Die
Herzegowina (serbokroatisch: Hercegovina, kyrillisch: Херцеговина, einst
Hum) ist eine Landschaft im Süden von
Bosnien und Herzegowina. Sie liegt im Einzugsbereich des Flusses
Neretva. Der Landschaftsname leitet sich vom Wort „herceg“ -
Herzog“ ab; die Wortbedeutung ist
Herzogsland. Die historische Hauptstadt der Herzegowina ist
Mostar.
Im Mittelalter waren auf dem Gebiet der zentralen Herzegowina das Herzogtum
Zahumlje, in Abhängigkeit von
Byzanz,
Bosnien und
Serbien, und in der östlichen Herzegowina und dem nördlichen Montenegro das Herzogtum
Travunien, das seit dem
11. Jahrhundert zu Kroatien, von 1180 bis 1321 zu Serbien („
Raszien“) gehörte und 1322 bis 1377 zwischen Bosnien und Serbien geteilt war. Der Heilige
Sava, Begründer der
serbisch-orthodoxen Kirche, war Statthalter von Hum, bevor er dem weltlichen Leben entsagte und Mönch wurde. Der westliche Teil hingegen gehörte fast das gesamte Mittelalter hindurch zu
Kroatien und wird noch heute zum Großteil von Kroaten bewohnt.
Der bosnische Fürst
Stjepan II. Kotromanić eroberte um 1326 Hum, dem Serbien der
Nemanjiden verblieb in der Herzegowina lediglich Travunien. Mit dem Zerfall des
serbischen Reiches etablierte sich in Travunien Fürst
Nikola Altomanović, der die serbische Zarenkrone für sich beanspruchte. Altomanović eroberte weite Gebiete im westlichen Zentralserbien, bevor er 1373 durch ein gemeinsames Vorgehen des bosnischen Fürsten und späteren Königs
Tvrtko I. und dem serbischen Fürsten
Lazar besiegt und sein Territorium zwischen den Siegern aufgeteilt wurde; Travunien selbst fiel an Bosnien.
Die serbische Herrscherdynastie
Mrnjavčević, die über
Mazedonien und
Nordgriechenland herrschte, stammte ebenfalls aus der Herzegowina bzw. Travunien.
Jovan Uglješa, der Bruder des Königs
Vukašin, trug 1346 den Titel
Uglessa baronus in Trebinje. Später als Mitregent seines Bruders in
Makedonien nahm er auch den Titel
Despot von
Serres und
Melnik an. Am Fluss
Mariza bei
Edirne kam er 1371 gemeinsam mit seinem Bruder in der Schlacht zwischen dem serbischen Reich und den aus
Kleinasien einfallenden
Osmanen um. Seine Frau Jelena, deren Vater ein Statthalter König Vukašins in
Drama war, wurde als die
Nonne Jefimija zur ersten serbischen Dichterin.
Im
15. Jahrhundert herrschten bis zur Eroberung durch die Osmanen 1485
Woiwode Stjepan Vukčić Kosača und seine Nachkommen in der heutigen Herzegowina, die den Titel eines
Herzogs von Hum und der Küstenländer und Großherzogs des Königreiches Bosnien durch die Gnade des Heiligen Sava führten. Auf die Bezeichnung
Länder des Herzogs Stefan unter der Gnade des Heiligen Sava für sein unter osmanische Herrschaft gefallenes ehemaliges Territorium geht der heutige Name des Landes zurück.
1463 unterwarf sich der bosnische König dem
osmanischen Reich und wurde hingerichtet. Seine Frau
Katarina Kosača-Kotromanić floh nach
Rom, wo sie 1478 starb. In ihrem Testament hinterließ sie Bosnien ihren Kindern, falls diese zum katholischen Glauben zurückkehrten; andernfalls solle ihr Land an den
Heiligen Stuhl fallen. Dieses geschah.
1485 kam die Herzegowina endgültig unter osmanische Herrschaft. Sie bildete den
Sandschak Herzegowina (
türk. Hersek) mit der Hauptstadt Mostar innerhalb des
Paschaluks Bosnien (später Bosnien-Herzegowina). Städte wie Mostar und
Stolac bildeten wichtige Handelsposten zwischen Dubrovnik und dem Landesinneren. Durch den
Berliner Kongress kam 1878 der größte Teil der Herzegowina als Teil von Bosnien-Herzegowina unter
österreichisch-ungarische Verwaltung, der östlichste Teil der vormaligen osmanischen Herzegowina hingegen zu
Montenegro, zu dem dieses Gebiet (die so genannte
Alte Herzegowina/Stara Hercegovina) auch heute gehört. Noch vor dem
Ersten Weltkrieg annektierte Österreich-Ungarn Bosnien und seinen Teil der Herzegowina offiziell.
Seit 1918 gehörte die Herzegowina zu
Jugoslawien. Während der Zeit des
Königreichs Jugoslawien (1929 bis 1941) bzw. seines Vorgängers, dem
Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (1918 bis 1929), war die Herzegowina nach 1929 zwischen den neu gebildeten
Banschaften Zeta und
Küste aufgeteilt. Von 1939 bis 1941 gehörte die Banschaft Küste und mit ihr die westliche Herzegowina zur
kroatischen Banschaft, während die östliche Herzegowina in der Banschaft Zeta verblieb.
Nach dem Angriff des Hitler-Regimes auf das Königreich Jugoslawien und der Kapitulation Jugoslawiens 1941 wurde die Herzegowina dem Ustascha-StaatZweiten Weltkrieg wurde sie insgesamt Teil der Sozialistischen Republik Bosnien und Herzegowina innerhalb der jugoslawischen Föderation. zugeschlagen. Nach dem
Im
Balkankonflikt war die Herzegowina einer der Hauptkriegsschauplätze. Vom Süden des Landes aus wurde 1991
Dubrovnik von Truppen der Jugoslawischen Volksarmee (JNA) bombardiert. Als 1992 auch der
Bosnienkrieg ausbrach, kam es zu blutigen Zusammenstößen, zuerst nur zwischen
Serben auf der einen und
Bosniaken und
Kroaten auf der anderen Seite. Als jedoch die Kroaten Bosniens und Herzegowinas die
Republik Herceg-Bosna ausriefen, kam es auch zu Kämpfen zwischen Bosniaken und Kroaten, wobei es zu sogenannten
ethnischen Säuberungen kam. Während dieser Kämpfe wurde die berühmte Brücke
Stari most in Mostar im Jahre 1993 durch Angehörige des
HVO (der Armee der bosnisch-herzegowinischen Kroaten) zerstört. Mostar wurde seitdem zur geteilten Stadt und die Kommunikation zwischen dem bosniakischen Ost- und dem kroatischen West-Mostar brach fast komplett ab. Bereits 1996 begann die Rekonstruktion der Brücke, die 2004 abgeschlossen wurde.