Nabend....also nun die Fortsetzung :
Meine Familie ist 1964 nach D gekommen.
Ich war 3,5, mein Bruder 2,5, meine Schwester ist 1967 hier geboren.
Mit 12/13 bin ich zunehmend abgedriftet.
Die Eltern waren beide am Arbeiten, zwischenzeitlich haben sie meinen Opa aus GR zum Aufpassen geholt.
Was sollte der alte Mann machen.
Er war damals schon um die Mitte 80...als ich so um die 8,9 oder 10 war.
Meine Alten waren Arbeiten, mein Opa ging mit uns dreien etwas im Viertel umher und so gingen die Tage irgendwie rum.
Er war aus dem Bereich Smyrna Türkei geflohen, damals, er sprach Türkisch wie seine Heimatsprache.
In der Nachbarschaft wohnten viele Türken.
Der Alte lud sie regelmäßig ein.
Wenn meine Eltern von der Arbeit kamen, saßen sie alle in einer Runde auf dem Boden und palaverten rum und das ganze Zimmer war vollgequalmt.
Das führte wohl zunehmend zu Spannungen zwischen meinem Vater und meinem Opa.
Eines Tages erinnere ich mich, da stritten die beiden und plötzlich schlägt der alte Mann meinen Vater voll in den Bauch.
Mein Vater war tief betroffen und ging weg.
Am nächsten Tag war unser Opa weg.
Ich mache es kurz.
Kein Mensch weiß wie er es geschafft hat, aber er ist mit dem Zug drei Tage nach GR gefahren.
Er sprach kein Wort Deutsch.......
Er war zu dem Zeitpunkt wohl 1,5 Jahre da.
Dies vorausgeschickt, muß ich sagen, dass ich ab da ein Raudi wurde.
Noch bevor ich strafmündig wurde kam ich bald jede Woche mit Polizei nach Hause.
Hier nen Bruch, da nen Raub, da nen Diebstahl.
Wir hatten nachher eine Gruppe gebildet und zbs. tausende Keller aufgebrochen.
MIt der Zeit kannte man die Clubkeller, damals was modernes, die waren gut eingerichtet mit Technik und Musik und viel Getränke dazu.
Wir nahmen das Zeugs mit und bauten einen eigenen Clubkeller mit den besten Geräten und bester Austattung, auch in Alkoholika.
Einmal haben wir sogar eine Klassenparty dort abgehalten und Einnahmen aus Getränkeverkauf usw. aus den geklauten Sachen gehabt.
So ging die Karriere immer weiter.........Autodiebstähle und und und......
Dann wurde ich dazu noch Schläger.....
Es kamen Jugendarrestanstalten und 2mal U-Haft ( Vechta) hinzu.
Dann wollte das Ausländeramt die Aufenthaltserlaubnis nicht mehr verlängern.
Aus der U-Haft heraus habe ich per Knasttransport am 20 Februar 1978 eine Gerichtsverhandlung wegen eines Raubüberfalls gehabt und bin zur Bewährungsstrafe verknackt worden.
Seit Oktober 77 hatte ich keine Aufenthaltserlaubnis mehr.
Ich bekam von der Stadt die Ausweisung bis zum 31.03.1978 den Geltungsbereich der BRD einschl. west Berlin zu verlassen.
Mein Vater ( Gott habe ihn selig) schaltete 2 Anwälte ein usw.
Am 5. April 78 kamen morgens zwei Beamte und gaben mir Gelegenheit einen Koffer mit bis zu 20 KG zu packen und mitzugehen.
Auf dem Revier sagten sie mir dann, wir werden morgen gemeinsam nach Athen fliegen.
Im neuen Polizeirevier wurde mir dann in der Zelle bewußt, dass die ganze Scheisse, die wir in der Gruppe verbrochen haben, für mich eine andere Scheisse war, denn ich hatte keinen ( bis heute nicht) deutschen Paß.
Ich habe keine Auge zugedrückt und wirklich die ganze Nacht nur geheult.
Ich sollte in ein Land zurück, das ich überhaupt nicht kannte.
Ich kannte keinen einzigen Verwandten.
Mein Vater hatte nie Urlaub gemacht.
Um 6 Uhr kamen die Kripos, meine Eltern, Schwester, Bruder und meine damalige Freundin ( und heutige Frau!!!) standen da und durften mich verabschieden.
Mein Vater drückte mir drei Hunderter und neun Fünfmarkstücke in die Hand.
Dann fuhre ich mit einem Passat und den zweien nach Bremen.
Dann flogen wir von dort nach Frankfurt, dann von dort nach Athen.
Erst im Flugzeug nach Athen nahm der Polizist die Handschellen ab, mit denen wir gegenseitig gefesselt waren.
Dort wurden sie ausgerufen und übergaben mich der Polizei dort.
Nachdem die Fingerabdrücke und Fotos von mir hatten, bekam ich eine Standpauke von einem Zivilbekleideten und konnte wieder losheulen, da ich mich völlig verloren in diesem Land fand.
Mit dem Taxi fuhr ich dann zu meiner Tante in Athen, die ich niemals zuvor sah oder deren Namen nichtmal kannte.
