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Kingovic
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Katholiken und Protestanten haben es und Moslems wollen es – Religion als ordentliches Schulfach. Die Einführung eines solchen Fachs wäre nicht nur ein Zeichen der Toleranz und Integration. Angesichts der rund 700 000 muslimischen Schüler in Deutschland ist das Angebot in den Augen vieler Bildungspolitiker längst überfällig. Doch seit Jahren herrscht ein Gezerre um die Frage, wer in deutschen Schulen islamische Religion lehren und wie dieses Fach gestaltet werden soll. Am Mittwoch verabschiedet der nordrhein-westfälische Landestag als erster ein Gesetz, das Schulen erlaubt, islamischen Religionsunterricht ab dem Schuljahr 2012/2013 als Regelfach überall dort einzuführen, wo es gewünscht wird. Die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen haben gemeinsam mit der oppositionellen CDU das Gesetz dafür vorgelegt.
Bis dato existieren in Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und vor allem in Nordrhein-Westfalen nur Modellversuche, die lediglich das Wissen vom Islam vermitteln und sich mit weltlichen Fragen auseinandersetzen. Anders als beim katholischen und evangelischen Religionsunterricht, ist das Fach Islamkunde nicht mit einem religiösen Erziehungsauftrag verbunden.
Weltlicher Unterricht
Die Geistschule in Münster zählt zu jenen Schulen, an denen seit über zehn Jahren das Fach Islamkunde unterrichtet wird. Nach Auskunft der Schulleitung nehmen die Eltern das Angebot dankbar an. „Es gab in der gesamten Laufzeit des Modells nie eine negative Rückmeldung zu Inhalten oder zur Gestaltung des konkreten Unterrichts“, sagt Schulleiter Karl-Heinz Neubert.
An der Gemeinschaftshauptschule steht nicht der Glaube im Vordergrund. Vielmehr vermittelt der Lehrer Bülent Senkaragöz den Schülern das Wissen vom Islam. „Es ist nicht meine Aufgabe, den Kindern beizubringen, wie man als Muslim richtig betet, sondern die Kinder zum Nachdenken zu bringen und die verschiedenen Kulturen zusammenzubringen.“ Die meisten fühlten sich in ihrer Identität zwischen Ost und West hin- und hergerissen. „Ich möchte ihnen das Gefühl geben, dass sie hier nicht alleine sind“, sagt Senkaragöz. Sein Unterricht ist nicht weltfremd. Senkaragöz stellt alltägliche Probleme wie Vorurteile, Gewalt und Geschlechterdiskriminierung in den Vordergrund. An der Wand des Klassenraums hängt ein selbst gebasteltes buntes Plakat zum Thema „Sünde im Koran“. Auf einer grünen Schiefertafel steht mit Kreide „Islam heißt Frieden machen“ geschrieben, aber auch „Was ist Dschihad?“.
Zum Nachdenken anregen
Dem Pädagogen geht es unter anderem darum, die Schüler aus der Reserve zu locken. „Was würdet ihr tun, wenn ich vor euren Augen den Koran auf den Boden fallen ließe?“ Das ist eine dieser Fragen, mit der sich seine Achtklässler in der Einführungsstunde zum Thema „Krieg und Frieden“ beschäftigen sollen. Die Reaktionen der acht Jugendlichen sind sehr unterschiedlich. Sie würden den Affront schlicht ignorieren, sagen einige. Andere würden eher wütend werden. „Ich schimpfe doch auch nicht über ‚Jossip‘ oder ‚Josef‘ oder wie der bei den Christen heißt“, empört sich ein Junge in der ersten Reihe. „Wir sind doch alle gleich, die sollen mich respektieren.“
Bis zum klassischen Religionsunterricht mit erzieherischem Auftrag ist es noch ein langer Weg. Zum einen fehlt es an qualifizierten Pädagogen. In Nordrhein-Westfalen sind die meisten Lehrer wie Bülent Senkaragöz Quereinsteiger. In der Türkei arbeitete der 40-Jährige als Sprach- und Sportlehrer. Nachdem er 1999 für seine deutsche Frau nach Nordrhein-Westfalen zog, lernte er Deutsch und ließ sich von der Bezirksregierung zum Islamkundelehrer fortbilden. Jetzt betreut er etwa 100 junge Muslime.
