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Krieg unter Wasserballern. Serbien gegen Montenegro

John Wayne

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Wohl keine Sportart ist so brutal wie Wasserball. Vor allem, wenn es zum Bruderduell Serbien gegen Montenegro kommt. Von Christian Spiller, London


Die Wasserballarena in London schaut von außen aus wie ein zu groß geratenes Waschbrett. Das muss man nicht schön finden, es passt aber ganz gut zu dem Sport, der in ihr ausgetragen wird. Weil jeder Wasserballspieler, der was auf sich hält, neben seiner Badekappe und Ohrenschützern auch ein Waschbrett dabei haben sollte. Es braucht starke Männer, der Sport ist hart. Sehr hart.


Draško Brguljan bestätigt das. Nach dem Spiel steht er da, immer noch im Badehöschen. Wäre der Mann aus Montenegro vor ein paar Tausend Jahren geboren, er hätte wohl sein Leben damit verbringen müssen, den Bildhauern Modell zu stehen. Dazu ist er freundlich, klopft einem auf die Schultern, wenn man eine Frage stellt, die ihm gefällt, bis er irgendwann fast beiläufig erzählt, dass er seinen Gegnern unter Wasser in die Weichteile greift. Was? "Ja, das ist normal, dieses Spiel ist ein Kampf", sagt Brguljan und schaut dabei so, als würde er zu Hause seinen Müll trennen.


Wasserball ist wohl der härteste Sport der Olympischen Spiele. Einige nennen es Rugby unter Wasser. Das werden die Wasserballer nicht gerne hören. Im Vergleich mit ihnen sind Rugbyspieler Memmen. Es gibt nur wenige Wasserballer, die ein Turnier ohne blaue Flecken oder Prellungen überstehen. Es wird getreten, geschlagen, gekratzt, gewürgt und gezerrt. Fast jeder hatte schon einmal die Nase gebrochen oder den Kiefer, ein paar ausgeschlagene Zähne und fiese Narben im Gesicht.


Ein amerikanischer Spieler hat noch immer den Gebissabdruck eines früheren Gegners auf der Schulter, es waren starke, gesunde Zähne. In den Niederlanden mussten sich sogar einmal zwei Schwestern wegen versuchten Totschlags verantworten. Sie sollen versucht haben, ihre Gegnerin zu ertränken – weil sie ein Tor erzielt hatte.
Und dann spielt auch noch Serbien gegen Montenegro. Die Auslosung wollte es so. Beim Tischtennis-Einzel spielte ein Nordkoreaner gegen einen Südkoreaner, das Ganze wird sich im Teamwettbewerb wiederholen. Beim Hockey der Männer trafen die Engländer auf Argentinien, es ging aber nicht um die Falklandinseln, sondern nur um Vorrunden-Punkte. Nach beiden Begegnungen hieß es stets: Das hier ist Sport, keine Politik.


Genau das sagt auch der Eierkneifer Draško Brguljan. "Das ist keine Politik." Doch so einfach ist das nicht. Politik steckt überall, auch im Sport. Und natürlich werden sich die Nordkoreaner über ihren Sieg gegen den politischen Rivalen ein wenig mehr gefreut haben, als hätten sie gegen Dänemark gespielt. Ebenso die Briten über ihren Hockeyerfolg.
Serbien und Montenegro waren zwar nie im Krieg miteinander. Aber es gab heftige Spannungen. Nach dem Zerfall Jugoslawiens bildeten beide Länder zunächst die "Bundesrepubik Jugoslawien", aus der später der Staat "Serbien und Montenegro" wurde, der unter diesem Namen auch 2004 bei den Olympischen Spielen in Athen startete. 2006 erklärte Montenegro nach einem Referendum seine Unabhängigkeit, weil sie sich von den Serben bevormundet fühlten.


Früher waren sie ein Team. Heute spielen Gocić, Udovičić und Filipović für Serbien, während Zloković, Gojković und Jokić für Montenegro schwimmen. "Seit unserer Teilung ist es jedes Mal eines der emotionalsten Spiele", sagt der Serbe Filip Filipović, die Augen ganz rot, vom vielen Chlor. "Bis gestern waren wir sozusagen im gleichen Boot und jetzt geht es darum, wer besser ist."


