F21
evolutionärer Humanist
Kuwait plant Todesstrafe für "Blasphemie"
Von wegen Säkularisierung: Regime in Saudi Arabien schmeißt Homos, Emos und burschikose Mädels aus der Schule. Londoner Uni legt Campus „trocken“.
Foto: rstml / Flickr / CC-BY-SA
Religion – Wenigstens muss Gene Roddenberry das nicht mehr erleben: Während der katholische Papst und die Piusbruderschaft über die Fusion ihrer Gemeinden verhandeln, zieht der verstaatlichte Monotheismus auch im Rest der Welt die Schlinge weiter zu.
In Kuwait will man derzeit dem großen Nachbarn Saudi Arabien nacheifern. Das Parlament stimmte am vergangenen Donnerstag über eine Ergänzung des Strafgesetzbuchs ab, nach der die „Diffamierung des Propheten“ zukünftig mit der Todesstrafe geahndet werden kann. Dem voraus ging ein Aufschrei in der Öffentlichkeit, nach dem Hamad Al-Naqi, Angehöriger der schiitischen Minderheit, via Twitter „blasphemische“ Bemerkungen geäußert haben soll.
Al-Naqi wurde daraufhin Ende März inhaftiert. Er hat abgestritten, die Äußerungen getätigt zu haben und behauptet, jemand anderes habe sich den Zugang zu seinem Konto verschafft. Die Tweets wurden zwischenzeitlich gelöscht und Hamad Al-Naqi erklärte, dass er niemals den Propheten verunglimpfen würde. Nach bisher geltendem Gesetz drohen ihm eine einjährige Gefängnisstrafe und eine Geldbuße. Der ganz überwiegenden Mehrheit der Politiker im Land ist das nicht genug.
Die geplante Strafgesetzbuchverschärfung passierte die erste Parlamentsabstimmung mit den Stimmen von 46 der 52 Abgeordneten. Um wirksam zu werden, bedarf es nun einer zweiten Abstimmung sowie der Genehmigung durch Regierung sowie das Staatsoberhaupt Scheich Sabah al-Ahmad Al-Sabah. Ein Sprecher von Amnesty International kritisierte die Pläne und meinte, das Regime müsse sofort alle Pläne zur Einführung der Todesstrafe für Blasphemie verwerfen.
Im Nachbarland Saudi Arabien ist die Todesstrafe für „Blasphemie“ schon lange Gesetz, ebenso wie für „Homosexualität“. Doch ganz zufrieden sind die herrschenden Gläubigen auch dort nicht, weshalb vor kurzem von der „Behörde für die Verbreitung von Tugend und zur Verhinderung von Lastern“ neue rigide Stil- und Bekleidungsvorschriften für Schulen und Universitäten eingeführt wurden. Das berichteten arabische Medien mit Berufung auf die Zeitung der saudi-arabischen Herrscherfamilie.
Wer nach „Emo“ oder homosexuell aussieht, dem wird laut einer Bekanntgabe vom vergangenen Montag in Zukunft der Zutritt zu den Bildungseinrichtungen ebenso verwehrt wie Mädchen und jungen Frauen, die ein burschikoses Erscheinungsbild zu Tage legen. Durchsetzen soll das die berüchtigte Religionspolizei des Landes, um „islamkonformes“ Verhalten in der Öffentlichkeit zu gewährleisten. Wenige Wochen zuvor hatte es Berichte aus dem Irak gegeben, die ebenfalls von einer zunehmenden Verfolgung von Menschen sprachen, die im populären „Emo“-Stil in der Öffentlichkeit unterwegs waren. Sogar Lynchmorde soll es gegeben haben, so die taz.
An der London Metropolitan University, der von den Studierendenzahlen her größte Hochschule der britischen Hauptstadt, übt sich das Rektorat derweil in zuvorkommendem Gehorsam. Wie der Guardian und weitere britische Tageszeitungen vor wenigen Tagen berichteten, wird dort über die Einrichtung von „alkoholfreien Zonen“ auf dem Campus nachgedacht.
Der Vizekanzler der Uni, Malcolm Gillies, begründete das Vorhaben mit einer „kulturellen Sensibilität“ gegenüber den 20 Prozent muslimischer Studierender, welche Alkoholkonsum als „unmoralisches Verhalten“ empfinde könnten. Gillies sagte, es gebe eine „jüngere Generation, die oft ungemein konservativ ist“.
Alaa Alsamarri, Vertreterin einer Dachorganisationen muslimischer Studierendengemeinden, erklärte laut Guardian, dass aus Sicht der muslimischen Studierenden die Hochschulen so „inklusiv“ gestaltet sein sollen, dass die Gläubigen jeden Ort aufsuchen können. Alkohol sei aber eine Barriere für viele muslimische Studierende, so Alsamarri.
Bemerkenswert: Farooq Murad, Generalsekretär des Muslim Council of Britain, erklärte laut BBC wiederrum, dass in der Vergangenheit bereits Tausende von Muslimen die Universitäten des Landes besucht haben und ihm noch nie aufgefallen sei, dass die Notwendigkeit für ein Alkoholverbot bestünde.
