nur die Symptome der Krankheit.

Erster Antrag abgelehnt
Im vergangenen Sommer hatte die EMA eine Zulassung noch abgelehnt: Das Risiko schwerer Nebenwirkungen sei höher zu bewerten als die erwartete positive Wirkung. Die Expertinnen und Experten baten die Hersteller um mehr Einschätzungen.

 
Mit Kisunla hat die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) am Freitag ein zweites Medikament gegen Alzheimer zur Zulassung in der EU empfohlen. Der darin enthaltene Wirkstoff Donanemab verlangsamt laut Studien das Fortschreiten der Demenzkrankheit deutlich.

„Nach einer erneuten Prüfung hat der Ausschuss empfohlen, eine Marktzulassung für Kisunla (Donanemab) zu erteilen“, heißt es auf der Website der EMA. Die Zulassung soll allerdings auf Erkrankte mit höchstens einer Kopie der Genvariante ApoE4 beschränkt werden. Hintergrund ist, dass Erkrankte mit einer doppelten ApoE4-Kopie ein höheres Risiko auf Nebenwirkungen haben.

Mit dem Hinweis auf Nebenwirkungen hatte sich der Humanarzneimittelausschuss (CHMP) der EMA noch im März gegen den Wirkstoff ausgesprochen. Der Hersteller Eli Lilly beantragte daraufhin eine erneute Prüfung. Die endgültige Entscheidung über die Zulassung liegt bei der Europäischen Kommission. Diese wird in den kommenden Monaten erwartet.

 
Alzheimer-Medikamente wirksamer als bisher vermutet
Die beiden mittlerweile auch in der EU zugelassenen Alzheimer-Medikamente Lecanemab und Donanemab sind wirksamer als bisher gedacht. Neue Daten belegen, dass beide das Fortschreiten der Demenzerkrankung auch noch nach bis zu vier Jahren verlangsamen.

Bei den beiden Arzneimitteln handelt es sich um monoklonale Antikörper, die zu einem Abbau der schädlichen Amyloid-Ablagerungen im Gehirn führen sollen. Die Voraussetzung für die Anwendung sind ein Vorstadium der Alzheimer-Demenz (milde kognitive Einschränkung) oder die Demenzerkrankung selbst im Frühstadium.

In den klinischen Studien zeigte sich ein moderater Effekt auf das Fortschreiten der Hirnleistungsstörung. Zum Teil gefährliche Nebenwirkungen haben zum Beispiel bei der EU-Arzneimittelbehörde EMA zunächst zur Ablehnung von Donanemab aufgrund einer schlechten Wirkungs-Nutzen-Relation geführt. Erst vor wenigen Tagen gab es doch noch eine Zulassungsempfehlung durch die Behörde.

 
Neue Hoffnung in der Alzheimer-Forschung
Von einer neuen Ära in der Therapie von Alzheimer ist die Rede: Das erste Alzheimer-Medikament ist seit Kurzem in Österreich verfügbar, ein zweites steht vor der EU-Zulassung. Und es gibt weitere vielversprechende Wirkstoffe, die derzeit in Studien getestet werden.

Noch vor einigen Jahren haben große Pharmaunternehmen wie Pfizer angekündigt, sich wegen ausbleibender Erfolge aus der Alzheimer-Forschung zurückzuziehen. Mittlerweile gilt dieser Forschungsbereich wieder als vielversprechend, allen voran wegen der ersten Alzheimer-Therapie, die seit Ende August auch in Österreich verabreicht wird.

Bei dem Wirkstoff Lecanemab handelt es sich um einen monoklonalen Antikörper, der giftige Eiweißablagerung im Gehirn von an Alzheimer Erkrankten angreift. Diese Plaques sammeln sich bei den Betroffenen im Gehirn an und sorgen dafür, dass die Nervenzellen nach und nach absterben. Die Folgen sind zunächst leichte kognitive Einschränkungen, später Gedächtnisverlust und Orientierungslosigkeit.

 
Verunsicherung um neue Alzheimertherapien
Eine aktuelle Studie zu Alzheimertherapien, die sich gegen giftige Eiweiße im Gehirn richten, sorgt für Verunsicherung. Diese hätten kaum klinischen Nutzen für Betroffene. Fachleute kritisieren die Darstellung als verkürzt – und streichen die Bedeutung der Medikamente für die künftige Forschung hervor.

Auch in Österreich werden derzeit knapp 100 Menschen mit leichten kognitiven Einschränkungen bzw. mit beginnender Alzheimerdemenz mit den beiden Medikamenten Lecanemab (Handelsname Leqembi) und Donanemab (Handelsname Kinsula) behandelt. Diese monoklonalen Antikörper richten sich gegen Ablagerungen (Plaques) von giftigem Amyloid-Beta im Gehirn. Das Protein wird mit dem Absterben von Nervenzellen in Verbindung gebracht. Frühzeitig entdeckt lassen sich solche Plaques mit den erwähnten Medikamenten entfernen, das Fortschreiten der Erkrankung kann dadurch um mehrere Monate verzögert werden, zeigen Erfahrungen aus der klinischen Praxis.

Eine vor wenigen Tagen veröffentlichte Analyse des renommierten unabhängigen Forschungsnetzwerks Cochrane deutet nun aber darauf hin, „dass diese Medikamente für die Patienten keinen nennenswerten Unterschied bewirken“, so der Hauptautor der Studie, Francesco Nonino vom IRCCS Institut für Neurologische Wissenschaften in Bologna. In der Zwischenzeit gebe es „überzeugende Belege, die zu dem Schluss kommen, dass es keine klinisch bedeutsame Wirkung gibt.“

Negative Überraschung
Das Forschungsteam wertete dafür 17 klinische Studien zu unterschiedlichen monoklonalen Antikörpertherapien (insg. sieben verschiedene Wirkstoffe) mit Daten von mehr als 20.000 Patientinnen und Patienten mit leichten kognitiven Störungen oder beginnender Demenz aus. Das Design dieser Arbeit hat international bei Fachleuten Kritik hervorgerufen, so auch bei der Präsidentin der Österreichischen Alzheimergesellschaft Elisabeth Stögmann: „Der Cochrane Review ist methodisch höchst fragwürdig, weil darin Medikamente, die schon verworfen worden sind, mit den neuen, zugelassenen Therapien Lecanemab und Donanemab zusammengeführt wurden. Und dies führt zu völlig verzerrten Schlussfolgerungen.“

 
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