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Vorbild Türkei: Eine Mischung aus ATATÜRK und Erdogan

Katana

TEK-BiR
Vorbild Türkei: Die arabische Welt braucht Atatürk + Erdoğan

Erdoğan hat es verstanden, das Verhältnis von Religion und Staat ein Stück weit nach westlichem Vorbild zu normalisieren. Auch die Staaten des „Arabischen Frühlings“ müssten sich demokratische Verfassungen geben, die sowohl die Gewaltenteilung als auch die Religionsfreiheit zu Grundfesten der neuen Ordnung machen.



Die Türkei verdankt den Erfolg ihres politischen Systems Atatürk. Letztlich war es sein, an den westlichen Demokratien ausgerichtetes Grundkonzept, welches einer gemäßigten Partei wie der AKP die Möglichkeit gab, die Regierung zu stellen. Da es in der arabischen Welt jedoch keine verfassungsrechtlich gesicherte Gewaltentrennung der Institutionen gibt, können sich die Staaten des „Arabischen Frühlings“ auch nicht an der Türkei orientieren, sagt die aus Somalia stammende, niederländische Politikerin Hirsi Ali in der Financial Times (sie hat sich vom Islam abgewendet und gilt heute als islamkritische Atheistin).
Die Situation in der Türkei unterscheidet sich daher wesentlich von der Lage der Staaten des „Arabischen Frühlings“. Um 1920 habe die Türkei unter Atatürk einen westlichen Kurs eingeschlagen. Dass die Wirtschaft der Türkei eine der dynamischsten in der muslimischen Welt werden konnte, sei zunächst vor allem dem Gründer Atatürk zuzurechnen, sagt Ali.


Als geopolitischer Nutznießer der Revolutionen und Vorbild eines „muslimisch-demokratisch“ geführten Landes mit brummendem Wirtschaftsmotor galt bisher die Türkei (mehr hier). Selbst die Anführer der sunnitisch-fundamentalistischen Muslimbrüder in Ägypten, Marokko und Tunesien hatten immer wieder betont, der türkischen AKP sehr ähnlich zu sein (mehr hier).
„Die Arbeit der AKP wird vom Militär, den Gerichten und der Presse überwacht – wenn auch noch nicht absehbar ist, für wie lange noch“, sagt Ali (so optimistisch sehen das aber nicht alle Beobachter – mehr hier). Und diese Gewaltenteilung, und damit gegenseitige Kontrolle der Institutionen, fehle in der arabischen Welt.
„Die Wahlen in Tunesien, Marokko und Ägypten haben gezeigt, dass die säkularen Individuen und Gruppierungen die eigentlichen Randgruppe der arabischen Politik sind“, sagt Ali. Westliche Politiker hatten nach dem „Arabischen Frühling“ gehofft, dass nur eine Randgruppe einen politischen Islamismus befürworten würde. Doch dieser Islamismus werde nicht von einer Minderheit getragen, sondern von der Mehrheit (mehr hier).
Der Übergang von einer geschlossenen hin zu einer offenen Gesellschaft werde für die arabisch-muslimische Welt ein langer und schmerzhafter Weg. Für den Westen wäre es daher angebracht, die säkularen Gruppen, die die Revolutionen herbeigeführt hatten, mehr zu unterstützen. Kairo sei nicht wie Ankara nach Atatürk und noch weniger wie Bonn nach Adenauer.
„Es ist an der Zeit, sich von der vermessenen Annahme zu verabschieden, dass es eine gemäßigte Mitte in der arabischen Welt gibt“, sagt Ali. Radikale Gruppen, die sich als Parteien organisieren, würden ihr langgehegtes Vorhaben der Einführung der Scharia umsetzen.
Der einzige Weg, eine solche Entwicklung zu verhindern, müsste also darin bestehen, dass sich die arabischen Staaten demokratische Verfassungen geben, die sowohl die Gewaltenteilung als auch die Religionsfreiheit zu Grundfesten der neuen Ordnung machen. Diese sollten dann Basis für einen nationalen Konsens sein, in dem eine Trennung von Religion und Staat festgeschrieben wird.
Erdoğans Verdienst in der Türkei war es, die Muslime vom Generalverdacht zu befreien, der sie über lange Zeit in der freien Ausübung ihrer Religion behinderte. Erdoğan hat auch erste, vorsichtige Schritte unternommen, den christlichen Kirchen die Möglichkeit zu geben, ihre Religion einigermaßen ungestört ausüben zu können. Sein zweites Verdienst: Er hat den tiefen Staat und vor allem das Militär in die Schranken gewiesen. Dass die Pressefreiheit dabei vielfach auf der Strecke blieb, ist eines der großen Versäumnisse Erdoğans. Aber er hat es verstanden, das Verhältnis von Religion und Staat ein Stück weit nach westlichem Vorbild zu normalisieren.
Ob der „Arabische Frühling“ gleich von Anfang an Führer hervorbringen kann, die zugleich charismatisch und pragamtisch sind, ist eine andere Frage. Aber hier kann die Türkei auf jeden Fall als Vorbild gelten: Auch sie hat Jahrzehnte gebraucht, um das offenkundige Dilemma wenigsten ansatzweise aufzulösen.
 
