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Mazedonien – neue Probe für das gemeinsame Zusammenleben
Nach dem Tod von zwei jungen Albanern durch einen mazedonischen Polizisten, gelangt die Empfindlichkeit und Zerbrechlichkeit der ethnischen Beziehungen in Mazedonien an die Oberfläche
Mirjana Maleska, Professorin für politische Wissenschaften an der Shtul Universität in Tetove/Tetovo, äußert gegenüber der Deutschen Welle: „ Der tragische Tod um einen Parkplatz in Gostivar kann die Sicherheit im Land gefährden, also können wir mit recht die Frage stellen: was haben wir bislang erreicht? Welche sind die Prioritäten, mit denen sich Regierung, die Politiker und Politik befasst? In einer Gesellschaft wie die in Mazedonien , in der der bewaffnete Konflikt lediglich seit 11 Jahren beendet ist, hat der Aufbau des Vertrauens unter den Ethnien immer Vorrang. Dies darf auch nicht nur zur Erfüllung der Pflichten die aus dem Vertrag von Oher/Ohrid resultieren, dies hat auch nichts mit der Aufteilung des Budgets zu tun und der Aufstellung der Monumente links von der Vardar, die die Albaner aufstellen und rechts von der Vardar die die Mazedonier aufstellen. Das ist eine alltägliche Sorge für beide Seiten. Die größte Verantwortung für den Aufbau eines Vertrauensklimas und des gegenseitigen Respekts obliegt jedoch der Regierung, den Politik und den Politikern. Den Mazedonier noch einmal mehr als den Albanern, denn ein demokratischer Staat wird daran gemessen, wie die Mehrheit mit der Minderheit umgeht.“
Die Sozialnetzwerke kochen
Wir haben viele mazedonische und albanische Bürger über das Geschehene befragt. Aber keiner wollte vor unserem Mikrofon sprechen. Anders als in den öffentlichen Aussagen und dem physischen Kontakt, kochen die sozialen Netzwerke vor Kommentaren über die Tat.
Der Professor für politische Wissenschaften an der FON Universität Skopje Nazmi Maliqi erklärt: „ Auf Facebook kann man Schriften finden, die den Tod von zwei jungen Albanern nicht verurteilen, sondern das Gegenteil tun….Die Zwischenfälle der letzten Zeit geschehen nicht zufällig, sie sind Teil einer Politik, die sich in Mazedonien formiert. Die öffentlichen Aussagen der Politiker haben Einfluss auf das Geschehen im Land“, unterstreicht Maliqi.
Die Opositionspartei „Rilindja Demokratike Kombetare“, dessen Anführer Rufi Osmani der Bürgermeister von Gostivar ist, sagt: „Der Tod der jungen Leute ist eine Tat die multi-ethnische Dimensionen hat, das das zerbrechliche Gleichgewicht zwischen Albaner und Mazedoniern gefährden könnte, nicht nur in Gostivar sondern überall im Land.“ Die Partei hat einen öffentlichen Appel gemacht:“ an alle Bürger, insbesondere die von Gostivar, sollen sich ruhig verhalten und sich jeglichen Kommentaren enthalten, die Hass schüren könnten“- und unterstreicht gleichzeitig, dass die Albaner ein legitimes Recht haben, ihren Frust durch friedliche und demokratische Proteste auszusprechen.
Nur einen Tag nach der Aussage der Partei Rufi Osmanis passierte das Gegenteil: Beim gestrigen Treffen (01.02.) der Protestierenden im Zentrum von Gostivar, an dem mehrere tausend Albaner teilnahmen, wurde eine nationale Hassrhetorik und Beleidigungen gegenüber Mazedoniern und allgemein dem mazedonischem Staat hörbar. Am Ende des Protests wurden die Scheiben von einigen Läden und Unternehmen eingeschlagen.
