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Día de los Muertos -Mexikos Totenkult

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Día de los Muertos, das mexikanische Totenfest am 2. November, ist neben dem Fest der Jungfrau von Guadalupe am 12. Dezember, das bedeutendste Fest Mexikos. Dem Glauben nach besuchen in der Nacht vom 1. auf den 2. November die Seelen der Verstorbenen die Lebenden. Aus diesem Grunde ist dieser Tag, anders wie z.B. in Deutschland, kein Trauertrag sondern ein farbenprächtiges Volksfest zu Ehren aller Verstorbenen. In den Geschäften und auf den Märkten werden schon Wochen vor dem 2. November Skelette aus Draht oder Pappmaché, künstliche Totenköpfe in allen Formen und Farben, Abbildungen der berühmten " Calavera Catrina", Marzipansärge und "calaveras de dulce" (Totenköpfe aus Zuckerguss) angeboten. In den Familien laufen die Vorbereitung „zum Besuch der Verstorbenen“ auf Hochtouren. Damit sie den Verstorbenen einen feierlichen Empfang bereiten können, werden die Gräber mit Blumen und Kerzen geschmückt, die Häuser auf Hochglanz gebracht, Opferaltäre, die sogenannten "ofrendas", in den Häusern errichtet und ein spezielles Brot, das „pan de muertos“ (Totenbrot), welches es nur an diesem Tag zu essen gibt, gebacken. Der Heimweg für die Verstorbenen wird mit Blumen gekennzeichnet. Um zu vermeiden, dass sich die Verstorbenen auf dem Weg nach Hause verirren oder versehentlich zu einem falschen Opferaltar gelangen, werden auf dem Weg vom Friedhof bis zum jeweiligen Wohnhaus gelbe Cempasúchil –Blüten , - in der Indiosprache Nahuatl "Blumen der 400 Blüten" - gestreut. Im überlieferten Glauben geht man davon aus, das Verstorbene die Farbe gelb am besten erkennen können.

Nachdem in der Nacht auf den 2. November die Seelen der Verstorbenen im Haus empfangen wurden, findet anschließend der Abschied von den Toten auf den Friedhöfen und an den Gräbern statt. Es werden mitgebrachte Speisen gegessen, getrunken, musiziert, getanzt und die Verstorbenen bis zum nächsten Jahr, dem nächsten Día de los Muertos, verabschiedet.

Día de los Muertos wird je nach Region, und ob Stadt oder Land, auf verschiedene Weise gefeiert. Bekannt für ihre besonderen Feste zur Totennacht sind Milpa Alta und Mixquic (in der Nähe von Mexiko-Stadt ), Villa de Etla bei Oaxaca und ganz besonders Janítzio auf der gleichnamigen Insel im Patzcuaro-See inMichoacán. Bei der berühmten Totennacht in Janítzio begleiten Totenglocken die Feierlichkeiten.

Das Totenfest wurde 2003 von der UNESCO als "Meisterwerk des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit" proklamiert.

Der "Besuch" der Verstorbenen

Obwohl die Hauptfeiern zum „Tag der Toten“ (Día de los Muertos) am 2. November stattfinden , wird jedoch bereits zuvor auch einer speziellen Kategorie von Verstorbenen gedacht.

  • Die Nacht vom 28. zum 29. Oktober wird den Seelen der Verstobenen gedacht , die bei Unfällen, Selbstmord oder Mord zu Tode kamen. Ihnen zum Gedenken wird eine Kerze aufgestellt.
  • Die Nacht vom 29. zum 30. Oktober wird den Seelen der Verstobenen gedacht, die ohne Taufe oder letzten Segen gestorben sind. Ihnen zum Gedenken wird eine Kerze aufgestellt.
  • Die Nacht vom 30. zum 31. Oktober wird den Seelen der Verstorbenen gedacht, die keine Angehörigen haben. Ihnen zum Gedenken wird eine Kerze aufgestellt.

  • Die Nacht vom 31. Oktober zum 1. November ist die Ankunft der angelitos, der als "Engelchen" bezeichneten toten Kinder. Für diese angelitos wird ein spezieller Altar mit ofrendas (=Opfergaben) aufgebaut. Zu den ofrendas zählen: Kerzen, orange leuchtende cempasúchil-Blumen, Weihrauch, ein Glas Wasser, Salz, die Totenköpfe aus Zucker, und die Lieblingsspeisen sowie das Lieblingsspielzeug der Kinder.
  • Die Nacht vom 1. zum 2. November ist die Ankunft der Seelen der verstorbenen Erwachsenen. Für die verstorbenen Erwachsenen wird ebenfalls ein Altar mit speziellen Opfergaben (ofrendas) aufgebaut.