Man muss dazu wissen, dass Wasserball in Ost- und Südosteuropa eine große Sache ist. Serbien und Montenegro gehören zu den Goldfavoriten. Sie trafen bereits im Finale der diesjährigen Europameisterschaft aufeinander, Serbien gewann. Für Montenegro wäre es die erste Medaille überhaupt bei Olympischen Spielen, weshalb auch der Staatspräsident Igor Lukšić in die Halle gekommen ist. Er hätte sich für die Wasserballer extra Urlaub genommen, erzählt er, bevor er bald wieder um den EU-Beitritt seines Landes strampeln muss.


Auch das wohl legendärste Wasserballspiel der Geschichte hatte einen politischen Hintergrund. 1956, bei den Olympischen Spielen in Melbourne, traf die Wasserballmacht Ungarn auf die nicht weniger starke Sowjetunion – nur ein paar Wochen nachdem sowjetische Panzer den Volksaufstand in Ungarn blutig niedergeschlagen hatten. Die Stimmung war aufgeheizt, das Publikum hatte sich auf die Seiten der Ungarn geschlagen. Kurz vor Schluss, die Ungarn führten 4:0, schlug der Sowjetspieler Valentin Prokopov den Ungarn Erwin Zador mit der Faust ins Gesicht. Zador trug eine klaffende Wunde unter dem rechten Auge davon. Dann brach Chaos aus, Zuschauer sprangen auf die Poolumrandung und drohten den Sowjets, die Polizei musste die Halle stürmen und das Spiel abbrechen. Das Bild des blutenden Zador ging um die Welt, und die Partie als Blutspiel von Melbourne in die Sportgeschichte ein.


Damals soll sich das Wasser im Becken rot gefärbt haben. Ganz so hart ging es in London nicht zu. Ein Bruderkampf war es aber dennoch, und wie das so ist unter Geschwistern: Wer verliert, muss ein Leben lang mit dem Spott leben. So ging es, wie im Wasserball üblich, vor allem auf der Position unmittelbar vor dem Tor zur Sache. Dort gibt es judoartige Zweikämpfe zwischen dem sogenannten Center und dem Centerverteidiger. Manchmal sind die Spieler für ein paar Sekunden von der Wasseroberfläche verschwunden. Wohl eher unfreiwillig, weil sie hektisch nach Luft japsen, wenn sie wieder oben sind.


Das Problem beim Wasserball: Die Schiedsrichter können schlicht nicht allumfassend entscheiden. Aber die Unparteiischen können nur das erkennen, was sich über und etwa in Nähe der Wasseroberfläche abspielt. Der Rest ist Fischen im Trüben. Wenn nämlich alle 14 Spieler im Becken schnell hin- und herschwimmen, blubbert und brodelt es wie in einem knietiefen Zuchtkarpfenteich. Die versteckten Fouls in etwa einem Meter Tiefe machen ihrem Namen alle Ehre. Sie sind nur auf den Videobildern der Unterwasserkameras zu erkennen. Doch den Videobeweis gibt es beim Wasserball nicht, aus gutem Grund. Man käme wohl vor lauter Fernsehschauen kaum noch zum Spielen.


Am Ende, als alle Schläge und Tritte ausgetauscht waren, stand ein 11:11. Wie ein Hohn prangte das Ergebnis an den beiden Anzeigetafeln: Krieg unter Wasser und trotzdem nur ein Unentschieden. Beide Teams jedenfalls haben große Chancen, in die K.o.-Runde einzuziehen. Möglicher Gegner dort: Kroatien.



Serbien gegen Montenegro: Krieg unter Wasserballern | Sport | ZEIT ONLINE

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cooler sport :tu:
 

Dadi

Spitzen-Poster
Ich hoffe auf ein Unentschieden, inklusive after-Match-Party ;) Wäre es unangebracht zu sagen, dass ich gerne teilhaben würde bei den Jungs ;)
Mädels, anfeuern!!!!!!!! ;) :)
 
E

Esseker

Guest
Es ist auch hart schwul zu sein.

Also wenn man Nationalitäten abwertend nennt, wird das verwarnt, wenn eine bestimmte Sexualität als ein negativ-abwertendes Instrument der Argumentationslosigkeit verwendet wird, nicht. Interessant und doppelmoralisch zugleich.
 
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