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Geschichten von Nasreddin Hoca - dem türk. Till Eulenspiegel

liberitas

Ultra-Poster
[h=2]Der Mund ist kein Sack, dass man ihn zubinden könnte[/h]Der Hodscha ist unterwegs zum Dorf. Er hat seinen Sohn auf den Esel gesetzt und geht selbst nebenher. Da kommen ein paar Leute vorbei und sagen: »Schau dir das an! Der alte Mann muss zu Fuß gehen und der Junge sitzt auf dem Esel. Er sollte sich was schämen!«
Der Hodscha, der dies hört, lässt seinen Sohn absteigen und setzt sich selbst auf den Esel. Doch schon nach einer Weile hört er, wie sich zwei, die am Wegrand sitzen, unterhalten: »Der große Kerl sitzt auf dem Esel und lässt den armen Jungen nebenher gehen. Gibt es denn kein Mitleid mehr auf der Welt?«
Da holt der Hodscha seinen Sohn mit auf den Esel und so reiten sie beide weiter. Kommt ein Bauer des Weges und meint: »muss dieses schwache Tier denn euch beide tragen? Das ist ja unglaublich. Der arme Esel wird sich das Rückgrat brechen.«
Der Hodscha steigt daraufhin ab und nimmt auch seinen Sohn vom Esel herunter. So gehen sie weiter, der Esel voraus und die beiden hinterdrein. Als sie nicht mehr weit vom Dorf entfernt sind, hören sie, wie ein Mann zum anderen sagt: »Schau dir bloß die zwei Hohlköpfe an! Der Esel spaziert voraus und die zwei marschieren hinterher. Wie kann man nur so dumm sein?«
Da sagt der Hodscha zu seinem Sohn: »Du hast es gehört, das beste ist immer, man tut, was man selbst für richtig hält. Den anderen kann man nie etwas recht machen. Und der Mund ist auch kein Sack, dass man ihn einfach zubinden könnte.«
 
I

Indianer

Guest
hätten sie den Esel zu hause gelassen, hätte niemand etwas zu mäckeln gehabt.
so gaben sie den anderen Möglichkeiten, sich darüber zu ärgern.
 
J

Jovan

Guest
wusste gar nicht das es auch "narren" unter den Türken gab.
 

liberitas

Ultra-Poster
[h=2]Der allwissende Turban[/h]Ein Mann, der des Lesens unkundig ist, bekommt einen Brief und bittet den Hodscha, ihn ihm zu übersetzen. Der Hodscha tut sein bestes, kann das Geschriebene aber nicht entziffern. Es ist wohl Arabisch oder Persisch.
»Ich kann es nicht lesen«, erklärt er schließlich, »frag lieber einen anderen.«
»Und du willst ein Gelehrter sein«, sagt der Mann ärgerlich, »du solltest dich deines Turbans schämen, den du trägst!«
Da nimmt der Hodscha seinen Turban ab, setzt ihn dem Mann auf und sagt: »Wenn du meinst, der Turban sei allwissend, dann lies du doch den Brief!«
 
I

Indianer

Guest
Sind halt nicht alle so gescheit wie Indi :lol:

ich hatte mich auch mal geweigert auf santorin mit dem Esel hoch zu reiten.
die anderen sind geritten und indi ist gelaufen.
der führer hat trotzdem von mir sein Geld erhalten.
alle waren zufrieden.
 

liberitas

Ultra-Poster
Nasreddin Hodcha ist der Till Eulenspiegel der turksprachigen Welt.

Und köstlich zu lesen!

- - - Aktualisiert - - -

Nasreddin Hodscha ist ein beliebter Held der türkischen Volksliteratur im 13. und 14. Jahrhundert. Viele Geschichten mit und über diesen volkstümlichen Lehrer und Geistlichen sind überliefert und heute ebenso unterhaltsam wie damals.
Nasreddin Hodschas Name wird im heutigen TürkischNasreddin Hoca geschrieben. Bekannt ist der Hodscha (= Lehrer, Meister) jedoch weit über die Türkei hinaus, in Teilen Europas ebenso wie im Mittleren Osten.

http://hodscha-nasreddin.de/
 
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