Y
Yunan
Guest
21.09.2012
Angst vor Unruhen
Frankreich verbietet Proteste gegen Mohammed-Karikaturen
Redaktionsgebäude von "Charlie Hebdo": Viel Polizei in Paris unterwegs
Die französische Regierung will das Risiko von Ausschreitungen im eigenen Land minimieren - und untersagt deshalb sämtliche Demonstrationen gegen die umstrittenen Mohammed-Karikaturen. Inzwischen erreicht die Protestwelle auch Deutschland. Die Polizei ist in mehreren Städten in Alarmbereitschaft.
Paris - Frankreich hat am Freitag alle öffentlichen Demonstrationen gegen die umstrittenen Mohammed-Karikaturen einer Satirezeitung verboten. Es werde keine Ausnahmen geben, sagte Innenminister Manuel Valls. Bereits Mitte der Woche hatte er entsprechende Maßnahmen angekündigt.
Auch der größte französische Muslimenverband CFCM rief dazu auf, nicht auf die Straße zu gehen. "Jeder Protest könnte missbraucht werden und wäre kontraproduktiv", sagte Verbandspräsident Mohammed Moussaoui dem Rundfunksender RFI. In Paris war die Polizei an zentralen Orten zu sehen, hielt sich jedoch im Hintergrund.
Nach den tödlichen Protesten gegen einen in den USA produzierten Mohammed-Schmähfilm hatte das französische Satireblatt "Charlie Hebdo" am Mittwoch Karikaturen über den islamischen Propheten veröffentlicht. Die Auflage von 70.000 Exemplaren war innerhalb von Minuten ausverkauft, inzwischen wurde eine zweite gedruckt.
Aus Furcht vor Gewalt nach den Freitagsgebeten blieben in etwa 20 muslimischen Staaten französische Einrichtungen und Botschaften geschlossen. Polizeibeamte und Soldaten umstellten in mehreren arabischen Ländern französische Einrichtungen, um gewalttätige Proteste zu verhindern. In der libanesischen Hauptstadt Beirut standen am Freitag Militärfahrzeuge neben der französischen Botschaft. Alle französischen Schulen blieben geschlossen. Zusätzlichen Polizeischutz erhielt nach Angaben aus Sicherheitskreisen auch das Grabungshaus der französischen Archäologen im oberägyptischen Luxor.
Vor der französischen Botschaft in Kairo marschierte die Ordnungspolizei auf, nachdem salafistische Gruppen Proteste gegen die Mohammed-Karikaturen des französischen Satiremagazins "Charlie Hebdo" nach dem Freitagsgebet angekündigt hatten. Die Muslimbrüder, die sich selbst gerne als "gemäßigte Islamisten" darstellen, hatten die Zeichnungen, die diese Woche veröffentlicht worden waren, zwar auch scharf kritisiert. Sie haben jedoch nicht zu Protesten aufgerufen. In Tunesien und Ägypten sind die Muslimbrüder an der Regierung beteiligt.
Proteste in Deutschland
Die Protestwelle erreicht nun auch Deutschland. Die Polizei ist in Freiburg und Münster in Alarmbereitschaft. Zu einer angemeldeten Demonstration in Freiburg gegen das in den USA entstandene Schmähvideo erwartete die Polizei für den Nachmittag rund 800 Menschen. In Münster war eine Protestveranstaltung mit 1000 Teilnehmern angemeldet.
Ein Freiburger Polizeisprecher erklärte, die dortige Veranstaltung werde von einem starken Aufgebot an Beamten begleitet. Grund sei die weltweit angespannte Sicherheitslage. Man gehe aber davon aus, dass zu der Versammlung nach dem muslimischen Freitagsgebet alles friedlich bleibe.
Auch in der Münsteraner Innenstadt erwarteten die Beamten für den Abend keine Zwischenfälle bei der Demo "Gegen den religionsbeleidigenden Film im Internet", wie eine Polizeisprecherin sagte.
Zwei Tote in Pakistan
In Pakistan lieferten sich Demonstranten Straßenschlachten mit der Polizei. Dabei kamen am Freitag zwei Menschen ums Leben, zahlreiche weitere wurden verletzt. Wie der Sender DawnNews berichtete, starb bei Unruhen in der südlichen Hafenstadt Karatschi ein Polizist. Tausende Demonstranten hätten dort versucht, zum US-Konsulat zu marschieren und sich heftige Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. Zuvor war im nördlichen Peschawar bereits ein Mitarbeiter eines Fernsehsenders getötet worden.
In der Hauptstadt Islamabad durchbrachen unterdessen nach Medienberichten Hunderte aufgebrachte Muslime mehrere Absperrungen rund um das Regierungsviertel. In dem Bereich liegen in einem zusätzlich gesicherten Areal auch westliche Botschaften. Zahlreiche Polizisten und Demonstranten seien verletzt worden. Innenminister Rehman Malik erklärte, die Armee stünde zum Eingreifen bereit.