„Realistisch geschätzt kann es noch 15 bis 20 Jahre dauern, bis es genug Islamlehrer gibt“, sagt Mouhanad Khorchide, Professor für islamische Religionspädagogik am Centrum für religiöse Studien der Universität Münster. Der gestiegene Bedarf macht sich trotzdem auch hier bemerkbar. Etwa 50 Studierende sind für den Aufbaustudiengang eingeschrieben, genauso viele haben seit der Centrums-Gründung 2004 den Abschluss gemacht. Für Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) ist es eine Grundvoraussetzung, dass die islamischen Geistlichen, die an deutschen Schulen unterrichten, zuvor auch an einer deutschen Universität akademisch ausgebildet werden.
Unterschiedliche Glaubensrichtung, kein zentraler Ansprechpartner
Ein weiteres Dilemma auf dem Weg hin zum flächendeckendem islamischen Religionsunterricht als Regelfach ist, dass der Islam in Deutschland dem Gesetz nach nicht als Religionsgemeinschaft klar definiert werden kann. Die Sunniten, Schiiten und Aleviten unterstehen keiner einheitlichen Glaubensorganisation wie die katholische oder evangelische Kirche. Doch um einen Lehrplan zu erstellen, brauchen die Länder einen Ansprechpartner, der die Muslime vertritt – eine Art Dachverband.
Nordrhein-Westfalen begegnet diesem Problem mit einer Notlösung. Ein Beirat wird das Curriculum ausarbeiten. Dieser Beirat setzt sich zur einen Hälfte aus Vertretern von vier muslimischen Verbänden zusammen und zur anderen aus Experten, die das Schulministerium im Einvernehmen den muslimischen Verbänden ernennt. Bülent Senkaragöz begrüßt diese Entwicklung, da ihm für seinen Unterricht bisher keine Unterrichtsmaterialien und Schulbücher zur Verfügung stehen. Der Lehrplan dient ihm lediglich als Orientierung. „Ich würde mir wünschen, dass sich das bald ändert.“
Ein Weg mit Hürden - Islam als Religionsfach - FOCUS Online - Nachrichten

Bis dato existieren in Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und vor allem in Nordrhein-Westfalen nur Modellversuche, die lediglich das Wissen vom Islam vermitteln und sich mit weltlichen Fragen auseinandersetzen. Anders als beim katholischen und evangelischen Religionsunterricht, ist das Fach Islamkunde nicht mit einem religiösen Erziehungsauftrag verbunden.
Weltlicher Unterricht
Die Geistschule in Münster zählt zu jenen Schulen, an denen seit über zehn Jahren das Fach Islamkunde unterrichtet wird. Nach Auskunft der Schulleitung nehmen die Eltern das Angebot dankbar an. „Es gab in der gesamten Laufzeit des Modells nie eine negative Rückmeldung zu Inhalten oder zur Gestaltung des konkreten Unterrichts“, sagt Schulleiter Karl-Heinz Neubert.
An der Gemeinschaftshauptschule steht nicht der Glaube im Vordergrund. Vielmehr vermittelt der Lehrer Bülent Senkaragöz den Schülern das Wissen vom Islam. „Es ist nicht meine Aufgabe, den Kindern beizubringen, wie man als Muslim richtig betet, sondern die Kinder zum Nachdenken zu bringen und die verschiedenen Kulturen zusammenzubringen.“ Die meisten fühlten sich in ihrer Identität zwischen Ost und West hin- und hergerissen. „Ich möchte ihnen das Gefühl geben, dass sie hier nicht alleine sind“, sagt Senkaragöz. Sein Unterricht ist nicht weltfremd. Senkaragöz stellt alltägliche Probleme wie Vorurteile, Gewalt und Geschlechterdiskriminierung in den Vordergrund. An der Wand des Klassenraums hängt ein selbst gebasteltes buntes Plakat zum Thema „Sünde im Koran“. Auf einer grünen Schiefertafel steht mit Kreide „Islam heißt Frieden machen“ geschrieben, aber auch „Was ist Dschihad?“.