„Muslime haben jahrzehntelang die Universitäten besucht und wir können uns nicht vorstellen, dass der Alkoholgenuss durch andere Studierende diese bei der Fortsetzung des Besuchs behindern kann.
http://www.wissenrockt.de/2012/04/17/kuwait-plant-todesstrafe-fur-blasphemie-26302/
Von wegen Säkularisierung: Regime in Saudi Arabien schmeißt Homos, Emos und burschikose Mädels aus der Schule. Londoner Uni legt Campus „trocken“.
Religion – Wenigstens muss Gene Roddenberry das nicht mehr erleben: Während der katholische Papst und die Piusbruderschaft über die Fusion ihrer Gemeinden verhandeln, zieht der verstaatlichte Monotheismus auch im Rest der Welt die Schlinge weiter zu.
In Kuwait will man derzeit dem großen Nachbarn Saudi Arabien nacheifern. Das Parlament stimmte am vergangenen Donnerstag über eine Ergänzung des Strafgesetzbuchs ab, nach der die „Diffamierung des Propheten“ zukünftig mit der Todesstrafe geahndet werden kann. Dem voraus ging ein Aufschrei in der Öffentlichkeit, nach dem Hamad Al-Naqi, Angehöriger der schiitischen Minderheit, via Twitter „blasphemische“ Bemerkungen geäußert haben soll.
Al-Naqi wurde daraufhin Ende März inhaftiert. Er hat abgestritten, die Äußerungen getätigt zu haben und behauptet, jemand anderes habe sich den Zugang zu seinem Konto verschafft. Die Tweets wurden zwischenzeitlich gelöscht und Hamad Al-Naqi erklärte, dass er niemals den Propheten verunglimpfen würde. Nach bisher geltendem Gesetz drohen ihm eine einjährige Gefängnisstrafe und eine Geldbuße. Der ganz überwiegenden Mehrheit der Politiker im Land ist das nicht genug.
Die geplante Strafgesetzbuchverschärfung passierte die erste Parlamentsabstimmung mit den Stimmen von 46 der 52 Abgeordneten. Um wirksam zu werden, bedarf es nun einer zweiten Abstimmung sowie der Genehmigung durch Regierung sowie das Staatsoberhaupt Scheich Sabah al-Ahmad Al-Sabah. Ein Sprecher von Amnesty International kritisierte die Pläne und meinte, das Regime müsse sofort alle Pläne zur Einführung der Todesstrafe für Blasphemie verwerfen.
Im Nachbarland Saudi Arabien ist die Todesstrafe für „Blasphemie“ schon lange Gesetz, ebenso wie für „Homosexualität“. Doch ganz zufrieden sind die herrschenden Gläubigen auch dort nicht, weshalb vor kurzem von der „Behörde für die Verbreitung von Tugend und zur Verhinderung von Lastern“ neue rigide Stil- und Bekleidungsvorschriften für Schulen und Universitäten eingeführt wurden. Das berichteten arabische Medien mit Berufung auf die Zeitung der saudi-arabischen Herrscherfamilie.
Wer nach „Emo“ oder homosexuell aussieht, dem wird laut einer Bekanntgabe vom vergangenen Montag in Zukunft der Zutritt zu den Bildungseinrichtungen ebenso verwehrt wie Mädchen und jungen Frauen, die ein burschikoses Erscheinungsbild zu Tage legen. Durchsetzen soll das die berüchtigte Religionspolizei des Landes, um „islamkonformes“ Verhalten in der Öffentlichkeit zu gewährleisten. Wenige Wochen zuvor hatte es Berichte aus dem Irak gegeben, die ebenfalls von einer zunehmenden Verfolgung von Menschen sprachen, die im populären „Emo“-Stil in der Öffentlichkeit unterwegs waren. Sogar Lynchmorde soll es gegeben haben, so die taz.
An der London Metropolitan University, der von den Studierendenzahlen her größte Hochschule der britischen Hauptstadt, übt sich das Rektorat derweil in zuvorkommendem Gehorsam. Wie der Guardian und weitere britische Tageszeitungen vor wenigen Tagen berichteten, wird dort über die Einrichtung von „alkoholfreien Zonen“ auf dem Campus nachgedacht.
Der Vizekanzler der Uni, Malcolm Gillies, begründete das Vorhaben mit einer „kulturellen Sensibilität“ gegenüber den 20 Prozent muslimischer Studierender, welche Alkoholkonsum als „unmoralisches Verhalten“ empfinde könnten. Gillies sagte, es gebe eine „jüngere Generation, die oft ungemein konservativ ist“.
Alaa Alsamarri, Vertreterin einer Dachorganisationen muslimischer Studierendengemeinden, erklärte laut Guardian, dass aus Sicht der muslimischen Studierenden die Hochschulen so „inklusiv“ gestaltet sein sollen, dass die Gläubigen jeden Ort aufsuchen können. Alkohol sei aber eine Barriere für viele muslimische Studierende, so Alsamarri.
Bemerkenswert: Farooq Murad, Generalsekretär des Muslim Council of Britain, erklärte laut BBC wiederrum, dass in der Vergangenheit bereits Tausende von Muslimen die Universitäten des Landes besucht haben und ihm noch nie aufgefallen sei, dass die Notwendigkeit für ein Alkoholverbot bestünde.
„Muslime haben jahrzehntelang die Universitäten besucht und wir können uns nicht vorstellen, dass der Alkoholgenuss durch andere Studierende diese bei der Fortsetzung des Besuchs behindern kann.
http://www.wissenrockt.de/2012/04/17/kuwait-plant-todesstrafe-fur-blasphemie-26302/
