Das
Großbulgarische Reich (
bulgarisch Велика България, aus dem griechischen
Η παλαια μεγαλη Βουλγαρια; megale Boulgaria)
war das Reich der turkstämmigen[1] Protobulgaren (auch als Hunno-Bulgaren bezeichnet) in Südrussland und dem Nordkaukasus. Im Gegensatz zu den späteren bulgarischen Großreichen (1., 2. und 3. Bulgarenreich) erstreckte es sich nicht auf die Balkanhalbinsel, sondern lag nördlich des Schwarzen und Asowschen Meeres. Der Name des Reiches entstammt von
byzantinischen Gelehrten. Hauptstadt des Reiches war die Hafenstadt
Phanagoria.
Die vom 7. bis zum 13. Jahrhundert ebenfalls in Russland ansässigen
Wolgabulgaren waren der an der Wolga verbliebene Teil der Protobulgaren nach der Zerschlagung des Großbulgarischen Reiches.
Ende des 6. Jahrhunderts bildeten sie unter Orchan das so genannte Großbulgarische Reich im Bereich der Flüsse Don und Wolga mit der Hauptstadt Phanagoria, das im Westen von Awaren und im Osten von den Westtürken Tardus bevormundet wurde. Orchan hatte als
Onogur-Hunne noch einen traditionell „geschorenen Kopf“, wird jedoch heute als der erste
Fürst jener „Protobulgaren“ betrachtet. (Der geschorene Kopf symbolisierte bei den frühen Steppenvölkern ursprünglich nur einen einfachen Krieger, denn nur der Stammesfürst besaß das Recht, sein Haupthaar lang zu tragen!)
Sein Nachfolger war sein Neffe Kubrat Dulo, zu dessen Zeit (ca. 626) der Druck der Chasaren zunahm, die sich mit dem Tod des Khan Tung Sche-hu 630 (Ziebil?) langsam von den Westtürken ablösten. Kubrat hielt sich in seiner Jugend einige Zeit als Geisel oder Gast in
Konstantinopel auf, so dass ihm gern
byzantinische, zivilisierte Sitten nachgesagt werden. Zumindest galt er als "Freund" des damaligen byzantinischen
Kaisers und soll
Johannes von Nikiu zufolge in seiner Kindheit als Christ getauft worden sein.
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