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Amirim, Israel: Das erste vegane Dorf der Welt

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foxy black

Guest
Interview mit Dr. Ohn-Bar, einer Bewohnerin von Amirim


Haolam: Frau Dr. Ohn-bar, vielen Dank für Ihre Bereitschaft zu diesem Interview. Zusammen mit Ihrem Ehemann betreiben Sie in Amirim eine Pension, die ökologisch orientierte Touristen aus der ganzen Welt anzieht. Wie viele Menschen leben in Amirim? Ist Amirim eine Gemeinde oder ein Kibutz? Erzählen Sie uns ein bißchen über sich.


Dr. Anva Ohn-bar: Amirim ist ein Dorf, kein Kibutz. Es leben ungefähr 160 Familien hier, insgesamt ca. 600 Menschen, Kinder eingeschlossen. Ich betreibe hier nicht nur eine Pension, sondern habe auch einen Doktor in Naturheilkunde und ein Masterstudium in Psychologie abgeschlossen. Ich habe 5 Kinder und 4 Enkelkinder,wirsind alle Veganer...
Mein Großvater begann die vegetarische Lebensweise im Alter von 9 Jahren in Rußland, weil er keinen Friedhof in seinem Magen herumtragen wollte. Er wanderte mit seiner Familie in die Vereinigten Staaten aus, wo er meine Großmutter kennenlernte. Sie beschlossen, eine vegetarisch-zionistische Familie zu gründen. Meine Mutter wurde also bereits als Vegetarierin geboren und sprach zu Hause Hebräisch. Englisch wurde nur gesprochen, wenn sie mit den anderen Kindern in Cleveland, Ohio, spielte. Meinem Großvater begegnete sie an der Julliard Musikhoschschule in New York. Nachdem sie Aliya gemacht hatten wurde ich geboren. Ich war das einzige vegetarische Kind auf dem Kibbutz, in dem wir damals lebten. Für uns begann alles aus humanistischer Überzeugung heraus (nicht an der Tötung von Tieren teilnehmen zu wollen), die gesundheitlichen Aspekte (Krankheit durch eine gesunde Lebensweise zu verhüten) kamen für meine Eltern später hinzu, für meine Kinder waren die ökologischen Aspekte sehr wichtig (Umweltverschmutzung durch die Fleischindustrie etc).


Haolam: Erzählen Sie uns ein wenig von der Geschichte Amirims und seiner Gründer. Wann wurde Amirim gegründet und warum gerade hier?


Dr. Anva Ohn-bar: Amirim wurde 1956 von einer kleinen Gruppe Vegetarier gegründet, die ihre Familien in dieser gesunden Lebensweise wachsen lassen wollten. Auf der Suche nach einem Standort stießen sie auf den Berg, auf dem sich Amirim heute befindet. Eine Gruppe Neueinwanderer aus Nordafrika waren gerade daran gescheitert, hier eine Siedlung zu errichten. Die Gründer wagten es trotz aller Schwierigkeiten: dem felsigen Boden, dem Wassermangel, der starken Winde. Was sie ermutigte, war der wunderschöne Blick auf den See Genezareth. Sie stellten ihre Zelte auf und begannen Gärten anzulegen. Bald kamen weitere Menschen hinzu, errichteten Ihre Häuser und der Ort wuchs beständig. Wir kamen 1976 als junges Paar mit einem Baby hierher (meinem Sohn Ofek, der jetzt 37 Jahre alt ist und die Website erstellt hat, auf der noch weitere Informationen zur Geschichte des Ortes zu sehen sind).


Haolam: Ich verstehe Veganismus als eine Lebensweise, die auf den Gebrauch jedweder Produkte tierischer Herkunft verzichtet: Milch, Leder, Fleisch, Honig oder Seife z.B.. Die Gründe, weshalb Menschen sich entscheiden, vegan zu leben sind vielfältig: Mitgefühl mit den Tieren, gesundheitliche Vorteile pflanzlicher Nahrung, nachhaltiger Umgang mit Getreide und - besonders wichtig im Nahen Osten - Wasser. Fast die Hälfte des Wasserverbrauchs der Vereinigten Staaten wird heute dazu aufgewendet, Tiere für die Fleischindustrie zu "produzieren". Was war der Hauptgrund für die Gründer Amirims?


