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Marc Ouellet: Der Kandier gilt als einer der aussichtsreichsten Kandidaten für den Heiligen Stuhl. Seit 2010 leitet er die Bischofskongregation, zu der die Betreuung der Bischöfe und die Ordnung der Bistümer gehört. Ouellet spricht viele Sprachen, steht nicht gerne im Rampenlicht und gilt in theologischen Fragen als konservativer Hardliner. Beobachtern zufolge wird er von Papst Benedikt XVI. wegen seiner Intellektualität, seiner Integrität und seiner tiefen Spiritualität enorm geschätzt. Als eines von acht Kindern eines Schulleiters und einer Hausfrau wuchs Ouellet in einer ländlichen Region des französischsprachigen Teil Kanadas auf. Nach dem Studium der Philosophie und Theologie - unter anderem auch in Deutschland und Österreich - wurde er Priester, arbeitete in Kanada und auch einige Jahre in Kolumbien. Ouellet gilt als Kosmopolit und spricht unter anderem Englisch, Deutsch, Französisch, Portugiesisch und Spanisch. In theologischen Fragen zeigt er sich stets streng und konservativ und hat sich unter anderem öffentlich scharf gegen Abtreibung und Homo-Ehe ausgesprochen. Ouellet hat die Erzdiözese Quebec geleitet und in verschiedenen Positionen im Vatikan gedient. Oellet wurde schon in der Vergangenheit als möglicher Papst-Nachfolger gehandelt. Er fand darauf in Interviews immer deutliche Antworten: "Ich glaube nicht, dass ich einmal Papst werde." Das, so Ouellet, "wäre ein Alptraum".

Peter Turkson: Kardinal Peter Kodwo Appiah Turkson aus Ghana ist als Leiter des vatikanischen Büros für Frieden und Gerechtigkeit so etwas wie das soziale Gewissen der Kirche. Der 64-Jährige gilt als selbstbewusst, volksnah und mediengewandt und spricht neben fünf anderen Sprachen auch gut deutsch. Berichten zufolge kann er weder als konservativ noch als fortschrittlich beschrieben werden, steht Emanzipationsbestrebungen von Minderheiten wie Homosexuellen allerdings kritisch gegenüber. Seine Skepsis gegenüber dem Islam ist angesichts des Vordringens von Extremisten in Afrika gewachsen. Turkson, der mit neun Geschwistern aufwuchs, schloss das Theologiestudium in New York ab. Im Jahr seiner Bischofsweihe kehrte er 1992 nach Ghana zurück und wurde Erzbischof. Papst Johannes Paul II. ernannte ihn 2003 zum ersten Kardinal aus Ghana.

Francis Arinze: Im Vatikan hoch geachtet, diente der Nigerianer schon Johannes Paul II. als Berater. Wenn in Rom die Möglichkeit eines schwarzen Papstes erörtert wurde, tauchte sein Name stets auf. Allerdings ist der Kardinal heute schon 80 Jahre alt. Der Nigerianer wurde in einem ärmlichen Dorf geboren, seine Familie hing Naturreligionen an. Nach dem Besuch einer irischen Missionsschule wurde Arinze getauft, später Priester und schon mit 32 Jahren zum damals weltweit jüngsten Bischof geweiht. Als mutiger Seelsorger erwies er sich Ende der 60er Jahre. Im Biafrakrieg kümmerte er sich intensiv um Flüchtlinge. Der in Rom meist unbeschwert wirkende Geistliche, der früher gerne Fußball und Tennis spielte, ist nicht nur in seiner Heimat sehr beliebt. In Fragen von Familie und Sexualität gilt er als eher konservativ. Johannes Paul II. holte Arinze 1985 nach Rom. Wegen der Erfahrungen in Nigeria, wo jeweils etwa 40 Prozent Christen und Muslime sind, wurde er Vorsitzender des Rates für den Dialog mit anderen Religionsgemeinschaften. Er sagte damals, er glaube, Muslime, Buddhisten und Juden könnten genauso in den Himmel gelangen wie Christen. Später wurde er Präfekt der Gottesdienstkongregation. 2008 trat er aus Altersgründen zurück.