Zum Nachdenken anregen
Dem Pädagogen geht es unter anderem darum, die Schüler aus der Reserve zu locken. „Was würdet ihr tun, wenn ich vor euren Augen den Koran auf den Boden fallen ließe?“ Das ist eine dieser Fragen, mit der sich seine Achtklässler in der Einführungsstunde zum Thema „Krieg und Frieden“ beschäftigen sollen. Die Reaktionen der acht Jugendlichen sind sehr unterschiedlich. Sie würden den Affront schlicht ignorieren, sagen einige. Andere würden eher wütend werden. „Ich schimpfe doch auch nicht über ‚Jossip‘ oder ‚Josef‘ oder wie der bei den Christen heißt“, empört sich ein Junge in der ersten Reihe. „Wir sind doch alle gleich, die sollen mich respektieren.“
Bis zum klassischen Religionsunterricht mit erzieherischem Auftrag ist es noch ein langer Weg. Zum einen fehlt es an qualifizierten Pädagogen. In Nordrhein-Westfalen sind die meisten Lehrer wie Bülent Senkaragöz Quereinsteiger. In der Türkei arbeitete der 40-Jährige als Sprach- und Sportlehrer. Nachdem er 1999 für seine deutsche Frau nach Nordrhein-Westfalen zog, lernte er Deutsch und ließ sich von der Bezirksregierung zum Islamkundelehrer fortbilden. Jetzt betreut er etwa 100 junge Muslime.
„Realistisch geschätzt kann es noch 15 bis 20 Jahre dauern, bis es genug Islamlehrer gibt“, sagt Mouhanad Khorchide, Professor für islamische Religionspädagogik am Centrum für religiöse Studien der Universität Münster. Der gestiegene Bedarf macht sich trotzdem auch hier bemerkbar. Etwa 50 Studierende sind für den Aufbaustudiengang eingeschrieben, genauso viele haben seit der Centrums-Gründung 2004 den Abschluss gemacht. Für Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) ist es eine Grundvoraussetzung, dass die islamischen Geistlichen, die an deutschen Schulen unterrichten, zuvor auch an einer deutschen Universität akademisch ausgebildet werden.
Unterschiedliche Glaubensrichtung, kein zentraler Ansprechpartner
Ein weiteres Dilemma auf dem Weg hin zum flächendeckendem islamischen Religionsunterricht als Regelfach ist, dass der Islam in Deutschland dem Gesetz nach nicht als Religionsgemeinschaft klar definiert werden kann. Die Sunniten, Schiiten und Aleviten unterstehen keiner einheitlichen Glaubensorganisation wie die katholische oder evangelische Kirche. Doch um einen Lehrplan zu erstellen, brauchen die Länder einen Ansprechpartner, der die Muslime vertritt – eine Art Dachverband.
Nordrhein-Westfalen begegnet diesem Problem mit einer Notlösung. Ein Beirat wird das Curriculum ausarbeiten. Dieser Beirat setzt sich zur einen Hälfte aus Vertretern von vier muslimischen Verbänden zusammen und zur anderen aus Experten, die das Schulministerium im Einvernehmen den muslimischen Verbänden ernennt. Bülent Senkaragöz begrüßt diese Entwicklung, da ihm für seinen Unterricht bisher keine Unterrichtsmaterialien und Schulbücher zur Verfügung stehen. Der Lehrplan dient ihm lediglich als Orientierung. „Ich würde mir wünschen, dass sich das bald ändert.“
Ein Weg mit Hürden - Islam als Religionsfach - FOCUS Online - Nachrichten
Sollten es wirklich nur 700.000 sein, dann wäre es sinnlos...Angesichts der rund 700 000 muslimischen Schüler in Deutschland ist das Angebot in den Augen vieler Bildungspolitiker längst überfällig.
Sehr gut!„Es ist nicht meine Aufgabe, den Kindern beizubringen, wie man als Muslim richtig betet, sondern die Kinder zum Nachdenken zu bringen und die verschiedenen Kulturen zusammenzubringen.“
Dem Pädagogen geht es unter anderem darum, die Schüler aus der Reserve zu locken. „Was würdet ihr tun, wenn ich vor euren Augen den Koran auf den Boden fallen ließe?“
Die Ahmadiyya-Sekte hat es wohl nicht geschaft!Die Sunniten, Schiiten und Aleviten unterstehen keiner einheitlichen Glaubensorganisation wie die katholische oder evangelische Kirche.


