Zehntausend Wespen über Rom: Wie ein kleiner Roller achtzig Jahre lang die Welt verzauberte!
Es gibt Maschinen, die ihren Zweck erfüllen, und es gibt Maschinen, die ein Lebensgefühl transportieren. Die Vespa gehört zur zweiten, viel selteneren Sorte. Am Samstag, dem 27. Juni 2026, knatterten mehr als zehntausend von ihnen um das Kolosseum und vorbei am Forum Romanum, um den achtzigsten Geburtstag eines Rollers zu feiern, der zu einem Symbol geworden ist – für italienischen Stil, für Freiheit, für eine bestimmte Leichtigkeit des Daseins. Für einen Tag waren Ferrari und Ducati vergessen. Der kleine Roller ließ die großen Namen im Staub zurück.
Die Begeisterten kamen von überall: aus ganz Kontinentaleuropa, aus Nordengland, aus San Francisco, von Australiens Gold Coast, von den Philippinen. Sie strömten auf die Kopfsteinpflasterstraßen der Ewigen Stadt, um eine Marke zu ehren, die sie für ebenso zeitlos halten wie Rom selbst. Die Leidenschaft für die Vespa gilt dem italienischen Stil, der Freiheit, den sechziger Jahren.
Die Geschichte der Vespa beginnt im Schutt. Nach dem Zweiten Weltkrieg lag Italien in Trümmern, und mit ihm das Werk des Flugzeugherstellers Piaggio in Pontedera, das von Bombardierungen zerstört worden war. Piaggio musste umdenken, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn einen Gang herunterschalten. Statt Flugzeugen und Militärfahrzeugen begann das Unternehmen, Roller zu bauen. Aus der Not einer zerstörten Industrie wurde eine Ikone. Es ist eine jener Wendungen, in denen sich zeigt, dass Schönheit manchmal nicht trotz, sondern wegen der Zerstörung entsteht – aus der Notwendigkeit, sich neu zu erfinden.
Die Gestaltung war von Anfang an durchdacht. Zu den ersten Zielkundinnen gehörten Frauen, wie Davide Zanolini, Marketingvorstand von Piaggio, erläutert – sie sollten den Roller fahren können, ohne in langen Röcken die Beine zu zeigen. Auch Priester gehörten zu den gedachten Nutzern, aus demselben praktischen Grund. Das spiegelt sich in der Form. „Die Gestalt, die Eleganz. Diese bezaubernde Haltung der Vespa ist viel mehr Dame als Herr“, sagt Zanolini. Der Name selbst, italienisch für „Wespe“, verdankt sich dem Geräusch und der schmalen Taille des Fahrzeugs. Die geschwungenen Linien beschwören eine vergangene Epoche herauf, und sie haben die Gabe, bei Betrachtern ein Lächeln hervorzurufen. Die Vespa ist für den Zweiradverkehr, was der VW-Käfer für das Automobil ist.
Berühmt machte sie das Kino. 1953 chauffierte Gregory Peck in „Ein Herz und eine Krone“ eine strahlende Audrey Hepburn durch das Zentrum Roms – eine Szene, die sich ins kollektive Bildgedächtnis eingebrannt hat. Später folgten „Der talentierte Mr. Ripley“ und zuletzt der Animationsfilm „Luca“. Die Vespa wurde zum Requisit der Sehnsucht, zum fahrenden Versprechen, dass das Leben auch leicht sein kann.
Schon früh war sie laut, und sie war überall. Ein Zeitungsartikel von 1950 berichtete, die Vespas seien so verbreitet geworden, dass ihr „Stakkato-Auspufflärm“ die Innenstadt Roms klingen ließ wie das Indianapolis-500-Rennen. „Es gibt wahrscheinlich keinen lauteren Roller auf der ganzen Welt“, hieß es. Die Roller, die laut durch Rom schossen, beeindruckten motorbegeisterte Amerikaner angeblich ebenso stark wie der Petersdom oder das Kolosseum. Sie lehrten Besucher schnell, an Straßenkreuzungen in vier Richtungen gleichzeitig zu schauen.
