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Wir sind keine Rumänen-
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Noch nie wurde den Vlachen (manche nennen sie auch "Walachen") soviel Aufmerksamkeit zuteil. Drohte Rumänien den Beitrittskandidatenstatus Serbiens zu blockieren, sollte es nicht muttersprachlichen Unterricht für die "rumänische" Minderheit geben. Und die Vlachen gerieten zum ersten Mal seit Existenz in den Mittelpunkt medialen Interesses. Jetzt melden sich erstmal Vertreter der Minderheit zu Wort und sagen: "Wir sind gar keine Rumänen". Eine Überraschung?
Die Vlachen zählen nicht unbedingt zu den gesellschaftlich angesehensten Minderheiten. Maja aus dem kleinen Dorf Podvrška an der serbisch-rumänischen Grenze würde niemals zugeben, dass sie eine ist. Warum? "Alle würden mich für ein leichtes Mädchen halten", erklärt sie. Ihr Mann Miša kann mit Rumänien allerdings noch weniger anfangen. "Also Rumänen sind wir wirklich nicht", fährt mich Misa entsetzt an. "Ja, meinetwegen, dann sind wir halt Vlachen", fügt er hinzu. Mit seine Söhne Mihajlo und Mateja spricht er trotzdem nur Serbisch.
Auch Nenad, aus Vajuga, würde sich niemals als Rumäne titulieren. Als Vlache schon eher. "Aber ich bin in Serbien geboren und deswegen bin ich Serbe", antwortet er auf die Frage welcher Ethnie er sich schlussendlich zuschreiben würde. Dieser Aussage stimmt Maja zu. "Wir sprechen zwar eine Art Rumänisch, aber unsere Kultur, unsere Musik unsere Traditionen unterscheiden sich sehr von den Rumänen", sagt sie.
Maja, Misa und Nenad sind Beispiele für die neue vlachische Generation. Sie assimilieren sich und wollen stolze Serben sein. Dass die Hochzeiten noch immer nach vlachischer Tradition gefeiert werden, die Omas und Opas Serbisch nicht verstehen und deswegen nur vlachisch mit ihnen reden, bemerken sie zwar. Sie ignorieren es aber.
Die Aussagen und der rumänischen Regierung zum EU-Kandidatenstatus Serbiens können sie aber nicht ignorieren und schockieren alle drei.
Damit stehen sie allerdings nicht alleine da. Denn aufgrund des Verfalls der vlachischen Kultur und Sprache wurden Organisationen gegründet, die für den Erhalt kämpfen. Und obwohl viele davon von rumänischen Hilfsgeldern finanziert werden, sind sie genauso entsetzt über die Forderungen Rumäniens wie Misa, Nenad und Maja.
Dr. Sinisa Čelojević kämpft für den Erhalt der vlachischen Kultur und Sprache
Vlaska Demokratska Stranka
Dr. Sinisa Čelojević, Gründer und Präsident der "Vlaska-demokratska Stranka", der "Vlachisch-demokratischen Partei" in Serbien zeigte sich in jüngsten Interviews entsetzt über die Forderungen Rumäniens. "Trotz aller Ähnlichkeiten. Rumänen betrachten ihre Heimat als Rumänien. Vlachen sind ihrem Mutterland Serbien verpflichtet. Wir haben keinerlei Notwendigkeit rumänischen Unterricht einzuführen. Niemand ist berechtigt in unserem Namen Forderungen zu stellen, auch der rumänische Staat nicht".
Denn bei dem muttersprachlichen Unterricht würde es vor allem zu einem Problem kommen. Die Vlachen und ihre Überlieferungen haben keine eigne Schriftsprache. Bisher wurden vlachische Überlieferungen vor allem in der serbischen kyrillischen Schriftsprache verfasst. Das Rumänische verwendet aber die lateinische Schriftsprache.
Gergina
Auch der vlachische Verein "Gergina" aus Negotin, der sich mit der Erhaltung der Sprache, Traditionen und Kultur der Vlachen beschäftigt, weist ausdrücklich darauf hin, dass sie die Minderheit der Vlachen in Serbien als nicht entrechtet ansieht.
Nationale Vereinigung der Vlachen - NPV
Die "Nationale Vereinigung der Vlachen" - NPV hat ein Statement abgegeben. "Niemand hat das Recht für die vlaschiche Gemeinde ein Ultimatum zu stellen. Wir sind nicht entmündigt, wir haben unsere eigenen Gremien und können unsere Probleme alleine lösen. Rumänien sollte seine seine Probleme in seinen nationalen Gremien lösen", erklärte Radiša Dragojević, Präsident des NPV und spielte damit auch darauf an, dass Rumäniens Blockade eher mit dem Schengen-Beitritt-Wunsch verbunden sein düfte.
Ich muss mich outen, Monika Bratic, 27, und gebürtige Vlachin. Gleichzeitig Journalistin und nach Österreich emigriert. Noch nie habe ich soviel in den Zeitungen über die "rumänische" Minderheit in Serbien gelesen wie in den letzten Tagen. Und jedes Mal habe ich den Kopf geschüttelt.
Foto: Vlaska Demokratska Stranka
Quelle: "Wir sind keine Rumänen" | dasbiber