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Nicht immer vermag man dahinterzukommen, was Menschen veranlaßt, sich aus den chemischen Stoffen einer oder das andere als gewohnheitsmäßiges Genußmittel zuzuführen. Weder betäubende noch erregende Wirkungen kommen dem metallischen Quecksilber zu, und doch nehmen davon, wie ich mitgeteilt habe, Litauer in der Gegend von Memel, velleicht auch anderwärts, steigend Mengen von 5 bis 30 g auf einmal. Knaben im Alter von 14 bis 16 Jahren sollen mit 5 g beginnen. Das durch den Darm gelaufene Metall wird nach einiger Zeit wieder in einem Gefäße aufgefangen. Zerstiebt das Quecksilber im Darm zu feinsten Partikelchen, so wird deren Verdampfungsoberfläche so groß, daß auch Quecksilberwirkungen eintreten können. Bleibt es zusammen, so können große Mengen ohne Schaden durch den Darm passieren.
So erging es einst dem Kurfürsten Georg von Brangenburg, der bei der Hochzeit sehr viel getrunken hatte, dadurch nicht mehr Herr seiner Handlungen und durstig geworden war und in diesem Zustande eine Flasche mit Quecksilber austrank. Das Quecksilber lief durch den Darm, ohne Schaden zu erzeugen.
Kann man dies aus physikalischen Gründen verstehen, so das andere nicht, was über den gewohnheitsmäßigen Gebrauch des Sublimats mitgeteilt worden ist. Erschöpft sich bei türkischen Opiumessern die Empfänglichkeit für diesen Stoff und findet sich keine Qualität desselben, welche das erwünschte Behagen zu bedingen imstande ist, dann greifen sie zum Sublimat, das, mit 0,05 g (!) begonnen, in stufenweiser Zunahme mit dem Opium gemischt, dem Bedürfnis volkommen entspricht. So sollen einzelne Individuen auf 2 g Sublimat, für den Tag gekommen sein. Sie hätten angegeben, daß das Sublimat schon an für sich ein starkes Gefühl von Wohlbehagen errege, sich besonders aber durch die Wirkung auszeichne, den narkotischen Effekt des Opiums festzuhalten. Jene welche sich an diese Verbindung des Quecksilbers gewöhnten, sollen sie auch ohne Opium zu sich nehmen, ohne hierdurch Beschwerden zu erfahren. Man will einen Mann etwa 1,2 g Sublimat, mit 3,5 g Opium gemischt, mit sichtbarem Vergnügen verschlingen und gesund bleiben gesehen haben. Aber auch ohne Opium soll Sublimat in Peru und Bolivien gewohnheitsmäßig in Dosen genommen werden, die unserer Ansicht nach als giftige angesehen werden müssen.
Bis auf weiteres muß alles dies bezweifelt werden, weil es undenkbar ist, daß Sublimat nicht mindestens seine örtlich ätzende Wirkung im Darme entfalten und damit den Menschen örtlich, mit den Folgesymptomen, schnell krank machen sollte.
Prof. Dr. Louis Lewin, Phantastica, 1924
So erging es einst dem Kurfürsten Georg von Brangenburg, der bei der Hochzeit sehr viel getrunken hatte, dadurch nicht mehr Herr seiner Handlungen und durstig geworden war und in diesem Zustande eine Flasche mit Quecksilber austrank. Das Quecksilber lief durch den Darm, ohne Schaden zu erzeugen.
Kann man dies aus physikalischen Gründen verstehen, so das andere nicht, was über den gewohnheitsmäßigen Gebrauch des Sublimats mitgeteilt worden ist. Erschöpft sich bei türkischen Opiumessern die Empfänglichkeit für diesen Stoff und findet sich keine Qualität desselben, welche das erwünschte Behagen zu bedingen imstande ist, dann greifen sie zum Sublimat, das, mit 0,05 g (!) begonnen, in stufenweiser Zunahme mit dem Opium gemischt, dem Bedürfnis volkommen entspricht. So sollen einzelne Individuen auf 2 g Sublimat, für den Tag gekommen sein. Sie hätten angegeben, daß das Sublimat schon an für sich ein starkes Gefühl von Wohlbehagen errege, sich besonders aber durch die Wirkung auszeichne, den narkotischen Effekt des Opiums festzuhalten. Jene welche sich an diese Verbindung des Quecksilbers gewöhnten, sollen sie auch ohne Opium zu sich nehmen, ohne hierdurch Beschwerden zu erfahren. Man will einen Mann etwa 1,2 g Sublimat, mit 3,5 g Opium gemischt, mit sichtbarem Vergnügen verschlingen und gesund bleiben gesehen haben. Aber auch ohne Opium soll Sublimat in Peru und Bolivien gewohnheitsmäßig in Dosen genommen werden, die unserer Ansicht nach als giftige angesehen werden müssen.
Bis auf weiteres muß alles dies bezweifelt werden, weil es undenkbar ist, daß Sublimat nicht mindestens seine örtlich ätzende Wirkung im Darme entfalten und damit den Menschen örtlich, mit den Folgesymptomen, schnell krank machen sollte.
Prof. Dr. Louis Lewin, Phantastica, 1924
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