Auch in der ostpakistanischen Stadt Lahore lieferten sich Hunderte Demonstranten Straßenschlachten mit Sicherheitskräften. Politische und religiöse Gruppen haben in ganz Pakistan zu Protesten gegen den islamfeindlichen Mohammed-Film nach den Freitagsgebeten aufgerufen.
ler/Reuters/dpa
Angst vor Unruhen
Frankreich verbietet Proteste gegen Mohammed-Karikaturen
Die französische Regierung will das Risiko von Ausschreitungen im eigenen Land minimieren - und untersagt deshalb sämtliche Demonstrationen gegen die umstrittenen Mohammed-Karikaturen. Inzwischen erreicht die Protestwelle auch Deutschland. Die Polizei ist in mehreren Städten in Alarmbereitschaft.
Paris - Frankreich hat am Freitag alle öffentlichen Demonstrationen gegen die umstrittenen Mohammed-Karikaturen einer Satirezeitung verboten. Es werde keine Ausnahmen geben, sagte Innenminister Manuel Valls. Bereits Mitte der Woche hatte er entsprechende Maßnahmen angekündigt.
Auch der größte französische Muslimenverband CFCM rief dazu auf, nicht auf die Straße zu gehen. "Jeder Protest könnte missbraucht werden und wäre kontraproduktiv", sagte Verbandspräsident Mohammed Moussaoui dem Rundfunksender RFI. In Paris war die Polizei an zentralen Orten zu sehen, hielt sich jedoch im Hintergrund.
Nach den tödlichen Protesten gegen einen in den USA produzierten Mohammed-Schmähfilm hatte das französische Satireblatt "Charlie Hebdo" am Mittwoch Karikaturen über den islamischen Propheten veröffentlicht. Die Auflage von 70.000 Exemplaren war innerhalb von Minuten ausverkauft, inzwischen wurde eine zweite gedruckt.
Aus Furcht vor Gewalt nach den Freitagsgebeten blieben in etwa 20 muslimischen Staaten französische Einrichtungen und Botschaften geschlossen. Polizeibeamte und Soldaten umstellten in mehreren arabischen Ländern französische Einrichtungen, um gewalttätige Proteste zu verhindern. In der libanesischen Hauptstadt Beirut standen am Freitag Militärfahrzeuge neben der französischen Botschaft. Alle französischen Schulen blieben geschlossen. Zusätzlichen Polizeischutz erhielt nach Angaben aus Sicherheitskreisen auch das Grabungshaus der französischen Archäologen im oberägyptischen Luxor.
Vor der französischen Botschaft in Kairo marschierte die Ordnungspolizei auf, nachdem salafistische Gruppen Proteste gegen die Mohammed-Karikaturen des französischen Satiremagazins "Charlie Hebdo" nach dem Freitagsgebet angekündigt hatten. Die Muslimbrüder, die sich selbst gerne als "gemäßigte Islamisten" darstellen, hatten die Zeichnungen, die diese Woche veröffentlicht worden waren, zwar auch scharf kritisiert. Sie haben jedoch nicht zu Protesten aufgerufen. In Tunesien und Ägypten sind die Muslimbrüder an der Regierung beteiligt.
Proteste in Deutschland
Die Protestwelle erreicht nun auch Deutschland. Die Polizei ist in Freiburg und Münster in Alarmbereitschaft. Zu einer angemeldeten Demonstration in Freiburg gegen das in den USA entstandene Schmähvideo erwartete die Polizei für den Nachmittag rund 800 Menschen. In Münster war eine Protestveranstaltung mit 1000 Teilnehmern angemeldet.
Ein Freiburger Polizeisprecher erklärte, die dortige Veranstaltung werde von einem starken Aufgebot an Beamten begleitet. Grund sei die weltweit angespannte Sicherheitslage. Man gehe aber davon aus, dass zu der Versammlung nach dem muslimischen Freitagsgebet alles friedlich bleibe.
Auch in der Münsteraner Innenstadt erwarteten die Beamten für den Abend keine Zwischenfälle bei der Demo "Gegen den religionsbeleidigenden Film im Internet", wie eine Polizeisprecherin sagte.
Zwei Tote in Pakistan
In Pakistan lieferten sich Demonstranten Straßenschlachten mit der Polizei. Dabei kamen am Freitag zwei Menschen ums Leben, zahlreiche weitere wurden verletzt. Wie der Sender DawnNews berichtete, starb bei Unruhen in der südlichen Hafenstadt Karatschi ein Polizist. Tausende Demonstranten hätten dort versucht, zum US-Konsulat zu marschieren und sich heftige Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. Zuvor war im nördlichen Peschawar bereits ein Mitarbeiter eines Fernsehsenders getötet worden.
In der Hauptstadt Islamabad durchbrachen unterdessen nach Medienberichten Hunderte aufgebrachte Muslime mehrere Absperrungen rund um das Regierungsviertel. In dem Bereich liegen in einem zusätzlich gesicherten Areal auch westliche Botschaften. Zahlreiche Polizisten und Demonstranten seien verletzt worden. Innenminister Rehman Malik erklärte, die Armee stünde zum Eingreifen bereit.
Auch in der ostpakistanischen Stadt Lahore lieferten sich Hunderte Demonstranten Straßenschlachten mit Sicherheitskräften. Politische und religiöse Gruppen haben in ganz Pakistan zu Protesten gegen den islamfeindlichen Mohammed-Film nach den Freitagsgebeten aufgerufen.
ler/Reuters/dpa