Ron Paul und die deutschen Medien
Nur ungern wird im deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunk über Ron Paul berichtet. Die Tatsache, dass gerade in letzter Zeit über ihn berichtet wird, ist zwar erfreulich, resultiert aber wohl in erster Linie aus juristischen Zwängen. So steht in § 11 (1) im II. Abschnitt des Rundfunkstaatsvertrags über die Vorschriften für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk unter anderem folgendes:
,,[...] Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten haben in ihren Angeboten einen umfassenden Überblick über das internationale, europäische, nationale und regionale Geschehen in allen wesentlichen Lebensbereichen zu geben. [...]'' (
§ 11 (1) RStV)
Da die Vorwahlen zum republikanischen Präsidentschaftskandidaten, der womöglich bald die Supermacht U.S.A. regieren könnte, durchaus ein wichtiges und eventuell international bedeutendes Ereignis sind, bleibt dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk also nichts anderes übrig, als darüber zu berichten.
Als Libertärer fiebert man einer solchen Berichterstattung natürlich mit großer Spannung entgegen, zumal viele Libertäre mit Ron Paul sympathisieren. Dieser vertritt, wenn auch nicht zu 100%, viele libertäre Ansichten und dürfte vor allem unter libertären Minarchisten auf hohe Resonanz stoßen. Umso trauriger ist man dann über die Qualität der Berichterstattung über ihn.
Rüdiger Paulert etwa, vom WDR-Hörfunkstudio in Washington, verortet Ron Paul
,,am rechten Rand des republikanischen Wählerspektrums'', da Ron Paul die Aufgaben des Staates drastisch zurückfahren und den Amerikanern mehr Freiraum gewähren will, wobei er
,,vor unkonventionellen Schritten nicht zurück [schreckt]'', wie etwa der Prüfung und Kontrolle der Federal Reserve.
Marco Kanne dazu wie immer ganz passend:
,,Wer anhand dieser Aussage nicht mitbekommt, dass Worthülsen wie "links" und "rechts" eben nur leere Worthülsen sind, der bekommt ohnehin nichts mehr mit. "Rechts" bedeutet also, "den Staat drastisch" zurückzufahren und dem einzelnen Menschen "mehr Freiraum zu gewähren" [...] ? Eine solche "Rechte" hätte ich mir früher mal gewünscht!''
Für Sabrina Fritz vom SWR-Hörfunkstudio in Washington vertritt Ron Paul ,,sehr extreme Ansichten'':
,,Er will die USA gesundschrumpfen. Kompletter Rückzug aller Auslandseinsätze, Bedrohung durch den Iran? "Wir haben 12.000 Diplomaten, warum nutzen wir die nicht statt Bomben?", sagt er. Umweltbehörde, Zentralbank - alles schließen, so der alte Haudegen. Damit ließen sich dann eine Billion Dollar einsparen und das Schuldenproblem sei gelöst.''
Ron Pauls Ansichten kurz zusammengefasst:
Innenpolitisch: mehr Selbstbestimmung statt staatlicher Bevormundung.
Außenpolitisch: außenpolitische Enthaltsamkeit, diplomatischer Dialog und Selbstbestimmung der derzeit okkupierten Staaten statt militärischem Interventionismus, Bomben und Fremdbestimmung.
Wirtschaftspolitisch: Freier Handel, Selbsteigentum, freies Marktgeld und Entschuldung statt Sozialismus, grober Verletzung der Eigentumsrechte durch Steuerdiebstahl im großen Stil, FED und Verschuldung.
Traurig aber wahr: Wer heute noch vernünftig denken kann und gegen Krieg und für solide Finanzen ist, gilt als Extremist, wer hingegen Kriege führt und auf Bankrott zusteuert, gilt als wählbar.
FREITUM | Konsequent libertär.: Ron Paul und die deutschen Medien