Spiel mit nationalen Gefühlen sichert den Wahlerfolg
Dennoch ist Professorin Maleska überzeugt:“ Die letzten zehn Jahre haben in der Praxis gezeigt, dass das das absichtliche Spiel mit den nationalen Gefühlen einen Wahlerfolg sicher und die Politiker haben damit bislang manipuliert. Der Nationalismus und der Begrenzung der der Freiheit und die Stärkung des autoritären Regierens gehen Hand in Hand. Als Gesellschaft laufen wir über einen schmalen Grat, entlang des Abgrunds. Der Koalitionspartner in der Regierung – die BDI (albanische Partei)– ist in einer Zwicklage: in der Regierung bleiben und langsam die Sympathien der Wählerschaft verlieren oder sich von der Regierung entfernen und damit eine politische Krise im Land auslösen. Die zweite Variante erlaubt die internationale Gemeinschaft nicht. Ich bezweifle, dass bei der VMRO DPMNE (mazedonische Partei) und ihrem Anführer der Wille für ein Zusammenleben existiert. Die Verteilung der Macht im wahrsten Sinne des Wortes ist nicht ausreichend. Das System der Machtverteilung, das auf einen Konsens der Eliten basiert, kann nur überleben, wenn die Eliten den Willen zum Zusammenleben haben. Aber wenn sie heimlich gegeneinander agieren oder überhaupt nichts tun, können solche Manifestationen der massiven Unzufriedenheit, ausgelöst durch einen Vorfall der überall sonst hätte passieren können, auftreten.“
Der Politik-Analytiker aus der zivilen Gesellschaft Albert Musliu warnte bei den Protesten, dass der Tod der beiden Albaner ein Generator für weitere ethnische Unruhen werden könnte, wenn die Institutionen nicht eine rasche und adäquate Antwort auf den Vorfall geben.“ Gegenüber der Deutschen Welle äußert sich Musliu:“ Weitere Zwischenfälle und Unzufriedenheit unter den Albaner ist weiterhin möglich, wenn die Antwort nicht rasch und adäquat ist.“
Von: Sveto Toevski/ Esat Ahmeti
Quelle: Gostivari - test i ri për bashkëjetesën | Ballkani | DW.DE | 02.03.2012
Nach dem Tod von zwei jungen Albanern durch einen mazedonischen Polizisten, gelangt die Empfindlichkeit und Zerbrechlichkeit der ethnischen Beziehungen in Mazedonien an die Oberfläche
Mirjana Maleska, Professorin für politische Wissenschaften an der Shtul Universität in Tetove/Tetovo, äußert gegenüber der Deutschen Welle: „ Der tragische Tod um einen Parkplatz in Gostivar kann die Sicherheit im Land gefährden, also können wir mit recht die Frage stellen: was haben wir bislang erreicht? Welche sind die Prioritäten, mit denen sich Regierung, die Politiker und Politik befasst? In einer Gesellschaft wie die in Mazedonien , in der der bewaffnete Konflikt lediglich seit 11 Jahren beendet ist, hat der Aufbau des Vertrauens unter den Ethnien immer Vorrang. Dies darf auch nicht nur zur Erfüllung der Pflichten die aus dem Vertrag von Oher/Ohrid resultieren, dies hat auch nichts mit der Aufteilung des Budgets zu tun und der Aufstellung der Monumente links von der Vardar, die die Albaner aufstellen und rechts von der Vardar die die Mazedonier aufstellen. Das ist eine alltägliche Sorge für beide Seiten. Die größte Verantwortung für den Aufbau eines Vertrauensklimas und des gegenseitigen Respekts obliegt jedoch der Regierung, den Politik und den Politikern. Den Mazedonier noch einmal mehr als den Albanern, denn ein demokratischer Staat wird daran gemessen, wie die Mehrheit mit der Minderheit umgeht.“
Die Sozialnetzwerke kochen
Wir haben viele mazedonische und albanische Bürger über das Geschehene befragt. Aber keiner wollte vor unserem Mikrofon sprechen. Anders als in den öffentlichen Aussagen und dem physischen Kontakt, kochen die sozialen Netzwerke vor Kommentaren über die Tat.