Diese Szenen sind in diesen Tagen zurückgekehrt. Seit Donnerstag strömen die Liebhaber in die Stadt, fluten die Straßen, machen sich in farblich abgestimmten T-Shirts bemerkbar. Der Parkplatz vor dem Stadio dei Marmi füllte sich mit Reihen über Reihen von Vespas aller Bauarten der vergangenen acht Jahrzehnte – wie eine Motorradkundgebung, nur bezaubernd. Manche Roller waren mit Blumen und Plüschtieren geschmückt. Ein Mann aus Tokio, seine achtjährige Tochter hinter sich, tauschte das Banner seines Heimatclubs gegen ein italienisches. Andere tauschten Aufkleber. Auf der kräftigen linken Wade eines Deutschen prangte das Vespa-Logo neben drei Worten in verschnörkelter Schrift: „La Dolce Vita“.
Viele berichten, dass die Marke eine Sehnsucht nach einer bestimmten Zeit weckt – selbst bei denen, die damals nicht gelebt haben. Viele haben größere Motorräder gegen die wendigere, leichtere und automatische Vespa eingetauscht, deren Gasgriff an der Hand sitzt. „Aufsteigen, drehen, losfahren. Kinderspiel. Einfach“, sagt Andrew Walton, ein neunundfünfzigjähriger Lkw-Fahrer, der seine erste Vespa vor fast zwanzig Jahren kaufte und nie zurückblickte. Er hatte gerade acht Tage damit verbracht, von Newcastle anzureisen – per Fähre nach Rotterdam, dann den Rhein entlang durch Deutschland nach Österreich, schließlich die italienische Küste hinunter.
Als der Bürgermeister von Rom am Stadio dei Marmi das Band durchschnitt, strömten die Besucher singend und Fahnen schwenkend hinein. Viele steuerten den Geschenkeladen an, wo es Vespa-Jacken, Vespa-Mützen, Vespa-Decken, Vespa-Wasserflaschen und Vespa-Schirme gab. Begehrtestes Stück war der limitierte Helm mit der Aufschrift „80 Jahre einer Ikone“. Eine Fotoretrospektive zeigte die Vespa in klassischen Szenen – Paare beim Picknick auf blühenden Wiesen, Ausflüge ans Meer, Reisen unter der mediterranen Sonne – und in solchen, die man kaum erwartet hätte, etwa den Polarforscher Soren Nielsen, der 1963 auf einer Vespa den Polarkreis erreichte.
Es gibt Maschinen, die ihren Zweck erfüllen, und es gibt Maschinen, die ein Lebensgefühl transportieren. Die Vespa gehört zur zweiten, viel selteneren Sorte. Am Samstag, dem 27. Juni 2026, knatterten mehr als zehntausend von ihnen um das Kolosseum und vorbei am Forum Romanum, um den achtzigsten Geburtstag eines Rollers zu feiern, der zu einem Symbol geworden ist – für italienischen Stil, für Freiheit, für eine bestimmte Leichtigkeit des Daseins. Für einen Tag waren Ferrari und Ducati vergessen. Der kleine Roller ließ die großen Namen im Staub zurück.
Die Begeisterten kamen von überall: aus ganz Kontinentaleuropa, aus Nordengland, aus San Francisco, von Australiens Gold Coast, von den Philippinen. Sie strömten auf die Kopfsteinpflasterstraßen der Ewigen Stadt, um eine Marke zu ehren, die sie für ebenso zeitlos halten wie Rom selbst. Die Leidenschaft für die Vespa gilt dem italienischen Stil, der Freiheit, den sechziger Jahren.
Die Geschichte der Vespa beginnt im Schutt. Nach dem Zweiten Weltkrieg lag Italien in Trümmern, und mit ihm das Werk des Flugzeugherstellers Piaggio in Pontedera, das von Bombardierungen zerstört worden war. Piaggio musste umdenken, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn einen Gang herunterschalten. Statt Flugzeugen und Militärfahrzeugen begann das Unternehmen, Roller zu bauen. Aus der Not einer zerstörten Industrie wurde eine Ikone. Es ist eine jener Wendungen, in denen sich zeigt, dass Schönheit manchmal nicht trotz, sondern wegen der Zerstörung entsteht – aus der Notwendigkeit, sich neu zu erfinden.