I

Indianer

Guest
Die Türkei verdankt den Erfolg ihres politischen Systems Atatürk. Letztlich war es sein, an den westlichen Demokratien ausgerichtetes Grundkonzept, welches einer gemäßigten Partei wie der AKP die Möglichkeit gab, die Regierung zu stellen.






danke, mehr wollte ich nicht wissen:weise:
 

liberitas

Ultra-Poster
Die Türkei verdankt den Erfolg ihres politischen Systems Atatürk. Letztlich war es sein, an den westlichen Demokratien ausgerichtetes Grundkonzept, welches einer gemäßigten Partei wie der AKP die Möglichkeit gab, die Regierung zu stellen.






danke, mehr wollte ich nicht wissen:weise:

Alles was man in den Himmel hebt, sollte man vorerst gründlich überdenken. :D
 
I

Indianer

Guest
Alles was man in den Himmel hebt, sollte man vorerst gründlich überdenken. :D


wieso?
das steht doch in dem bericht.
ist doch nicht auf meinem mist gewachsen.
aber ernten wird doch wohl erlaubt sein:balkangrins:
 

Duušer

Zar von Svabonija
Das einzige Problem ist noch dieses Nicht hinnehmen von Kritik gegen die Politik Türkeis bzw. freie Meinungsäusserung zu Atatürk. Mit dem Militär und diesen ja zu faschistischen Kindergartenaktionen die mittlerweile auch fast nicht mehr vorhanden sind (Youtube-Sperren wegen oben genannten Grund, die ja mittlerweile schon lange aufgehoben wurden) hat Erdogan schon alles richtig gemacht.
 

Timur

Squatzilla
Duušer;3108585 said:
Das einzige Problem ist noch dieses Nicht hinnehmen von Kritik gegen die Politik Türkeis bzw. freie Meinungsäusserung zu Atatürk. Mit dem Militär und diesen ja zu faschistischen Kindergartenaktionen die mittlerweile auch fast nicht mehr vorhanden sind (Youtube-Sperren wegen oben genannten Grund, die ja mittlerweile schon lange aufgehoben wurden) hat Erdogan schon alles richtig gemacht.
Ist auch gut so oder würdest du mit offenem Mund jemanden anschauen, wenn er deinen Vater beleidigen oder herabwürdigen würde?
 
Alphα;3108590 said:
Ist auch gut so oder würdest du mit offenem Mund jemanden anschauen, wenn er deinen Vater beleidigen oder herabwürdigen würde?

Aber odch nicht mit staatlichen Mitteln.
Er vertritt das Land und soll es halt mit privaten Mitteln lösen wenn er beleidigt wird, von mir aus soll er doch zurückbeleidigen.
 

Duušer

Zar von Svabonija
Alphα;3108590 said:
Ist auch gut so oder würdest du mit offenem Mund jemanden anschauen, wenn er deinen Vater beleidigen oder herabwürdigen würde?

