Nun stellt sich für mich die Frage, worum es überhaupt geht. Essekers Aussagen (katholische Bosnier/Herzegowiner) implizieren meiner Meinung nach (ich kann mich auch irren), dass er ihnen das Recht auf Bekenntnis zur kroatischen Identität abspricht. Ich gehe mal davon aus, dass "Volk" in diesem Sinne nicht mit "Staatsvolk" sondern mit Ethnie gleichgesetzt wird.
Natürlich können Kroaten Bosnier/Herzegowiner sein. Es gibt ja auch Kroaten die sich als Dalmatinici, Slavonci, etc. bezeichnen. Deshalb sind sie trotzdem Angehörige der kroatischen Ethnie. Wenn politische Grenzen die Volkszugehörigkeit definieren, dann waren wir vor 1991 also alle angehörige des jugoslawischen Volks? Bis vor Kurzem waren die Kosovaren also Serben und nun sind sie Albaner, oder wie? Das politische Grenzen nichts mit der Volkszugehörigkeit (ethnischen Zugehörigkeit) zu tun haben, muss ich hier ja wohl nicht näher erläutern. Ansonsten erreichen wir Voschulniveau. Ethnische Zugehörigkeit hat auch nichts damit zu tun, ob man denn nun aus dem Gebiet der heutigen Republik Kroatien stammt oder nicht. Was, wenn Ost-Slawonien nicht "befreit" sondern irgendwann von Serbien annektiert worden wäre? Wären in einigen hundert Jahren die Nachfahren der Kroaten dort dann Serben? Sind denn kroatische Serben auch nur orthodoxe Kroaten? Sind alle Völker, welche innerhalb der Grenzen der Russichen Föderation leben, Russen?
BiH-Kroaten identifizieren sich durchaus mit BiH, aber sie identifizieren sich nicht mit dem Staatsgebilde BiH. Das ist ein himmelweiter Unterschied. Dass sich Menschen nicht mit dem Staatsgebilde, in dem sie leben, identifizieren, haben wir z.B. in jüngster Vergangenheit in diversen arabischen Ländern miterlebt. Ist ein Libyer nun kein Libyer, weil er sich nicht mit Gadhaffis Staat identifiziert hat?
Braucht hier jemand Nachhilfe in Sachen Ethnologie?