Dr. Anva Ohn-bar: Wie schon gesagt, all das sind gute Gründe. Es begann mit der Liebe zu den Tieren und dem Respekt vor ihrem Recht auf Leben. Dann traten die gesundheitlichen Aspekte in den Fokus. Die Gründer begegneten Menschen, die sich durch Vegetarismus von tödlichen Krankheiten heilten. Andere suchten nach einem Ort, an dem sie ihre Kinder in diesem Lebensstil großziehen konnten und stießen auf unser Dorf. In den vergangenen Jahren, vor dem Hintergrund der Klimakatastrophe und der Umweltverschmutzung durch die Fleischindustrie, werden mehr und mehr Menschen auf der ganzen Welt Veganer.


Haolam: Tel Aviv verfügt über eine beachtliche Zahl veganer Restaurants. Halten Sie es für übertrieben zu sagen, dass Israel ein Vorreiter für Tierrechte im Nahen Osten ist?

Dr. Anva Ohn-bar: Ich bin mir nicht sicher, aber es scheint so als ob sich in Israel überdurchschnittlich viele Menschen in Umweltschutzorganisationen organisieren, versuchen die Erde sauberzuhalten und die Menschen dazu zu erziehen, nachhaltig mit unseren Resourcen umzugehen. Wir haben noch einen weiten Weg vor uns, wenn es um die Luft- und Wasserverschmutzung geht, aber ich denke, dass sich in Jordanien, Ägypten, Syrien oder Saudi Arabien etc. nicht viele Menschen für diese Probleme interessieren.

Haolam: Eine Vielzahl jüdischer Persönlichkeiten haben ihr Leben der Verteidigung von Tierrechten gewidmet. Wenn man ihre Motivationen nachliest, stößt man auch immer wieder auf deren Erfahrungen im Holocaust oder als Kinder Holocaustüberlebender. Ein Beispiel ist der Novellenschreiber und Nobelpreisträger Isaac Bashevis Singer, der in "The Letter Writer" den Protagonisten sagen lässt: "Für die Tiere sind alle Menschen Nazis; für sie ist es ein ewiges Treblinka." Für uns als Deutsche ist dieser Satz schwer zu akzeptieren. Man könnte ihn dahingehend missverstehen, dass Juden mit Tieren gleichgesetzt würden, obwohl es eigentlich um das persönliche Leiden geht. Fakt ist jedoch, dass die Erfahrung als "untermenschlich" behandelt zu werden, einige Überlebende der Shoah dazu geführt hat, eine Art "Röntgenblick" für Grausamkeit gegen Tiere zu entwickeln. Wo andere ein saftiges Steak sehen, hören sie die Todesschreie. Wo andere sich über das Leiden der Tiere in den Tötungsfabriken, in denen die Gesellschaft ihr Geschäft der "Fleischproduktion" verrichten lässt, keine Gedanken machen möchten, haben diese Menschen ein Bewusstsein und Mitgefühl für jene entwickelt, die als unter den Menschen stehend behandelt werden. Glauben Sie, dass einige der Gründer von Amirim durch die Verbrechen an den Juden in Deutschland und Europa motiviert wurden?


Dr. Anva Ohn-bar: Meine Kinder reagieren wütend, wenn jemand Tiere für Pelze, Schuhe, Taschen u.s.w. benutzt. Sie sind gegen den Missbrauch von Tieren. An den Holocaust denken Sie daran allerdings nicht. Sie könnten nichteinmal eine Fliege oder sogar einen Skorpion töten. Mein Großvater hat uns beigebracht, eine Tasse über das Insekt zu stülpen und ein Stück Papier drunterzuschieben, um es unverletzt ins Freie zu tragen, weil jedes Lebewesen das Recht hat zu leben. So haben auch wir unsere Kinder erzogen. Doch vielleicht ist der Holocaust auch ein Grund gewesen. Wann immer wir Hühner in ihren überfüllten Käfigen sehen oder auf einem Lastwagen: halbtote Körper übereinandergestapelt auf dem Weg zum Schlachthof, sagen wir: das ist ein KZ. Die Assoziation ist da, ständig.

