Die serbische Regierung bemühte sich in den folgenden Jahrzehnten, ihr Territorium auf Kosten des Osmanischen Reiches, der albanischen und auch bulgarischen (= mazedonischen) Bevölkerung nach Süden auszudehnen. Im Ergebnis des ersten
Balkankriegs 1912 verlor das Osmanische Reich, abgesehen von
Ostthrakien, seine restlichen europäischen Besitzungen. Kosovo (das damals bereits eine nicht-serbische Bevölkerungsmehrheit aufwies)[SUP]
[7][/SUP] und der nordwestliche Teil
Makedoniens fielen an das
Königreich Serbien.
Österreich-Ungarn versuchte seinerseits die Ausdehnung Serbiens zu begrenzen und erreichte, dass den Serben von der Botschafterkonferenz der Großmächte ein Zugang zur
Adria in der Nähe der nordalbanischen Stadt
Shkodra verwehrt wurde. Gleichzeitig unterstützte man die Bildung eines
albanischen Staates.
Eine kleine politische Elite der Albaner hatte sich erst seit etwa 1900 mit der Frage befasst, was aus den Albanern werden soll, wenn die osmanische Herrschaft vom Balkan verschwindet. Als die Sieger des ersten Balkankriegs begannen, die eroberten Gebiete aufzuteilen, entschlossen sich die albanischen Führer am 28. November 1912 zur Ausrufung des unabhängigen Staates
Albanien. An der Deklaration in der Hafenstadt
Vlora waren auch Kosovo-Albaner, unter anderem
Isa Boletini, beteiligt. Die künftigen Grenzen waren völlig unklar und die provisorische Regierung Albaniens hatte keinerlei Macht, erstrebte aber trotzdem die Vereinigung aller albanischen Siedlungsgebiete im albanischen Staat. Kosovo und das nordwestliche Makedonien fielen jedoch an Serbien und die Handelsstadt
Ioannina und dessen Umgebung an Griechenland. Obwohl die albanischen Führer nur die Vereinigung der albanisch bewohnten Gebiete forderte, sahen die Nachbarländer hier eine Bestrebung zur Eroberung ihrer Regionen, die sie beansprucht hatten. Nationalistische Ideologien von einem „großen“ Nationalstaat warf man daher auch den Albanern vor (vgl. auch
Großalbanien).
Damit verlief seit 1912 die Geschichte der Albaner in Albanien und im Kosovo in sehr unterschiedlichen Bahnen: Schon die bei der Eroberung des Kosovos von der serbischen Armee verübten Grausamkeiten - etwa 10.000 Zivilisten waren dabei umgekommen - haben das Verhältnis der Albaner zu den neuen Machthabern von Anfang an schwer belastet. Die serbische Regierung hatte geplant, die neu gewonnenen Gebiete möglichst schnell dem restlichen Staatsgebiet anzugleichen. Dazu gehörte auch, dass überall die serbische Staatssprache und das serbische Schulwesen durchgesetzt wurde. Nicht nur bei den Albanern, sondern auch bei den Mazedoniern und anderen betroffenen Minderheiten waren diese Maßnahmen nicht sehr populär. Schon in den ersten Jahren der serbischen Herrschaft hatte die Auswanderung von Türken, Albanern und
slawischen Muslimen in die Türkei (als wesentlichstes verbliebenes Gebiet des Osmanischen Reichs) eingesetzt, weil diese Muslime nicht unter christlicher Herrschaft leben wollten und teilweise auch schon unter Repressionen der neuen Herren zu leiden hatten. Diese Abwanderung setzte sich auch in der Zwischenkriegszeit in mehr oder weniger starken Schüben fort.