La Ofrenda

Nicht alle Familien in den Städten bauen heute noch eine Ofrenda ( einen Opferaltar) auf. Viele fahren in die umliegenden Dörfer, um dort das Fest mitzuerleben.
Obwohl die Altäre von Region zu Region anderes gestaltet werden und die Opfergaben je nach Familie reicher oder spartanischer ausfallen, sind die Grundelemente fast überall gleich.
Der Aufbau des Altars:

    1. Der Altar wird geschmückt mit „Papel Picado" ( = Scherenschnittbilder) .
    2. Auf dem Altar werden gelbe Cempasúchil –,Tangtees –, Ringelblumen –oder Chrysanthemenblüten gestreut. Die Blüten müssen gelb sein, da dies , einem Glauben nach , die Farbe ist die von den Verstorbenen am besten erkannt werden kann. Cempasúchil-Blumen gelten zudem als Lieblingsblume der aztekischen Göttin Xochiquetzal ( übersetzt: „Schönen Blume“) . Xochiquetzal war bei den Azteken die Göttin der Erde und die Wächterin der Gräber.
    3. 3 Kerzen und Copal . Der Weihrauchgeruch von Copal und Kerzen soll den Verstorbenen anlocken. Rote Kerzen symbolisieren Schmerzen, weiße Kerzen symbolisieren die Hoffnung und lilafarbene Kerzen symbolisieren eine Feier.
    4. Nahrungsmittel. Das Lieblingsessen des Verstorbenen, Totenbrot ( =Pan de los muertos) , Totenköpfe aus Zucker ( =calaveras de dulce), tamales (=Maispastete), mole (=Soße auf Schokoladenbasis) und Früchte.
    5. Etwas zu trinken. Das Lieblingsgetränk des Verstorbenen. Zusätzlich kann auch noch Kaffee ,Kakao , Bier , Mezcal, und Tequila auf den Altar gestellt werden.
    6. Ein Foto des Verstorbenen.
    7. Ein kleines Stück Seif, etwas Wasser und ein kleines Handtuch, damit der Verstorbene sich von seiner „langen Reise“ erfrischen kann.
    8. Salz. Als Symbol der Reinigung.
    9. 1 Stuhl, damit sich der Verstorbene ausruhen und setzen kann.

Das Verhältnis zum Tod

Der spielerische Umgang , und das besondere Verhältnis der Mexikaner zum Sterben und „pelona“, der "Kahlköpfige", wie der Tod auch liebevoll genannt wird, wirkt manchmal auf westliche Augen befremdlich und wurde immer wieder zum Gegenstand der Deutung von Forschern und Intellektuellen. So kam zum Beispiel der deutsche Kunsthistoriker Paul Westheim in seinem anthropologischen Werk "Der Tod in Mexiko" zu dem Ergebnis, dass die prähispanischen Kulturen Leben und Tod als einen Kreislauf ansahen. Das Leben war für sie eine Übergangsphase zu weiteren Daseinsformen.
Im vorspanischen Mexiko gab es viele Völker, die an ein Fortleben nach dem Tode glaubten. So galt zum Bespiel im Weltbild der Azteken der Tod nicht als Ende, sondern als Anfang neuen Lebens. Sie sahen den Tod als eine Befreiung der Menschen aus dem Gefängnis der Erdenzeit. In der Vermischung des christlichen Glaubens, bei dem das Sterben ja ebenfalls der Übergang in ein anderes Leben, das ewige Leben, ist , mit dem Glauben der prähispanischen Kulturen, haben die alten Götter einen Weg gefunden, um in der mexikanischen Mentalität weiterzuleben .
Der Literaturnobelpreisträger Octavio Paz charakterisierte die Mexikaner und ihr Verhältnis zum Tod in seinem berühmten Essay "Das Labyrinth der Einsamkeit" wie folgt : "Der Mexikaner sucht, streichelt, foppt, feiert den Tod, schläft mit ihm. Vielleicht quält ihn ebenso die Angst vor ihm wie die anderen, aber er versteckt sich nicht vor ihm noch verheimlicht er ihn, sondern sieht ihm mit Geduld, Verachtung oder Ironie frei ins Gesicht."

Geschichte

Der Totenkult in Mexiko hat eine lange Tradition und geht zurück bis in die Zeit der prähispanischen Völker. Als Anfang des 16. Jahrhunderts die spanischen Eroberer an der mexikanischen Küste landeten, wurde dort der Totenkult bereits seit nahezu dreitausend Jahren praktiziert. Ebenfalls waren die Grundelemente der heutigen Ofrendas, wie zum Beispiel die Speisen und das Wasser, die der Stärkung dienen, der Weihrauch, der Krankheiten und böse Geister fernhalten soll, die Totenschädel, die Skelette, und die cempasúchil-Blumen ,fester Bestandteile des Totenkults prähispanischer Kulturen Völker.