Haolam: Lassen Sie uns auf die jüdische Religioin zu sprechen kommen. Die Torah beinhaltet einige Vorschriften zum Schutz von Tieren. Auf der anderen Seite war es aber auch die Torah, welche die Behauptung aufstellte, der Mensch sei nach Gottes Ebenbild geschaffen, die anderen Lebewesen jedoch nicht. In dem 2001 erschienen Buch "Judentum und Vegetarismus" vertritt Prof. em. Richard H. Schwartz die These, dass die vegetarische Ernährung jüdischer Moral am Besten entspräche. Auf dem amerikanischen Buchmarkt ist eine Reihe einschlägiger Bücher wie "Das vegetarisch-jüdische Kochbuch" oder "Vegetarisches Judentum: Ein Führer für Jedermann" zu finden. Welche Rolle hat die jüdische Religion für die Gründer Amirims gespielt? Wenn Sie selbst religiös sind: was sagt die Torah Ihrer Meinung nach zum Thema Fleischkonsum?


Dr. Anva Ohn-bar: Amirim ist grundsätzlich eine nichtreligiöse Gemeinschaft, doch es gibt ein paar religiöse Familien hier, die natürlich auch Vegetarier sind. Ich glaube, dass das Töten von Tieren schlicht unmenschlich ist, egal was die Torah dazu zu sagen hat. Die Torah wurde von Menschen geschrieben und nicht von Gott. Menschen haben Schwächen und Süchte und setzen sich die Regeln, die ihnen entsprechen. Nach der Bibel lebten Adam und Eva zu Beginn im Garten Eden und aßen kein Fleisch - nur Früchte, Gemüse, Samen, Getreide u.s.w. Erst später in der Bibel, als die Menschen schon korrumpiert waren, begannen sie damit, Fleisch zu essen. Der große Rabbi Kuk sagte, daß wenn die Menschen aufhören würden, Tiere zu töten und vegetarisch zu leben, würden sie auch einander nicht umbringen. Vielleicht gäbe es auch keine Kriege mehr auf der Welt. Rabbi Kuk trat für Vegetarismus als Weg zum Frieden ein. Nach dem Propheten Jesaja und seiner Endzeitvision wird am Ende aller Tage der Wolf friedlich neben dem Lamm sitzen und der Tiger neben der Ziege - Vegetarismus ist also etwas, das die Bibel herbeisehnt, selbst unter Tieren.


Haolam: In westlichen Gesellschaften werden Veganer und Vegetarier oft belächelt und von oben herab behandelt oder als "extrem" und "radikal" bezeichnet. Wie wurde Ihr Dorf von der israelischen Gesellschaft aufgenommen, als es gegründet wurde? Gab es seither eine Entwicklung?


Dr. Anva Ohn-bar: Ja, die Leute bewerten andere Lebensweisen immer als "komisch". Als ich ein kleines Mädchen war, lachten mich die Kinder in meiner Klasse dafür aus, dass ich Blattsalat aß und verspotteten mich als Kaninchen. Aber ich habe einfach mit ihnen gelacht und war stolz darauf anders und etwas Besonderes zu sein. Ich habe in meinem ganzen Leben (jetzt 60 Jahre) nie Fleisch gegessen. Es war mir egal, was andere Menschen dachten und in Amirim findet man Menschen, die fest daran glauben, dass dies die Art und Weise ist, wie wir alle leben sollten, die versuchen, einem ihr Wissen weiterzugeben, so daß man seine Lebensweise ändert.
Als Therapeutin habe ich zu viele Menschen beobachtet, die zum Opfer ihrer Gewohnheiten, schlechter Ernährung, Rauchen usw. geworden sind. Wenn Sie uns kennenlernen, werden sie Veganer und fühlen sich besser, nicht nur körperlich, auch emotional und geistig. Es gibt so viele Beweise dafür, dass die vegane Ernährung die gesündeste Lebensweise ist. Wir sehen sie nicht als radikal oder extrem, wie Sie es bezeichnen, sondern als näher bei der Natur.

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haOlam.de - deutsch-israelisches Onlinemagazin >> Interview mit Dr. Ohn-Bar, einer Bewohnerin von AmirimAmirim, Israel: Das erste vegane Dorf der Welt
 

Timur

Squatzilla
Bambi und Gleichgesinnte sollte man dorthin zwangsabschieben. Juden, Israel, nahöstliche Männer...was will man noch?

PS: Igitt, Dorf auf Schwarze Liste gesetzt
 
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