Die Gestaltung war von Anfang an durchdacht. Zu den ersten Zielkundinnen gehörten Frauen, wie Davide Zanolini, Marketingvorstand von Piaggio, erläutert – sie sollten den Roller fahren können, ohne in langen Röcken die Beine zu zeigen. Auch Priester gehörten zu den gedachten Nutzern, aus demselben praktischen Grund. Das spiegelt sich in der Form. „Die Gestalt, die Eleganz. Diese bezaubernde Haltung der Vespa ist viel mehr Dame als Herr“, sagt Zanolini. Der Name selbst, italienisch für „Wespe“, verdankt sich dem Geräusch und der schmalen Taille des Fahrzeugs. Die geschwungenen Linien beschwören eine vergangene Epoche herauf, und sie haben die Gabe, bei Betrachtern ein Lächeln hervorzurufen. Die Vespa ist für den Zweiradverkehr, was der VW-Käfer für das Automobil ist.
Berühmt machte sie das Kino. 1953 chauffierte Gregory Peck in „Ein Herz und eine Krone“ eine strahlende Audrey Hepburn durch das Zentrum Roms – eine Szene, die sich ins kollektive Bildgedächtnis eingebrannt hat. Später folgten „Der talentierte Mr. Ripley“ und zuletzt der Animationsfilm „Luca“. Die Vespa wurde zum Requisit der Sehnsucht, zum fahrenden Versprechen, dass das Leben auch leicht sein kann.
Schon früh war sie laut, und sie war überall. Ein Zeitungsartikel von 1950 berichtete, die Vespas seien so verbreitet geworden, dass ihr „Stakkato-Auspufflärm“ die Innenstadt Roms klingen ließ wie das Indianapolis-500-Rennen. „Es gibt wahrscheinlich keinen lauteren Roller auf der ganzen Welt“, hieß es. Die Roller, die laut durch Rom schossen, beeindruckten motorbegeisterte Amerikaner angeblich ebenso stark wie der Petersdom oder das Kolosseum. Sie lehrten Besucher schnell, an Straßenkreuzungen in vier Richtungen gleichzeitig zu schauen.
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Diese Szenen sind in diesen Tagen zurückgekehrt. Seit Donnerstag strömen die Liebhaber in die Stadt, fluten die Straßen, machen sich in farblich abgestimmten T-Shirts bemerkbar. Der Parkplatz vor dem Stadio dei Marmi füllte sich mit Reihen über Reihen von Vespas aller Bauarten der vergangenen acht Jahrzehnte – wie eine Motorradkundgebung, nur bezaubernd. Manche Roller waren mit Blumen und Plüschtieren geschmückt. Ein Mann aus Tokio, seine achtjährige Tochter hinter sich, tauschte das Banner seines Heimatclubs gegen ein italienisches. Andere tauschten Aufkleber. Auf der kräftigen linken Wade eines Deutschen prangte das Vespa-Logo neben drei Worten in verschnörkelter Schrift: „La Dolce Vita“.
Viele berichten, dass die Marke eine Sehnsucht nach einer bestimmten Zeit weckt – selbst bei denen, die damals nicht gelebt haben. Viele haben größere Motorräder gegen die wendigere, leichtere und automatische Vespa eingetauscht, deren Gasgriff an der Hand sitzt. „Aufsteigen, drehen, losfahren. Kinderspiel. Einfach“, sagt Andrew Walton, ein neunundfünfzigjähriger Lkw-Fahrer, der seine erste Vespa vor fast zwanzig Jahren kaufte und nie zurückblickte. Er hatte gerade acht Tage damit verbracht, von Newcastle anzureisen – per Fähre nach Rotterdam, dann den Rhein entlang durch Deutschland nach Österreich, schließlich die italienische Küste hinunter.
Als der Bürgermeister von Rom am Stadio dei Marmi das Band durchschnitt, strömten die Besucher singend und Fahnen schwenkend hinein. Viele steuerten den Geschenkeladen an, wo es Vespa-Jacken, Vespa-Mützen, Vespa-Decken, Vespa-Wasserflaschen und Vespa-Schirme gab. Begehrtestes Stück war der limitierte Helm mit der Aufschrift „80 Jahre einer Ikone“. Eine Fotoretrospektive zeigte die Vespa in klassischen Szenen – Paare beim Picknick auf blühenden Wiesen, Ausflüge ans Meer, Reisen unter der mediterranen Sonne – und in solchen, die man kaum erwartet hätte, etwa den Polarforscher Soren Nielsen, der 1963 auf einer Vespa den Polarkreis erreichte.
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