Mit meinen Haaren und meiner Kleidung war ich für die Gleichaltrigen dort ein Paradiesvogel und hatte schnellen Kontakt.
Sie wollten alle hören wie es in D ist usw.
Ende April 78 kam meine Freundin nach, sie nahm eine Woche Urlaub.
Sie war schon volljährig.
Ich bin in GR im Mai 78 dann 17 geworden.
Wir hatten ein Billigst-Bums-Hotel genommen, damit wir alleine sind.
Als die Woche rum war, konnten wir uns nicht mehr trennen.
Es ging einfach nicht.
Wir wären eher gestorben als uns nochmal zu trennen.
Dann wollte ich ihre Finger brechen damit sie sich krankschreiben lassen konnte.
Doch ich konnte da nicht so richtig draufhauen und es war dann schlimmer als ein Bruch, nämlich schmerzvolle Schwellungen.
Danach war uns alles egal, sie blieb einfach da.
Da wir zusammen schlecht bei meiner Tante sein konnten- und auch nicht wollten, bat ich meinen Onkel um Arbeitsbesorgung.
Er besorgte mir natürlich die schlimmste Arbeit.
Hatte ja nichts gelernt und nichts.........
Ich ging zum Bau Zement und Beton schleppen, Marmor verarbeiten,Schalholz reinigen usw.usw.
Nur so konnte ich das Billighotel halten.
Im Juli 78 kamen meine Eltern nach GR.
Mein Vater besorgte mir eine billige Wohnung und stattete sie notdürftig aus.
Währenddessen unterhielt ich im Namen meiner Freundin Korrespondenz zu diversen deutschen Behörden.
Ein Ausbleiben ihrer Regel nahmen wir zum Anlaß zu behaupten sie sei schwanger geworden.
Wir wandten uns an den Bundeskanzler, an den Petitionsausschuß, an das auswärtige Amt, an diverse Landtagsabgeordnete, an die europäische Menschenrechtskommssion in Straßburg, an Zeitungen, an die BRAVO undundund...
Das ist wirklich nur ein Ausschnitt.
Der niedersächsische Landtag hat wegen mir damals eine Sitzung einberufen und im Anschluß hat dann der niedersäschische Minister des Inneren die Stadt xxxxxx angewiesen mir eine Einreise zwecks Eheschließung zu genehmigen usw.usw.
Ich (wir) bin dann im November 78 zurück.
Dann habe ich nochmal ne Führerscheinsache gehabt.....das war das letzte.
Ich ging dann als Helfer auf Montage und arbeitete mich in kurzer Zeit hoch.
Ich arbeitete 7 Tage die Woche, teilweise sogar in zwei Schichten, auch wenn das heute unglaubwürdig klingt.
Ich war ein Arbeitstier.
Ich sparte mein geld und das meiner Frau.
....wir hatten dann geheiratet.....
1982 machte ich mich dann völlig ahnungslos mit der Übernahme eines Autohandels selbstständig.
Ich habe mich ab da auch schon immer permanent per Autodidaktie selbst gelehrt.
Wir haben 4 Kinder gekriegt und einen Enkel-bis jetzt.
Meine Kinder sind 29,26,22,18...2+2.
Ich bin also jetzt seit 30 Jahren Kaufmann, habe mir alles selbst beigebracht.
Ach ja, aus der 5. Schule haben die mich dann in der 8. Klasse rausgeworfen ( "wegen renitenten Verhaltens nicht mehr tragbar für den lehrunterricht").
Es gibt keinen einzigen aus den 5 Schulen, der mir heute auch nur annähernd das Wasser reichen kann.
Ich habe mehr Immobilien als mancher zählen kann.
Ich fahre das schlimmste Auto weit und breit...eine Geiger-Breitbau ZR-1 Corvette mit 600 PS.
Ein Einzelstück für den Erstbesitzer (vor mir) für 500000 ( halbe Mio) DM angefertigt.
Ich will nicht auf den Putz hauen, aber ich kann als Beispiel mich hinstellen, dass JEDER, wenn er will was schaffen kann.
Egal was die gesellschaftlichen Normen sagen.
Heutzutage schäme ich mich selbst, was ich für eine faule Sau geworden bin, wenn ich sehe, was ich mal alles bewegt und gerissen habe.
Aber egal, ich war auch Zocker und habe bis ich 25 war alles verzockt.
Ich habe 20 jahre lang 5 Schachteln Marlboro/Tag geraucht und im Oktober 2000 plötzlich Schluß gemacht.
Ich kann alles was ich will, wenn ich es wirklich will.
Ich war die beste Voraussetzung für eine echte Lebensniete, doch habe ich alle gefxxxckt, die mich ausgelacht haben.
Erfolg ist die beste Rache!!!
Na ihr Lieben, war das ehrlich und offen genug??
Wer hat Eier für so ein Outing:ibish3:
Ich schreibe sowas eigentlich nur, weil ich immer wieder auf Leute treffe, die zu zaghaft und zu zögerlich mit sich selbst sind.
Seht her, was ich selbst für Chancen hatte, keine!!
Und doch habe ich mich bis hier entwickelt.
Natürlich wäre all das NIEMALS ohne meine Süße gegangen, die mir seit 29.07.1977 die Treue hält.