Man darf ja wohl etwas Kritik zu jemanden äussern, wenn er paar Kurden hat vergasen lassen ;) Atatürk ist kein Übermensch... das wovon du da redest ist wiederum was anderes, war aber von meiner Seite auch nicht gemeint. Wenn jemand zu mir Hurensohn sagt lauf ich auch nicht einfach weinend weg zur nächsten Polizeisattion und erstatte Anzeige gegen XY, sondern es fliegen Schellen.
 

Afroasiatis

Top-Poster
„Die Wahlen in Tunesien, Marokko und Ägypten haben gezeigt, dass die säkularen Individuen und Gruppierungen die eigentlichen Randgruppe der arabischen Politik sind“, sagt Ali. Westliche Politiker hatten nach dem „Arabischen Frühling“ gehofft, dass nur eine Randgruppe einen politischen Islamismus befürworten würde. Doch dieser Islamismus werde nicht von einer Minderheit getragen, sondern von der Mehrheit (mehr hier).

Der Übergang von einer geschlossenen hin zu einer offenen Gesellschaft werde für die arabisch-muslimische Welt ein langer und schmerzhafter Weg. Für den Westen wäre es daher angebracht, die säkularen Gruppen, die die Revolutionen herbeigeführt hatten, mehr zu unterstützen. Kairo sei nicht wie Ankara nach Atatürk und noch weniger wie Bonn nach Adenauer.
„Es ist an der Zeit, sich von der vermessenen Annahme zu verabschieden, dass es eine gemäßigte Mitte in der arabischen Welt gibt“, sagt Ali. Radikale Gruppen, die sich als Parteien organisieren, würden ihr langgehegtes Vorhaben der Einführung der Scharia umsetzen.
Der einzige Weg, eine solche Entwicklung zu verhindern, müsste also darin bestehen, dass sich die arabischen Staaten demokratische Verfassungen geben, die sowohl die Gewaltenteilung als auch die Religionsfreiheit zu Grundfesten der neuen Ordnung machen. Diese sollten dann Basis für einen nationalen Konsens sein, in dem eine Trennung von Religion und Staat festgeschrieben wird.
Erdoğans Verdienst in der Türkei war es, die Muslime vom Generalverdacht zu befreien, der sie über lange Zeit in der freien Ausübung ihrer Religion behinderte. Erdoğan hat auch erste, vorsichtige Schritte unternommen, den christlichen Kirchen die Möglichkeit zu geben, ihre Religion einigermaßen ungestört ausüben zu können. Sein zweites Verdienst: Er hat den tiefen Staat und vor allem das Militär in die Schranken gewiesen. Dass die Pressefreiheit dabei vielfach auf der Strecke blieb, ist eines der großen Versäumnisse Erdoğans. Aber er hat es verstanden, das Verhältnis von Religion und Staat ein Stück weit nach westlichem Vorbild zu normalisieren.
Ob der „Arabische Frühling“ gleich von Anfang an Führer hervorbringen kann, die zugleich charismatisch und pragamtisch sind, ist eine andere Frage. Aber hier kann die Türkei auf jeden Fall als Vorbild gelten: Auch sie hat Jahrzehnte gebraucht, um das offenkundige Dilemma wenigsten ansatzweise aufzulösen.

Ich denke, das ist eine zu vereinfachte Sichtweise auf das Phänomen "politischer Islam". Hirsi Ali spricht so, als ob das nur ein Ausdruck der Unreife der arabischen Gesellschaften ist. Man ignoriert dabei alle Bedingungen die diese politische Strömung (die früher nicht so bedeutend war) so stark gemacht haben.

Außerdem denke ich, dass die Parteien, die in der Wahlen in Tunesien und Ägypten siegten, doch so etwas wie die gemäßigte Mitte sind. Und damit meine ich nicht, dass das gut ist. Was man vielleicht jetzt in der arabischen Welt braucht, ist eine radikalere Politik.
 
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