Albanesi
Gesperrt
"Das Kosovo - gestern und heute"
Prof. Dr. Reinhard Lauer
Akademie der Wissenschaften zu Göttingen
I.
Meine ersten Eindrücke von den Problemen im Kosovo habe ich 1956/57 erhalten. Ich studierte damals in Belgrad. In der Stadt bekam ich erstmals Albaner mit ihren weißen Filzkappen zu Gesicht, die allerlei Dienstleistungen, vor allem Holzsägen und -hacken, verrichteten. Sie bildeten also gleichsam eine Schicht von Gelegenheitsarbeitern, die die serbischen Bürger zwar benötigten, aber offensichtlich auch verachteten. Sie wurden im allgemeinen Šiptari, manchmal Arbanasi oder Arnauti, kaum einmal Albanci genannt. Auf der politischen Ebene wurde immer wieder, vor allem in Filmen und Zeitungsberichten über den Partisanenkrieg, Mißtrauen gegen die Albaner gesät: Sie seien Nationalisten, die noch immer nach einem Großalbanien strebten, wie es ihnen von den Besatzungsmächten im Zweiten Weltkrieg verheißen worden war. Die Bezeichnung für diese Erzfeinde des titoistischen Jugoslawien lautete Balisti. Und es gab einen dritten Aspekt, für den ich besonders aufgeschlossen war: die albanische Volksmusik mit ihren aufregenden, aus geraden und ungeraden Taktteilen zusammengesetzten Rhythmen.
Prof. Dr. Reinhard Lauer
Akademie der Wissenschaften zu Göttingen
I.
Meine ersten Eindrücke von den Problemen im Kosovo habe ich 1956/57 erhalten. Ich studierte damals in Belgrad. In der Stadt bekam ich erstmals Albaner mit ihren weißen Filzkappen zu Gesicht, die allerlei Dienstleistungen, vor allem Holzsägen und -hacken, verrichteten. Sie bildeten also gleichsam eine Schicht von Gelegenheitsarbeitern, die die serbischen Bürger zwar benötigten, aber offensichtlich auch verachteten. Sie wurden im allgemeinen Šiptari, manchmal Arbanasi oder Arnauti, kaum einmal Albanci genannt. Auf der politischen Ebene wurde immer wieder, vor allem in Filmen und Zeitungsberichten über den Partisanenkrieg, Mißtrauen gegen die Albaner gesät: Sie seien Nationalisten, die noch immer nach einem Großalbanien strebten, wie es ihnen von den Besatzungsmächten im Zweiten Weltkrieg verheißen worden war. Die Bezeichnung für diese Erzfeinde des titoistischen Jugoslawien lautete Balisti. Und es gab einen dritten Aspekt, für den ich besonders aufgeschlossen war: die albanische Volksmusik mit ihren aufregenden, aus geraden und ungeraden Taktteilen zusammengesetzten Rhythmen.