Interessante Interview mit dem ägyptischen Nobelpreisträger Ahmed Zewail 
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Möge der gelobte Gott den Muslimen auf der Welt, mehr wissen&verstand schenken...
Frieden
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schade was in den Ländern passiert ist!...
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Zwischen dem 8. und dem 11. Jahrhundert n. Chr. erlebte die Wissenschaft in der islamischen Welt eine beispiellose Blütezeit. Hätte es damals bereits so etwas wie den Nobelpreis gegeben, so wäre er gewiss in den allermeisten Fällen an muslimische Wissenschaftler gegangen. Ganz anders die Situation heute. Warum also hat die Wissenschaft in der muslimischen Welt einen solchen Niedergang erlebt? Was können die Muslime tun, wenn sie wieder an ihre früheren Leistungen auf diesem Feld anknüpfen möchten? Welche Aussichten besitzt die muslimische Welt heute? Im Gespräch mit Nuh Gedik berichtet der Nobelpreisträger Ahmed Zewail von seiner ganz persönlichen faszinierenden Reise zum Nobelpreis und von seinen Ansichten zur Position der Wissenschaft in der islamischen Welt.
In einem aktuellen Beitrag für die Zeitung Independent zitieren Sie einen schönen Vers aus dem Koran: Allah ändert die Lage eines Volkes nicht, ehe sie (die Leute) nicht selbst das ändern, was in ihren Herzen ist. (13:11) Warum?
Als die Muslime auf dem Höhepunkt ihrer Schaffenskraft standen, handelten sie als Individuen wie gute Muslime. Das heißt, sie lasen den Koran und sie beherzigten die Empfehlung, Gutes zu tun und sich Wissen anzueignen. Das erste offenbarte Wort des Korans war bekanntlich die Aufforderung Lies! Und dieser Respekt vor dem Lernen wird an vielen Stellen im Koran hervorgehoben - was sogar so weit geht, dass große Wissenschaftler dort beinahe in den Rang von Propheten erhoben werden. Daher kann es kaum verwundern, dass die Muslime jener frühen Tage erkannten, wie ungemein wichtig der Wissenserwerb ist. Heute dagegen hat sich die Lage der Muslime extrem verschlechtert, und wir sind schier besessen von Verschwörungstheorien, mit denen wir die Schuld für unseren Niedergang auf andere Menschen abwälzen.
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In Ihrem Buch schreiben Sie, die Sidi Ibrahim al-Desuqi Moschee sei sehr wichtig in Ihrem Leben gewesen, weil sie Ihre frühe Kindheit entscheidend geprägt hat. Sie seien dorthin gegangen, um zu studieren, denn im Islam sei die Moschee nicht allein ein Ort des Gebets, sondern auch der Gelehrsamkeit. Glauben Sie, dass dies auch heute noch so ist?
Leider wurde die Moschee in den letzten Jahren oft von Leuten missbraucht, die nicht viel Ahnung vom Islam haben. Sie propagieren ihre eigene Sicht der Dinge, anstatt die Sicht des Islams. So erwuchs der Moschee aus mangelnder Aufklärung eine politische Komponente. Aufgewachsen in Ägypten, erinnere ich mich an Zeiten, als die Al-Azhar eines der einflussreichsten Zentren der Aufklärung in der Welt war. Zwar war es mir selbst nicht vergönnt, die Al-Azhar zu besuchen, aber auch in meiner Stadt gab es eine Moschee, deren Imam uns wieder und wieder einschärfte, wir als junge Menschen seien dazu verpflichtet, dass wir uns Wissen aneignen und hervorragende Ärzte oder Ingenieure werden. Und so pflegten wir in der Moschee zu studieren. Es war phantastisch. Ich meine, wir Jugendliche trafen uns in der Moschee - natürlich auch um zu beten; aber nach dem Gebet setzten wir uns gemeinsam hin und wendeten uns unseren Lehrbüchern und Heften zu. Insofern war die Mosche unser Lebensmittelpunkt. In meinem Buch gehe ich sogar noch einen Schritt weiter: Die Moschee war der Lebensmittelpunkt der ganzen Stadt.
Mehrfach in diesem Buch unterstreichen Sie, wie wichtig es ist, Ziele, die man sich steckt, mit Leidenschaft zu verfolgen. Haben wir, die Muslime, unsere Leidenschaft für Wissenschaft und Gelehrsamkeit verloren? Und wenn ja, wie können wir sie bei jüngeren Menschen neu entfachen?
Nein, ich glaube nicht, dass wir unsere Leidenschaft verloren haben. Vor allem seit der Nobelpreisverleihung habe ich in der ganzen muslimischen Welt von Kairo bis nach Malaysia, von Istanbul bis in den Libanon Vorträge gehalten, und Tausende von Menschen sind in meine Vorlesungen gekommen. Dabei ist mir klar geworden, dass junge Menschen durchaus etwas schaffen möchten, dass sie die Leidenschaft besitzen, Großes zu leisten. Das Problem ist leider nur, dass sie nicht in einem System leben, das ihnen erlaubt, ihr Potenzial zu nutzen. Deshalb sage ich immer, dass das wertvollste Kapital in der muslimischen Welt von heute das Humankapital ist. Wenn dieses Kapital optimal genutzt wird und wir es schaffen, die alten Zentren des Wissens mit neuem Leben zu erfüllen, um im Wettbewerb um die besten Köpfe zu bestehen, dann glaube ich fest daran, dass die muslimische Welt einen umfassenden Wandel erleben wird. Gewiss gibt es zahlreiche politische Unwägbarkeiten und Probleme. Aber unser Hauptproblem liegt ganz sicher nicht darin, dass es der muslimischen Welt an wirtschaftlichen Ressourcen oder an Humankapital mangelt. Diese beiden Ressourcen besitzen wir zur Genüge.
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