Für die Reduktion der bosnischen Kroaten, resp. Katholiken, gibt es mehrere Gründe. Initialzündung war sicherlich die Unabhängigkeitserklärung BiH´s. Kroaten und Bosniaken wollten aus dem faktisch nicht mehr existierenden Staatenbund raus, hier hört aber die Einigkeit schon auf. Während die Bosniaken auf ein republikanisches Modell setzten, was die Konstitution der Völker weiter berücksichtigt, das Untereinander nicht näher definiert, erhofften sich die Kroaten eine Regionalisierung unter nationalen Aspekten, allerdings auch hier ohne klare Definition. Man kann nun spekulieren was passiert wäre, wenn sich Kroaten und Bosniaken hier noch vor Beginn des Krieges einig wären über die künftige innere und äussere Konstitution BiH´s.
Nichts zu spekulieren gibt es jedoch im Hinblick auf ein Agreement zwischen Karadzic und Boban, die jeweils eigene Volksgruppe faktisch umzusiedeln und alles dafür zu tun, dass diese nicht mehr in die jeweils von der anderen Volksgruppe beherrschte Region zurückkehrt. Schaut man sich hier die Politik der HDZ und der SDS in der Nachkriegszeit an, dann bestehen an dieser Vereinbarung keine Zweifel (Karadzic bestätigt dieses Agreement in einer BBC Doku). Während die Bosniaken hier im Rahmen eigener Initiative und Hilfe der IFOR massiv nach Prijedor und Umgebung zurückkehrten und dort stellenweise in weiten Gebieten die Mehrheit stellen, sieht es in der Posavina nicht anders aus als nach 1995. Es gab kein einziges Programm der HDZ BiH, die Kroaten wieder umfassend in ihre Siedlungsgebiete, die nun in der RS waren, zurückzuführen. Im Gegenteil: Man setzte eher darauf Bedingungen zu schaffen wonach Kroaten in neu geschaffenen Ortschaften ansässig werden sollten. Paradoxerweise tragen diese die Namen genau jener Politiker, die sich für eine Umsiedlung der Kroaten stark gemacht haben: Bobanovo und Suskovo Naselje.
Ähnlich auch die Situation in Drvar, Petrovac und Grahovo. Serben stellten dort weit über 90% der Bevölkerung, bevor sie 1995 aus diesen Gegenden geflohen sind. Es hat nach dem Krieg keine echte politische Initiative der SDS gegeben, die Serben wieder dorthin zurückkehren zu lassen. Auch hier spielte die eigene Initiative eine grosse Rolle und führte dazu, dass Serben dort wieder eine Mehrheit stellen.
Das was man hier aber mit Fug & Recht als größte Heuchelei bezeichnen kann, ist das Gejammer der Katholischen Kirche in Bosnien. Zu Recht bejammern sie den Exodus der Kroaten, aber gleichzeitig waren sie es auch die stets jene Partei in BiH unterstützte, welche für diesen Zustand mitverantwortlich war. Wenn also Vinko PFUJlic durch die Welt tingelt und den Exodus der Kroaten bejammert, dann ist dies fast schon Pervers.