Dinarski-Vuk
Vuk sa Dinare
Das Misstrauen der Kroaten war berechtigt, denn dieses Konstrukt wurde nicht auf Augenhöhe erstellt und durch den Druck der Italiener hatte man die Hoffnung Frieden und Ruhe in die Region zu bringen. Dalmatiner waren die Antreiber und wurden bitter enttäuscht. Wenn Du die Frankovci als Vorläufer der Ustasa bezeichnest, dann sollte man Nikola Pasic näher beleuchten, denn ohne diese serbische Ideologie hätte es nie eine Ustasa gegeben
Pasic ist in der Tat eine diskutable und kontroverse Persönlichkeit. Tief religiös und doch einer der gewieftesten und hartgesottensten Staatsmänner Südosteuropas zu dieser Zeit. Er liebte vor allem zwei Dinge: die Macht und Serbien. Auch seine Parteikollegen trauten ihn kaum, aber auf dem Lande, wo die meisten Serben lebten, wurde er bewundert. Pasic wurde in einer Zeit geboren, wo Serbien bereits frei gewesen war und von eigenen Fürsten regiert wurde, aber er war in einer Welt aufgewachsen die von der langen osmanischen Herrschaft geprägt war. Schau, von Rumänien bis nach Griechenland hatten die Osmanen ihre Küche und Gebräuche, ihre Bürokratie und korrupte Mentalität und in gewissem Umfang auch ihren Islam bei uns hinterlassen.
Das kleine serbische Fürstentum war zu der Zeit noch nicht durch Eisenbahnen und Telegraphen mit der weiten Welt verbunden und die meisten lebten von Landwirtschaft und Handel. Pasic gehörte zu den wenigen aus seiner Generation, die zum Studium ins Ausland gingen, konkret nach Zürich. Vergiss eins nicht, überall auf dem Balkan (die deutsche Einigung unter Bismarck verlief in ähnlichem Muster) arbeiteten Lehrer, Künstler und Historiker daran, Erinnerungen wiederzuerleben, nationale Mythen aufzupolieren um ein neues Bewusstsein zu herstellen. Das Problem war nur, dass eben nicht nur die Serben durch ihre Geschichte "wachgerüttelt" wurden, sondern auch andere.
Churchill hat es einmal richtig formuliert: "Der Balkan produzierte mehr Geschichte, als er es verdauen könnte". Serben besangen das grosse Königreich des Stefan Dusans aus dem 14. Jahrhundert (dass sich von der Donau bis zur Ägäis erstreckte), die Bulgaren wiederum besangen ihr glorreiches 10. Jahrhundert, als das Reich Simeons des Grossen ungefähr die gleiche Fläche erfasste. Die Griechen wiederum berufen sich auf die Antike, als das griechische Einflussgebiet im Osten bis nach Kleinasien und ans Schwarze Meer und im Westen bis nach Italien und ins westliche Mittelmeer reichte.
Tja, und jetzt stell dir vor zwei verschiedene Idealisten, Nikola Pasic und Ante Trumbic leiten die jugoslawische Delegation in Paris 1919 bei den Friedensverhandlungen. Auf der einen Seite hast du einen Pasic der sein ganzes Leben von der Zerstörung der KuK-Monarchie geträumt hat, auf der anderen Seite hast du einen Trumbic in dessen Parament er aktiv war. Obwohl er einen grossen Teil seines Lebens der Schaffung eines jugoslawischen Staates unter Einschluss Serbiens gewidmet hatte, betrachtete er die Serben als Barbaren, die von der langen osmanischen Herrschaft tiefe Narben zurückbehalten haben.
Die Kroaten waren jahrhundertelang kulturell, moralisch und geistig durch die Gemeinschaft mit Österreich, Italien und Ungarn geprägt, logisch dass eine solche "Beziehung" von Beginn an mit Schwierigkeiten behaftet war. Trumbic war eine zeitlang so frustriert, dass er den Job loswerden wollte und sich als Taxifahrer in Buenos Aires neu orientieren würde
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