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Der Name Katoci wird den Meisten nicht bekannt sein, der Name Carla Del Ponte hingegen schon.
Es ist nun mittlerweile einige Zeit vergangen, seit die ehemalige Chefanklägerin des Kriegsverbrechertribunals in Den Haag, Carla Del Ponte, mit Ihrem Buch über sie und ihre Jagd nach Kriegsverbrecher für Aufsehen sorgte.


In ihrem Buch berichtet sie über Mitglieder der Kosovo-Befreiungsarmee (UÇK), die mehrere Hundert Serben nach Nordalbanien verschleppt haben sollen, um ihnen dort ihre Organe zu entfernen.

Beweise für diese groteske Geschichte hat die Schweizer Juristin nicht. So gelang dieser Fall trotz eingeleiteten Untersuchungen auch nie bis nach Den Haag.

Doch was hat das alles mit Katoci zu tun?

Mersin Katoci ist ein einfacher Bauer. Er stammt aus dem Dorf und wohnt in dem Haus in Nordalbanien, an dem diese angeblichen Organtransplantationen, von denen Del Ponte in ihrem Buch erzählt, stattgefunden haben sollen.

Der Al-Jazeera Reporter, Barnaby Phillips, besuchte ihn und ging Del Ponte's Organhandelgeschichte nach.
Als ein, von der UN geführtes Team das Haus von Katoci besuchte, konnten sie auf seinem Bauernhof "keine schlüssigen Beweise" finden.
Katocis Eltern errichteten dieses Haus vor mehr als 50 Jahren, in dem sie auch während des Kosovo-Krieges lebten.
Katoci erklärt dem Reporter: "Sie haben hier absolut nichts gefunden; wir leben hier mit unserer Familie. Sie haben uns nur provoziert und nach grundlosen Anschuldigungen gesucht".

Aus dem Bericht der Ermittler geht hervor, dass sie Blutspuren, Spritzen und andere medizinische Instrumente gefunden haben sollen.
Als der Reporter Katoci über die medizinischen Ausstattungen, die in der Nähe des Baches gefunden wurden, ausfragt, erklärt Katoci ihm, dass es bei ihnen keine Ärzte in der Nähe gebe und sie ihre Medikamente und Spritzen einfach wegwerfen. Zu Transplantationen seien sie aber nicht fähig.
Seine Mutter, die ihren Kopf mit einem traditionellen albanischen Kopftuch bedeckt hat, beobachtete das Interview mit einem steinigen Blick, wie der Reporter erzählt.

Katoci führte voher wahrscheinlich ein normales Leben als einfacher Bauer. Nun stehen plötzlich die internationalen Medien vor seiner Tür und stellen ihm seltsame Fragen. Seine gereizte Unschuldsbeteuerung hinterliess beim Reporter von Al Jazeera einen aufrichtigen Eindruck.
Während des Gesprächs wurde Katoci zunehmend wütender, aber seine wirkliche Wut richte sich auf Carla Del Ponte, die er am liebsten vor Gericht bringen möchte, dafür, dass sie seiner Familie so ein Trauma verursacht habe.
Katoci war perplex darüber, warum die ehemalige Chefanklägerin den Fall einige Jahre danach über ihr Buch an die Öffentlichkeit brachte, nachdem sie zuerst die Anschuldigungen untersucht hatte und zu keinen schlüssigen Ergebnissen gekommen war.
Aus dem Untersuchungsbericht geht hervor, wie wütende Dorfbewohner die Ermittler daran hinderten, am Friedhof Ausgrabungen vorzunehmen, weil sie dort die Leichen der Opfer vermuteten.

Zwangsweise musste ich mich in diese Dorfbewohner reinversetzen und mir die Frage stellen, wie ich wohl reagiert hätte, wenn irgendwelche fremde Menschen in mein Dorf reinplatzen und dort am Friedhof, an dem meine Verstorbene beerdigt sind, Ausgrabungen machen wollen. Wahrscheinlich hätte ich genauso reagiert.

Nun wurde der Schweizer Ständerat Dick Marty vom Europarat für Menschenrechte damit beauftragt, den angeblichen Organhandel zu untersuchen.
Dick Marty machte sich bereits mit seinem Bericht über mutmassliche CIA-Gefängnisse in Europa einen Namen.

Barnaby Phillips, der Reporter von Al Jazeera, verlässt den Bauernhof von Katoci, während dieser immer noch über Carla del Ponte flucht und hofft, dass Marty seinen Namen von diesen Vorwürfen bereinigen wird.


Den Al Jazeera Bericht:
Kosovo in 'organ trafficking' probe

http://www.ora-online.ch/index.php/meinungen/46-kommentare/404-katoci-moechte-del-ponte-am-liebsten-vor-gericht-sehen
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