Krise um wichtige Seepassagen: Türkei plant neuen Kanal bei Istanbul
Ein 45 Kilometer langer Kanal, Milliarden an Kosten, ein Jahrzehnt Streit – und noch immer kein Ende in Sicht.
Parallel zum Bosporus soll ein 45 Kilometer langer künstlicher Schifffahrtskanal das Schwarze Meer mit dem Marmarameer verbinden – ein Megaprojekt, das die Türkei seit mehr als einem Jahrzehnt beschäftigt und das angesichts globaler Spannungen rund um strategische Seepassagen wieder verstärkt in den Blick gerät. Denn die Frage, wie verwundbar die wichtigsten maritimen Engpässe der Welt sind, stellt sich mit neuer Dringlichkeit – für Handel, Energieversorgung, Umwelt und die Versorgungssicherheit ganzer Metropolen.
Den unmittelbaren Anlass für die wiederaufgeflammte Debatte liefert die Straße von Hormus im Nahen Osten. Laut US-Energieinformationsbehörde passierten 2024 täglich rund 20 Millionen Barrel Öl diese Meerenge – ein Fünftel des weltweiten Verbrauchs an flüssigen Erdölprodukten. Gerät ein solcher Korridor unter Druck, beginnen Reeder, Versicherer und Auftraggeber, Risiken, Fristen und Kosten neu zu kalkulieren – mit Folgen für alles, von Treibstoffen bis zu Industrieprodukten.
Strategische Alternativroute
Genau in diesem Kontext präsentiert Ankara den Istanbul-Kanal als strategische Antwort auf die Risiken konzentrierter Schifffahrtskorridore. Der neue Kanal soll den europäischen Teil Istanbuls durchschneiden und eine Alternativroute zum Bosporus eröffnen – jener natürlichen Passage, die das Schwarze Meer mit dem Marmarameer und in weiterer Folge mit dem Mittelmeer verbindet. Das erklärte Ziel: weniger Unfallrisiko in einem engen, dicht besiedelten und stark befahrenen Gebiet, durch das heute bereits große Schiffe nahe an Wohngebieten vorbeigeführt werden.
Der Istanbul-Kanal soll als Alternative zum Bosporus Risiken für die Türkei verringern, hat aber massive Auswirkungen auf Umwelt, Geopolitik und die Region. Die Kernfragen und Konflikte beleuchten wir im Detail.
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