Totenkult


Skelett. Die Religion der präkolumbischen Völker wurde geprägt durch die Dualität von Leben und Tod. Für sie war das Leben eine Übergangsphase zu weiteren Daseinsformen. Das Leben wurde als Traum gesehen und diese Völker glaubten, dass nur beim Sterben ein menschliches Wesen wirklich wach werden könnte. Die Dualität des Lebens und des Todes stellten sie auch sichtbar, in den sogenannten Leben-Tod Doppelbilder, da. Abbildungen, die einen Menschen zur Hälfte als lebende Person und zur Hälfte als Skelett darstellen. Solche Dualitätsdarstellungen finden sich in den Abbildungen von Babys, Kindern und Erwachsenen. Bereits die Olmeken brannten Figuren aus Ton, die zur Hälfte eine lebende Person, zur Hälfte ein Skelett darstellten.

Die Azteken glaubten an dreizehn verschiedene Stufen im Jenseits, die jeweils bestimmten Bevölkerungsgruppen und der stattgefundenen Art des Todes zugedacht waren. Für sie war Mictlan, der Ort des Todes, eine Unterwelt, in der die Seelen nur verweilten . In dieser Unterwelt herrschte Mictlantecuhtli und seine Partnerin , die Göttin des Todes und der Wiedergeburt, Mictecacihuatl. Mictlantecuhtli wird für gewöhnlich als Furcht einflößende Erscheinung mit einem Totenschädel, aber intakten Augen dargestellt. Sie symbolisieren, seiner Skelettgestalt zum Trotz, das Leben im Tode.

Totenfest. Einmal im Jahr, nach dem Glauben der Azteken, Tolteken und Mayas ,durften die Seelen der Verstobenen die Lebenden besuchen. Dieser „Besuch“ fand jeweils statt am Ende des landwirtschaftlichen Zyklus, bevor das Land in die Trockenperiode eintrat. Bevor sie die Erde und die Toten ruhen ließen, teilten die Azteken ihre Ernte mit den Verstorbenen. Bis zur Christianisierung durch die Spanier fiel dieser Zeitpunkt in den 9. Mond des aztekischen Kalenders. Ungefähr Anfang August und wurde den gesamten Monat lang gefeiert.

Totenschädel.

Tzompantli


Für die Azteken war der Totenschädel das Symbol für Tod und Wiedergeburt. Die Schädel wurden benutzt, um die Toten zu ehren und ihnen zugleich ein Gefäß anzubieten, in das sie bei ihrer jährlichen Rückkehr einkehren konnten. Im Glauben der Azteken, hatten sich die Götter selbst geopfert um die Welt und die Menschen zu erschaffen. Ihre Gegenleistung , um die Existenz des Universum zu garantieren und das Leben der Götter zu erhalten, waren Blutopfer. Entgegengesetzt dem Glauben der spanischen Eroberer stellten die tzompantli (Schädelgerüste) mit den Totenköpfen der Geopferten keine Verhöhnung der Opfer da, sondern waren eine besondere Ehrerweisung und bildeten eine wichtige Rolle bei der jährlichen Rückkehr der Seelen. Die Azteken kannten bereits auch schon die essbaren Totenschädel. Allerdings wurden sie nicht ,wie in heutiger Zeit aus Zucker hergestellt, sondern aus Körnern derAmaranthpflanze und Honig.

Cempasúchil-Blüten. Cempasúchil-Blüten repräsentierten bei den Azteken die zwanzig Tag, an denen die Hinterbliebenen für die Verstorbenen beteten. Ebenfalls repräsentieren diese Blüten die zwanzig Monate die laut dem aztekischen Kalender ein Jahr bildeten. Bei den Azteken war es üblich, für die Seelen der Verstorbenen Cempasúchil-Blüten vom Haus bis zur Grabstelle zu streuen. Dadurch sollte den Seelen der Verstorbenen der Weg nach Hause erleichtert werden. Mit dem Beginn des zweiten Jahres , wurde dieses Ritual dann in das allgemeine Ritual zum Ende des landwirtschaftlich Zyklus, ungefähr Anfang August, eingefügt.

1. und 2. November. Alle Versuche ,der spanischen Missionare während der Kolonialisierung , das Totenfest der indigenen Bevölkerung abzuschaffen , schlugen fehl. Sehr schnell stellten jedoch die Missionare Parallelen zur eigenen Jenseitsvorstellung fest. Zum Beispiel : Im christlichen Glauben ist auch die Sprache vom Leben nach dem Tode. Im Europa der damaligen Zeit wurde der Tod ebenfalls nicht tabuirisiert sondern war Bestandteil des täglichen Lebens. Der Tod war allgegenwärtig und fand seinen Ausdruck nicht nur im sogenannten „Totentanz“ sondern er wurde auch bildlich als Skelett , als Sensemann dargestellt. Daneben gab es noch zahlreiche Geschichten von Geistern und Gespenstern. Diesen Umstand der Parallelen nutzen die Missionare schlussendlich, um das präkolumbianischen Totenfest auf das Datum eines bestehenden christlichen Festes, Allerheiligen und Allerseelen zu „verschieben“. Obwohl nunmehr eine Vermischung des christlichen Glaubens mit dem Glauben derpräkolumbischen Kulturen stattfand, wird die alte Traditionen der präkolumbischen Völker bis heute im Wesentlichen beibehalten.

Mexico-mexico.de

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