Gut meiner Meinung nach.
Viele schätzen das ohne Milosevic und den serbischen Nationalismus Tudjmn gar nicht an die Macht gekommen wäre. Ehrlich gesagt schätz ich das genauso ein. Aber sicher bin ich mir nicht.
In der damaligen Zeit kamen sehr viele Faktoren zusammen. Die Redefreiheit im demokratischen Umbruch hatte Schockwirkung auf die "beschützte" Gesellschaft. Europa im Umbruch, Zukunftsängste.
Da kam schon einiges Zusammen. Ich denke auch das man im Nachhinein feststellen kann das es bei den Kroaten einen tiefen Wunsch nach Unabhängigkeit gab.
Wenn man sich Beispielsweise anschaut wie schnell der kroatische Frühling, der zunächst positiv anfing, nationalistisch wurde und damals hat Tudjman auch schon mitgemischt, dann kann man Milosevic nur bedingt verantwortlich machen.
Letztendlich stellt sich die Frage warum ist die kroatische Linke auf die Seite von Tudjman wechselte. Letztendlich war es sicher auch der serbische Nationalismus der sie schwächte aber der Kommunismus brach halt in ganz Europa zusammen und mit der Redefreiheit kam auch der Unmut über die Kommunisten zum Ausdruck. Da herrscht auch viel Druck. Auch seitens der katholischen Kirche.
Tudjmans intellektueller Erguss zum Thema Jasenovac beispielsweise wurde 89 in einem Kirchenblatt abgedruckt.
Um es kurz zu machen die Beziehungen waren schon im 1. Jugoslawien stark belastet, mit der Demokratisierung im 2. wäre es wieder zu den üblichen Konflikten gekommen.
Zu dem Zeitpunkt als Tudjamn an die Macht kam hatte er längst einen sehr starken Rückhalt und mit der Macht auch die Mittel weiter Druck auszuüben.
Der Mann ist für seine Visionen über Leichen gegangen. Da muss man sich nichts vormachen.
Schau dir an wie die Erneuerung der kroatischen Sprache verlief. Da wurde jedes Wort auf die Goldwaage gelegt und erinnerte teilweise an die Bücherverbrennung der Nazis.
Ich zitier mal den Opportunisten Nr.1 Mesic aus einem Artikel der lustigerweise
"Knjigocid" im Titel trägt.
Was soll das mit Milosvic zu tun gehabt haben? Das geht meiner Meinung nach viel tiefer und ich halte es für unwahrscheinlich das irgend ein Friedensplan hier etwas gerettet oder Tudjamn abgehalten hätte.
Tudjamn hatte kein Problem damit die internationale Isolierung in Kauf zu nehmen.
Das klingt so als ob Jugoslawien grösstenteils urbanisiert war. Das ist Quatsch.
Im alltäglichen Leben und in einem Land mit einem 1 Parteien System, in dem übertriebener Nationalismus bestraft wurde ist es sicherlich zunächst einmal egal wer oder was du bist.
Das ändert sich aber mit Politik in dem nationales Interesse eine zentrale Rolle spielt.
Das eine ist der serbische Nationalismus. Alles schön und gut, akzeptier ich. Aber wer Milosevic für den Zerfall Jugoslawiens verantwortlich machen will der redet sich die Welt schön.
Es hieß ja damals nicht "Milosvic ist ein Problem wir müssen uns mit der serbischen Opposition zusammenschliessen und ihn entmachten."
Nein sondern die Serben sind das Problem. Gerde du hast des öfter unterstrichen das die Bosnijaken in einem Rumpfjugoslawien niemals gerecht behandelt worden wären.
Weswegen? Wegen Milosevic?
Wohl eher wegen den Serben.... weil sie so... sagen wir mal nationalistisch sind.
Dann hab ich dich gefragt wie denn dann ein Unabhängiges BiH mit soviel Serben und vor allen Dingen mit solchen Vorbehalten funktionieren soll?
Deine Antwort: "In einem unabhängigen BiH sind es nicht mehr so viele Serben"... sprich die nationale Zusammensetzung wäre dann ausgeglichener.
Daraus ergibt sich die zynische Formel: "Je weniger Serben, desto besser für einen Bosniaken/ Kroaten".
Diese Denke spielt eine entscheidende Rolle beim Zerfall Jugoslawiens und beschränkt sich nicht nur auf deine Person. Damit hat Milosevic im Grunde nichts zu tun.
Das sind die nationalen Vorbehalte von Bosniaken und Kroaten. Ich sehe darin nicht einen besonderen Rassismus sondern eher entgegengesetzte nationale Interessen, die geschichtliche und kulturelle Wurzeln haben.
Selbst Zulfikarpasic und Filipovic die das Historische Abkommen mit den Serben eingehen wollten taten dies nur um den Frieden in BiH zu erhalten.
Im politischen Verständnis von Zulfikarpasic, dem nationalen Vater der Bosniaken, gelten die Kroaten als "natürlichen Verbündeten". So der O-Ton in Zulfikarpasic Schriften aus den 60ern.
Und das obwohl Serben und Bosniaken hunderte von Jahren gemeinsam im Osmanischen Reich gelebt und weitaus mehr kulturelle Gemeinsamkeiten haben.
Es stellt sich natürlich die Frage... "natürlich Verbündete" gegen wen?
Das geht alles viel tiefer als der Alltag und die Erinnerungen an Jugoslawien es vermuten lassen.
Ob mit Milosevic oder mit serbischen Panzern oder auch ohne, Jugoslawien wäre Zerfallen weil es mit der Demokratisierung zu den alten Konflikten wie im 1. Jugoslawien gekommen wäre. Die Eskalation war vorprogrammiert.
Zumindest meiner Meinung nach.