Was wollen die Kurden? Die kurdische Roadmap für Demokratie
Im Krieg gegen den Iran werden die Kurden wieder als Verbündete gesehen, im Irak geraten sie gerade zwischen die Fronten. Eine Vertreterin des Kurdischen Nationalkongresses fordert Mitsprache und Gehör
Nilüfer Koç, Sprecherin der außenpolitischen Kommission des Nationalkongresses Kurdistans, schreibt in ihrem Gastkommentar darüber, wie aus kurdischer Sicht Frieden in der Region einkehren könnte.
Wir werden oft als "toll kämpfende" Verbündete zitiert, doch was wir wirklich wollen, bleibt meist ungefragt. Während der Krieg im Iran weiter tobt und die Region erneut in geopolitische Umwälzungen verwickelt wird, kämpfen wir nicht nur für unserer Verteidigung, sondern auch mit Strategie, Geduld und einer klaren politischen Vision: Demokratie, Selbstbestimmung und Frieden. Doch unsere Stimme wird systematisch übertönt und unsere Politik instrumentalisiert. Es ist Zeit, uns zuzuhören – und das nicht nur, wenn man uns braucht.
Denn hinter der Lobeshymne auf unsere "Heldentaten" steckt eine koloniale Sprache – beleidigend, weil sie uns reduziert. Mut wird hervorgehoben, Taktik und Strategie werden hingegen ignoriert. Als ob wir nur mit Waffen, nicht mit unseren Köpfen kämpfen könnten. Eine nicht nur falsche, sondern auch absichtlich hergestellte Zuschreibung. Um uns als Werkzeug zu halten, nicht als Akteur. Aber wir wissen, dass unsere Entscheidung die Zukunft maßgeblich beeinflussen wird.
"Mehr als die Hälfte der politischen Gefangenen im heutigen Iran sind Kurden."
Seit dem Ersten Weltkrieg ist es zur Tradition geworden, uns als "Karte” zu benutzen, als Instrument, mit dem man Staaten destabilisiert. Türkei gegen Kurden, Iran gegen Kurden, Syrien gegen Kurden, Irak gegen Kurden – und umgekehrt. So war das Konzept. Während wir von den regionalen Staaten lediglich als Sicherheitsproblem betrachtet werden, setzen die USA leider auch die „Teile-und-Herrsche"-Politik europäischer Staaten fort. Und wir haben trotz unzähliger Verluste ein Jahrhundert lang Widerstand geleistet. Mit dem 29. Aufstand unter Abdullah Öcalan in den 1970er Jahren wurde dieser Widerstand modernisiert und mit neuem Selbstbewusstsein gegen die alte Logik der Instrumentalisierung gerichtet.
www.derstandard.at
Im Krieg gegen den Iran werden die Kurden wieder als Verbündete gesehen, im Irak geraten sie gerade zwischen die Fronten. Eine Vertreterin des Kurdischen Nationalkongresses fordert Mitsprache und Gehör
Nilüfer Koç, Sprecherin der außenpolitischen Kommission des Nationalkongresses Kurdistans, schreibt in ihrem Gastkommentar darüber, wie aus kurdischer Sicht Frieden in der Region einkehren könnte.
Wir werden oft als "toll kämpfende" Verbündete zitiert, doch was wir wirklich wollen, bleibt meist ungefragt. Während der Krieg im Iran weiter tobt und die Region erneut in geopolitische Umwälzungen verwickelt wird, kämpfen wir nicht nur für unserer Verteidigung, sondern auch mit Strategie, Geduld und einer klaren politischen Vision: Demokratie, Selbstbestimmung und Frieden. Doch unsere Stimme wird systematisch übertönt und unsere Politik instrumentalisiert. Es ist Zeit, uns zuzuhören – und das nicht nur, wenn man uns braucht.
Denn hinter der Lobeshymne auf unsere "Heldentaten" steckt eine koloniale Sprache – beleidigend, weil sie uns reduziert. Mut wird hervorgehoben, Taktik und Strategie werden hingegen ignoriert. Als ob wir nur mit Waffen, nicht mit unseren Köpfen kämpfen könnten. Eine nicht nur falsche, sondern auch absichtlich hergestellte Zuschreibung. Um uns als Werkzeug zu halten, nicht als Akteur. Aber wir wissen, dass unsere Entscheidung die Zukunft maßgeblich beeinflussen wird.
"Mehr als die Hälfte der politischen Gefangenen im heutigen Iran sind Kurden."
Seit dem Ersten Weltkrieg ist es zur Tradition geworden, uns als "Karte” zu benutzen, als Instrument, mit dem man Staaten destabilisiert. Türkei gegen Kurden, Iran gegen Kurden, Syrien gegen Kurden, Irak gegen Kurden – und umgekehrt. So war das Konzept. Während wir von den regionalen Staaten lediglich als Sicherheitsproblem betrachtet werden, setzen die USA leider auch die „Teile-und-Herrsche"-Politik europäischer Staaten fort. Und wir haben trotz unzähliger Verluste ein Jahrhundert lang Widerstand geleistet. Mit dem 29. Aufstand unter Abdullah Öcalan in den 1970er Jahren wurde dieser Widerstand modernisiert und mit neuem Selbstbewusstsein gegen die alte Logik der Instrumentalisierung gerichtet.
Was wollen die Kurden? Die kurdische Roadmap für Demokratie
Im Krieg gegen den Iran werden die Kurden wieder als Verbündete gesehen, im Irak geraten sie gerade zwischen die Fronten. Eine Vertreterin des Kurdischen Nationalkongresses fordert Mitsprache und Gehör