Der Professor für politische Wissenschaften an der FON Universität Skopje Nazmi Maliqi erklärt: „ Auf Facebook kann man Schriften finden, die den Tod von zwei jungen Albanern nicht verurteilen, sondern das Gegenteil tun….Die Zwischenfälle der letzten Zeit geschehen nicht zufällig, sie sind Teil einer Politik, die sich in Mazedonien formiert. Die öffentlichen Aussagen der Politiker haben Einfluss auf das Geschehen im Land“, unterstreicht Maliqi.
Die Opositionspartei „Rilindja Demokratike Kombetare“, dessen Anführer Rufi Osmani der Bürgermeister von Gostivar ist, sagt: „Der Tod der jungen Leute ist eine Tat die multi-ethnische Dimensionen hat, das das zerbrechliche Gleichgewicht zwischen Albaner und Mazedoniern gefährden könnte, nicht nur in Gostivar sondern überall im Land.“ Die Partei hat einen öffentlichen Appel gemacht:“ an alle Bürger, insbesondere die von Gostivar, sollen sich ruhig verhalten und sich jeglichen Kommentaren enthalten, die Hass schüren könnten“- und unterstreicht gleichzeitig, dass die Albaner ein legitimes Recht haben, ihren Frust durch friedliche und demokratische Proteste auszusprechen.
Nur einen Tag nach der Aussage der Partei Rufi Osmanis passierte das Gegenteil: Beim gestrigen Treffen (01.02.) der Protestierenden im Zentrum von Gostivar, an dem mehrere tausend Albaner teilnahmen, wurde eine nationale Hassrhetorik und Beleidigungen gegenüber Mazedoniern und allgemein dem mazedonischem Staat hörbar. Am Ende des Protests wurden die Scheiben von einigen Läden und Unternehmen eingeschlagen.
Spiel mit nationalen Gefühlen sichert den Wahlerfolg
Dennoch ist Professorin Maleska überzeugt:“ Die letzten zehn Jahre haben in der Praxis gezeigt, dass das das absichtliche Spiel mit den nationalen Gefühlen einen Wahlerfolg sicher und die Politiker haben damit bislang manipuliert. Der Nationalismus und der Begrenzung der der Freiheit und die Stärkung des autoritären Regierens gehen Hand in Hand. Als Gesellschaft laufen wir über einen schmalen Grat, entlang des Abgrunds. Der Koalitionspartner in der Regierung – die BDI (albanische Partei)– ist in einer Zwicklage: in der Regierung bleiben und langsam die Sympathien der Wählerschaft verlieren oder sich von der Regierung entfernen und damit eine politische Krise im Land auslösen. Die zweite Variante erlaubt die internationale Gemeinschaft nicht. Ich bezweifle, dass bei der VMRO DPMNE (mazedonische Partei) und ihrem Anführer der Wille für ein Zusammenleben existiert. Die Verteilung der Macht im wahrsten Sinne des Wortes ist nicht ausreichend. Das System der Machtverteilung, das auf einen Konsens der Eliten basiert, kann nur überleben, wenn die Eliten den Willen zum Zusammenleben haben. Aber wenn sie heimlich gegeneinander agieren oder überhaupt nichts tun, können solche Manifestationen der massiven Unzufriedenheit, ausgelöst durch einen Vorfall der überall sonst hätte passieren können, auftreten.“
Der Politik-Analytiker aus der zivilen Gesellschaft Albert Musliu warnte bei den Protesten, dass der Tod der beiden Albaner ein Generator für weitere ethnische Unruhen werden könnte, wenn die Institutionen nicht eine rasche und adäquate Antwort auf den Vorfall geben.“ Gegenüber der Deutschen Welle äußert sich Musliu:“ Weitere Zwischenfälle und Unzufriedenheit unter den Albaner ist weiterhin möglich, wenn die Antwort nicht rasch und adäquat ist.“
Von: Sveto Toevski/ Esat Ahmeti
Quelle: Gostivari - test i ri për bashkëjetesën | Ballkani | DW.DE | 02.03.2012