Naht das Ende des US-amerikanischen Zeitalters im Nahen Osten?
Der Oman versucht, mit dem Iran eine Formel für Hormus zu finden, die USA sind offiziell nicht dabei. In der Region entstehen völlig neue Allianzen
Es ist ein US-Rezept, das viel älter ist, aber gut in die Trump-Zeit passt, in seiner Protzigkeit und gleichzeitig Verzwicktheit: "Turducken", zusammengesetzt aus turkey (Truthahn), duck (Ente) und chicken (Huhn), jeweils entbeint und ins andere, größere gesteckt. Dem Iran-Experten Ali Vaez ist zu verdanken, dass es in der Hormus-Diskussion gelandet ist. Ein "diplomatisches Turducken" sei im Entstehen, schreibt er: Die iranisch-omanische Interimsvereinbarung für die Meerenge steckt in einem Memorandum of Understanding, das in einem Waffenstillstand steckt.
Während der Waffenstillstand im April und das Memorandum im Juni von den USA und dem Iran, unter führender pakistanischer Vermittlung, ausgehandelt wurden, ist Washington dieses Mal offiziell nicht involviert. Aber man kann davon ausgehen, dass der Oman, dem US-Präsident Donald Trump im Mai androhte, "in die Luft gejagt" zu werden, mit ihm im Gespräch ist.
Maskat bemüht sich um eine Formel, die Teheran dazu bringt, die Meerenge offenzuhalten, die dem internationalen Recht nicht völlig zuwiderläuft und die dann auch noch in Washington akzeptiert wird. Das klingt nach Quadratur des Kreises. In den vergangenen Tagen war jedoch zu beobachten, dass die Ölmärkte der omanischen Diplomatie das zutrauen. Mögliche "Gebühren" für die Hormus-Durchfahrt, unter welchem Namen immer sie laufen werden, scheinen die Märkte nicht sehr zu beunruhigen.
Profiteur Oman
Der Oman, neben dem Iran der zweite Hormus-Anrainerstaat, hat sich in der Krise vom reinen Vermittler zum Akteur – und sogar zum Profiteur – entwickelt. Das Sultanat, das sich auf seine leise Art stets gegen die saudische Hegemonie im arabischen Golfkooperationsrat gestemmt hat, springt auf den iranischen Trend auf, sich die Geografie zunutze zu machen. Auch Maskat wird Gebühren kassieren, auch Maskat hat einen neuen Hebel. Besonders in Abu Dhabi wird es einige saure Gesichter geben, wenngleich die territorialen Ansprüche der Vereinigten Arabischen Emirate auf die omanische Exklave Musandam nur mehr ein Hintergrundgeräusch aus der Geschichte sind.
Der Oman versucht, mit dem Iran eine Formel für Hormus zu finden, die USA sind offiziell nicht dabei. In der Region entstehen völlig neue Allianzen
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