Das Schicksal kroatischen Juden im Zweiten Weltkrieg
Von Zeev Milo
Nach dem Zerfall der Monarchie im Jahre 1918 wurde das Königreich Serbien, Kroatien und Slowenien gegründet und am 3.10.1929 in Jugoslawien umbenannt. Die Juden, zahlenmäßig eine kleine Minderheit, genossen volle Gleichberechtigung. ... Daraufhin weitete Hitler den gegen Griechenland gerichteten Balkanfeldzug auf Jugoslawien aus. Anfang April fand der Angriff statt, an dem auch Italien teilnahm. Die jugoslawische Armee kapitulierte bald (17.4.41). Jugoslawien wurde zersplittert: Serbien wurde der deutschen Militärverwaltung unterstellt, weitere Gebiete wurden unter den Nachbarstaaten aufgeteilt. Aus dem Territorium Kroatiens und Bosnien-Herzegowinas wurde ein Satellitenstaat, der so genannte 'Unabhängige Staat Kroatien', an dessen Spitze der von Mussolini unterstützte Poglavnik (Führer) Dr. Ante Pavelic stand.
In der Vergangenheit hatte die von Pavelic angeführte Bewegung keine antisemitischen Merkmale. Im Gegenteil: Pavelics Vorgänger und Gründer der Bewegung war ein Jude namens Frank. Deswegen nannte man die Bewegung Frankianer'. Unter Pavelics Anhängern gab es einige Juden. Noch spektakulärer waren die Familienverbindungen mit Juden. Die Frau von Pavelic war eine Jüdin, ebenso die Frauen von seinem Stellvertreter und von mehreren anderen. Aber jetzt als Herrscher - mit Hitlers Gnade - wurde Pavelic zum größten Judenfeind und sein Ustascha-Staat zum Schlachthof für die kroatischen Juden, aber auch für die zahlreichen in Kroatien lebenden Serben. Mit Beginn seiner Herrschaft überstürzten sich die Verordnungen und Gesetzgebungen gegen die Juden, begleitet von einer aggressiven antisemitischen Hetze. Man wollte anscheinend die Nazis einholen, die für die Durchführung derselben Maßnahmen in Deutschland mehrere Jahre gebraucht haben. Dagegen kam es nur selten zu öffentlichen Misshandlungen der Juden. Und auch in diesen Fällen waren Ustaschen oder Volksdeutsche die Täter, selten das kroatische Volk. Als erstes wurden alle Geschäfte und Industrieunternehmen, die den Juden gehörten, unter staatliche Kontrolle gestellt und Kommissare ernannt, die sie leiten sollten. Als nächster Schritt kam die 'Kontribution', eine schon früher in Nazideutschland angewendete Bestrafung der Juden. Die Zagreber Juden sollten 100 Millionen Dinar in Gold oder Geld einsammeln und den Behörden abliefern. Solche Zwangsmaßnahmen fanden auch in den Provinzstädten statt. Dann folgte nach dem Muster der 'Nürnberger Gesetze' von 1935 das 'Gesetz der Rassenzugehörigkeit und zum Schutz des arischen Blutes und der Ehre des kroatischen Volkes'. Es folgte die Registrierung aller durch das Rassengesetz betoffenen Personen; bald darauf mussten alle Juden einen Judenstern tragen. Die jüdische Jugend aus Zagreb wurde zum 'Arbeitsdienst' einberufen, etwa 300 Jungen. Damals ahnte noch niemand, dass sie die ersten Opfer der Ustascha-Mörder würden. Sie wurden in das Konzentrations-Lager Jadovno am Berg Velebit gebracht, wo man fast alle auf grausamste Weise umbrachte.
Im Juni desselben Jahres begannen die Massenverhaftungen der Juden in Zagreb. Ganze Familien wurden verhaftet und in verschiedene kroatische Konzentrationslager deportiert. Diese Verhaftungen und Verschleppungen verbreiteten sich über ganz Kroatien und wurden in mehreren 'Etappen/Schüben', im Jahre 1941 und bis ins Jahr 1942, fortgesetzt. Die letzte Deportation aus Zagreb fand im Frühjahr 1943 statt, wo sich noch einige hundert Juden befanden. Die Verfolgung wurde nicht einheitlich durchgeführt: manchmal waren es nur die Männer, ein anderes Mal ganze Familien. Die Verhaftungen erfolgten bei Nacht oder am Tag. So wurden z.B. Männer, die den Judenstern trugen, wie herrenlose Hunde auf der Straße eingefangen. In den im Frühjahr und Sommer 1941 in Kroatien entstandenen zahlreichen Konzentrationslagern spielten sich die grausamsten Sachen ab. Die Häftlinge wurden ausgehungert und gefoltert, Frauen und Mädchen vergewaltigt. Das berüchtigtste und größte Lager war Jasenovac, auch als kroatisches Auschwitz bekannt. Die Häftlinge, Juden, Serben, Sinti und Roma und auch viele Kroaten, wurden bestialisch gepeinigt und getötet, mit schweren Hämmern, Beilen oder mit Messern regelrecht abgeschlachtet. Nur wenige überlebten diese Hölle. Das Ustascha-Kroatien hatte, als der einzige unter den 'Satellitenstaaten' und den 'befreundeten' oder 'besetzten' Staaten in Europa, auf eigene Initiative mit der 'Endlösung' der Judenfrage begonnen; und zwar schon ein Jahr vor der Wannseekonferenz (20.1.42), auf der von der 'Endlösung' zum ersten Mal die Rede war. Als dann die Deutschen im Sommer 1942 Kroatien aufforderten, ihre Juden auszuliefern, war schon die Hälfte der kroatischen Juden nicht mehr am Leben. Bis auf das Lager Jasenovac wurden jetzt fast alle anderen liquidiert. Ein Teil der jüdischen Häftlinge wurde den Deutschen ausgeliefert, um sie in die Todeslager im Osten zu verschleppen. Die anderen wurden bei der Liquidierung der Lager von den Ustaschen ermordet. Die sich noch im Lager Jasenovac am Leben befindlichen Juden wurden nicht ausgeliefert, aber die Gräueltaten wurden fortgesetzt. Von den etwa 45.000 Juden, die sich in Kroatien vor dem Krieg befanden, unter ihnen auch Flüchtlinge aus Deutschland, überlebten weniger als 10.000. Von 45000 Juden, starben 35000 (In ganz Jugoslawien lebten vor dem Krieg etwa 75000 Juden.
Man kann also davon ausgehen dass in diesen KZs mehrere hundert tausend Serben umgebracht wurden. Leider.