Odilo Pedro Scherer: Der Erzbischof von Sao Paolo gilt als Intergrator und hat den Ruf, sich für mehr Verantwortung von Laien in der katholischen Kirche einzusetzen. Einen Schwerpunkt seiner Arbeit sieht er in der Betreuung von Armen, die er in die Seelsorge einzubeziehen sucht.

Tarcisio Bertone: Der 78-jährige Kardinalstaatssekretär zählt als der Zweithöchster in der Kirchenhierarchie schon fast automatisch zu den Papst-Anwärtern. Allerdings ist der Fußballbegeisterte, der für italienische Sportzeitungen schon Analysen schrieb und eine Vatikan-Nationalmannschaft gründen wollte, nicht unumstritten. So werden ihm Fehler bei der Wiederannäherung an die Pius-Brüder, darunter den Holocaust-Leugner Bischof Richard Williamson, zur Last gelegt. Auch bei der Verfolgung sexueller Übergriffe von Priestern in den USA machte Bertone keine gute Figur. Seinem Vertrauenverhältnis zu Benedikt tat dies aber offenbar keinen Abbruch. Dieser sprach Bertone, der eine ursächliche Verbindung zwischen Homosexualität und Pädophilie propagiert, erst vor einigen Monaten erneut sein Vertrauen aus.

Timothy Dolan: Das älteste von fünf Kindern eines Flugzeugmechanikers könnte als erster Amerikaner Papst werden. Der 63-Jährige ist seit 2009 Erzbischof von New York, seit 2010 Vorsitzender der US-Bischofskonferenz und seit 2012 auch Kardinal. Der Konservative wettert gegen Schwulenehe und Abtreibung, sucht aber auch immer wieder Kontakt zu Menschen anderen Glaubens. New Yorks Erzbischof Timothy Dolan gilt als Konservativer mit viel Witz. Gefragt, ob auch Jesus Humor habe, sagte er: "Na klar. Er hat mich zum Priester erwählt!"

Luis Tagle: Als aufgehender Stern in der Kirche wird der Erzbischof der philippinischen Hauptstadt Manila gesehen. Er gilt als dynamisch und ist bei den rund 75 Millionen Katholiken in seiner Heimat außerordentlich beliebt. Tagle gilt als bescheiden, gütig, fröhlich und mediengewandt. Tagle studierte in Manila und an der "Catholic University of America" in Washington Theologie. Nach seiner Priesterweihe 1982 wirkte er zunächst als Pfarrseelsorger und Rektor des Priesterseminars von Imus im Norden der Philippinen. Anschließend kam er für vertiefende Studien nach Rom. 1997 wurde Tagle in die Internationale Theologenkommission des Vatikans berufen, wo er eng mit Joseph Ratzinger zusammenarbeitete. Im Oktober 2001 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Bischof von Imus. Tagle ist erst seit dem vergangenen Jahr Kardinal. Ob seine Zeit für die Übernahme des Stuhls Petri jedoch schon gekommen ist, ist offen: Angenommen, er würde wie Benedikt XVI. mit 85 Jahren aus dem Papstamt ausscheiden, stünde er der Kirche immerhin noch 30 Jahre lang vor.

Christoph Schönborn: Der Wiener Erzbischof hat nach den Skandalen um Kardinal Hans Hermann Groer und Bischof Kurt Krenn den Ruf eines Krisenmanagers, gilt aber auch als versöhnlicher und dialogfähiger Pragmatiker. Nach dem Rücktritt Groers wegen des Vorwurfs sexuellen Missbrauchs von Zöglingen wurde er 1995 dessen Nachfolger. Seine liberalen Aussagen zum Thema Homosexualität haben in der Kirche für Debatten gesorgt. 1987 wurde ihm die Aufgabe übertragen, den Weltkatechismus zu redigieren, der fünf Jahre später veröffentlicht wurde. 1998 wurde Schönborn von Papst Johannes Paul II. in das Kardinalskollegium aufgenommen. Der damals jüngste Kardinal ist inzwischen Mitglied in mehreren vatikanischen Kongregationen und Räten. Der Wiener Erzbischof ist polyglott und spricht gleichermaßen fließend Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch; als in Vorarlberg Aufgewachsener spricht er dazu noch den dortigen Dialekt sowie Schwyzerdütsch.
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