Es geht nicht um Naivität, sondern um den Blick auf das Gesamtbild. Wer jahrelang unabhängige Journalisten unterdrückt und das Land medienrechtlich im Würgegriff hält, kann sich bei Protesten nicht plötzlich als Hüter der Rechtsstaatlichkeit inszenieren. Gewalt gegen Redaktionen ist falsch, ja, aber das verfälschte Wahlergebnis und die Instrumentalisierung von Boulevardmedien wie Informer zur reinen Machterhaltung sind die eigentliche Ursache für die tiefe Frustration in Serbien. Alleine schon die täglichen Beleidigungen gegen Oppositionelle, Nachbarn usw. , das ist kein Journalismus, sondern reine Hetze.
Anstatt mit Schubladen wie "Grünen-Wähler in Deutschland“, Disse ist kein Grün-Wähler

abzulenken, sollte man lieber die Realität in Belgrad anerkennen. Wenn die staatlichen Institutionen und Aufsichtsbehörden bei massiver Medienmanipulation wegschauen, bricht die Rechtsstaatlichkeit von oben zusammen, nicht von unten. Den berechtigten Protest einer breiten Wählerschaft gegen ein korruptes Mediensystem auf bloßen Vandalismus zu reduzieren, greift viel zu kurz.