Usbekistan wirft die Amerikaner zum Jahres Ende raus
Dort haben die Amerikaner, aber auch Deutsche eine wichtige Flug Platz Basis, als Drehscheibe zu Afghanistan.
unge Welt, 29.09.2005
Danke, Karimow!
Usbekistan schließt US-Stützpunkt
Nun ist es endgültig: Die US-Armee wird ihre Militärbasis in Usbekistan bis zum Jahresende räumen. Von Karschi Chanabad aus waren insbesondere die US-Besatzungstruppen in Nordafghanistan versorgt worden. Aber es geht nicht nur um den Hindukusch. Mit dem erzwungenen Abzug wird zum ersten Mal eine Lücke in den Einkreisungsring gesprengt, den das Pentagon nach dem 11. September um die Südflanke der Russischen Föderation gelegt hat. Mehr noch: Nachdem es seit Dezember 2003 in rascher Folge zu proamerikanischen Umstürzen in Georgien, der Ukraine und Kirgistan kam, die öffentlichkeitswirksam wechselweise als Rosen-, Orangen- und Zitronenrevolutionen verkauft wurden, ist der weitere Export fauliger Früchte fürs erste gestoppt.
Mit dem Bruch zwischen Präsident Islam Karimow und seinem Washingtoner Amtskollegen George W. Bush ist auch eine Streitfrage entschieden, die bis in die Linke hinein debattiert worden ist: Ob sich das Regime in Taschkent mit der blutige Niederschlagung eines islamischen Aufstandes Mitte Mai als williger Alliierter der US-Hegemonialpolitik unter dem Label "Kampf gegen den Terrorismus" erwiesen habe, oder im Gegenteil als ihr entschlossener Widerpart. Hätte die erste Annahme gestimmt, wäre das jetzige Zerwürfnis unvorstellbar.
Rekapitulieren wir die Abläufe: Am 5. Mai trat die Regierung in Taschkent aus dem GUUAM-Pakt aus, in dem sich ansonsten mit Georgien, der Ukraine, Aserbaidschan und Moldawien alle Staaten verbündet haben, die von US-Marionetten regiert werden. Sieben Tage darauf stürmte ein entfesselter Mob Kasernen, Regierungsgebäude und ein Gefängnis in der Stadt Andischan. Da die Sicherheitskräfte aber, im Unterschied zu Kirgistan Ende März, nicht zu den Aufständischen überliefen, scheiterte der Umsturz. Sofort begann das Menschenrechtsgeflenne von NATO, EU und den angeschlossenen NGOs.
Die Lage war auch für Linke zunächst schwer zu durchschauen, weil die Masse der usbekischen Aufrührer unter der grünen Fahne des Propheten demonstrierten und nicht, wie etwa in Kiew, unter dem Sternenbanner. Dabei war das Bündnis zwischen einheimischen Mullahs und westlichen Kolonialisten doch schon im bosnischen Bürgerkrieg schrecklich erfolgreich gewesen. Man sollte sich also durch die Reklame der Neocons nicht blenden lassen: Globale Imperialisten und globale Dschihadisten sind keine Antipoden, sondern nur Konkurrenten. Ihr gemeinsamer Feind ist die nationale Souveränität. Die Devise in diesem Great Game: Pack schlägt sich, Pack verträgt sich.
Jürgen Elsässer