@Skorpion Ztat:
Wer hätte das gedacht, so wie Du die Frage (und vor allem die Beispiele) formuliert hast?
Eigentlich sollten wohl Völker Nationen bilden und die dann Staaten, das ist der natürliche Weg. Sinnvollerweise sollte das aber im Rahmen einer einigermaßen kompakten Siedlungsstruktur passieren, also genau nicht so, wie auf dem Balkan.
Mich selbst sehe ich als Europäer und Regionalist. Ich bin ja eine Züchtung aus den 4 erlesensten Nationen Europas und fühle mich somit dem ganzen Kontinent verbunden, Nationalismus liegt mir eher fern, wenn dann wäre Europa meine Nation. Ansonsten definiere ich mich eher konkret über die Region, in der ich lebe. Der Rest dieses Staates ist mir genauso vertraut oder fremd wie die angrenzenden Regionen anderer Staaten.
Sollte ich aus den vorgeschlagenen 3 Optionen wählen, würde ich die erste nehmen. Ich mag mein Land, weil ich ihm viel zu verdanken habe, aber es gäbe auch viel zu verbessern. Ansonsten sind mir auch Staaten, mit denen ich eigentlich nichts zu kriegen habe, mitunter sympathisch. Aber eben auch nicht alle, einige stehen mir da näher, als andere.
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Das sehe ich anders:
Das Nationalstaatsprinzip geht eigentlich auf die deutsche Romantik und Herder zurück und hat erst nach der französischen Revolution auftrieb bekommen. Nennen wir es mal
Prinzip1:
Falmilien bilden Gemeinschaften, diese Stammesverbände und diese wiederum Nationen (Völker) die einen gemeisamen Staat wollen.
Als Grundlage gilt hier in der Regel der Glaube an eine gemeinsame Abstammung. Soweit die Theorie.
In Wirklichkeit war es meisten andersherum:
Staaten bilden Nationen (Völker) -hier mal
Prinzip 2 gennant:
Schon im Antiken Griechenland gab es keinen "klassischen Nationalstaat"
sondern kleine miteinander konkurierende Stadtstaaten, die sich oft gegenseitig bekriegten und nur Zusammenfanden, wenn sie von aus bedroht wurden, oder unter einer Macht (z.b. Alexander d. Große) zwangskollektiviert wurden.
Rom entstand als Siedlung unter dem Zusammenschluss der Sabiner und Latiner unter etruskischem Einfluss.Das Röm. Reich bestand eine Zeit als 12er Städtebund und bekriegte und verbündete sich abwechselnd lange mit den griechischen Städten Kalabriens, bis diese in das Reich integriert wurden. Das röm.Reich hat im Laufe seiner Geschichte viele aus unterschiedlichen Stämmen und Völkern im gesamten Mittelmeerraum und Mittel-Europa zu römischen Bürgern gemacht. Das röm. Reich existierte immerhin von 750 v. Chr. bis 476 n. Chr. Das kann kein einziger Nationalstaat von sich behaupten. Natürlich hatte nur eine Minderheit im Reich das röm. Bürgerrecht.
Das Osamnische Reich wurde von einem kleinen türkischen Stamm gegründet (Kayi von Bozok). Staatstragende Verfassung war der Islam
und alle die sich zu ihm bekannten gleichberechtigt. Natürlich wurden die Christen unterdrückt, diskriminiert und waren von politischer Macht fast vollkommen ausgeschlossen und ich will keine Reklame für eine islamsche Verfassung machen, aber auch das os. Reich hat immerhin 618 Jahre existiert und damit beständiger als jeder Nationalstaat. Als Osmane galt jeder der sich zum Islam bekannt und konnte bis in die höchsten politischen Ämter aufsteigen. Aufgund der Knabenlese (Devsirme)
unter Balkanchristen für die Janitscharen wußte man bereits 1637 nicht mehr, wer nun wirklich türkischer Abstammung ist und wer nicht und setzte sich der Begriff "Osmanisch" im Reich als Begriff einer Nationalität der Muslime aus, während die Christen alle Muslime des Reichs pauschal als Türken bezeichneten. Der Nationalismus der Balkanvölker und später der Araber war einer der Faktoren die das Reich zersetzt haben. Damals wohl zurecht.
Staaten die nach dem Prinzip 2 aufgebaut sind können ganz unterschiedlich, je nach Verfassung, aussehen: konstitutionell-monarchistisch, sozialistisch, islamistisch,
freiheitlich-demokratisch.
Sie haben nur eines gemeinsam der Staat soll die Nation (das Volk) bilden
und zwar mittels für alle verbindliche Verfassung (am besten durch eine vom Volk gewählte). -Und nicht, wie Prinzip1, eine Nation (Volk)-einen Staat bilden, der automatisch allen nicht Volkszugehörigen die Identifikationsbasis raubt.
Prinzip 1 hat mehr kaputt gemacht als aufgebaut.
Positive Beispiele für ein funktionierendes Prinzip 2 sind Kanada, Australien und die USA. Die nicht zufällig zu den erfolgreichsten Staaten zählen.
Auch dort ist die größte Gefahr für den Staat und den Frieden, wenn sich Nationalismen bilden und ethnische Gruppen einen Staat auf der Basis von Prinzip 1 wünschen.
Daher bin ich für Prinzip 2 -für
Verfassungspatiotismus auf den Werten der freiheitlich demokratischen Grundordnung:
Freiheit: Selbstbestimmungsrecht der Person
Gleichheit: Gleiche Grundrechte für alle in allen Gliedern,
ohne
geschlechtliche, rassische, religiöse,
nationale, soziale oder
sonstige
Unterscheidung.
Soldarität: Das Recht des Schwächeren in der Gesellschaft auf Schutz
und Versorgung durch die Starken und die entsprechende
umgekehrte
Pflicht des Staates dies zu gewährleisten.