Unfassbar, dass Putin der Diktator so viele Anhänger hat. Warum ist das so?
Als Jelzin sich zum Neujahr 2000 verabschiedete, entschuldigte er sich beim russischen Volk. Bekommst du eine Ahnung von den 90ern in Russland? Schlimmste, übelste Zeit. Putin stand und steht bei vielen immer noch für Stabilität, Aufschwung. Er hat auch positive Dinge geschaffen, Reformierung, Modernisierung von Steuer- und Rentensystem, Familien-, Bildungsförderung usw. Konsens war: „Stabilität und Aufschwung und du darfst schalten“. Noch „zehrt“ er davon.
Außerdem wollten die Menschen nach den furchtbaren Jelzinjahren nur Ruhe, keine neuen Revoluzzer, keine neuen Umwälzungen, deren Bewältigung sehr viel abverlangte. Passt gut zu der jahrhundertealten Denkweise „Was können wir schon machen, der Zar richtets eh wie er will“. Ohne dieses Gefühl und damit auch einhergehendes Bewusstsein für „Wir haben teil auch an politischen und gesellschaftlichen Vorgängen, Entscheidungsprozessen und dafür auch Verantwortung“. Eine wirklich demokratische und pluralistische Gesellschaft ist jedoch kein Selbstläufer. Auch den Gesellschaften in „Europa“ fiel das keineswegs selbstverständlich zu, sondern war fast überall ein langer und oft auch steiniger Prozess. Ein Prozess, den die Russen ohne jegliche demokratische Erfahrung „gerade“ erst beschritten haben.