Eine Sache ist fuer sich eine Grenze zu ziehen, zu sagen, bis hier hin verkaufe ich mich aber nicht weiter, weil das waere unmoralisch und ich waere in meinem Stolz, meiner Wuerde verletzt. Eine voellig andere Sache, diese Grenze fuer andere zu ziehen. Das soll aus gutem Grund jeder fuer sich selbst entscheiden duerfen. Man kann natuerlich meinen, eine Grenze soll immer sein, dass dein oder eines anderen Dasein nicht davon gestoert wird, bis dahin wuerde es dich ja im wahrsten Sinne was angehen. Aber was tangiert jemanden eine Prostituierte die du nicht aufsuchst, mit einem Mann des Geldes wegen im Bett, der man selbst nicht ist ?
Mit welchem Recht muss man eine ehrlich vereinbarte Dienstleistung verurteilen, wenn sie doch keinerlei Einfluss auf jemanden hat ?
Im Namen der Moral, im Namen der Ethik ?
Eine Verurteilung fuehrt lediglich dazu, dass Prostituierte ihre Taetigkeit vor der Gesellschaft verstecken, eine Art Doppelleben annehmen.
Sie verkriechen sich in die Nische des Rotlichts, weil sie Angst vor der Ablehnung draussen in der wirklichen (vielleicht auch verlogenen) Welt haben.
Sie greifen zu Drogen, verfallen der Kaufsucht, weil sie mit dem Druck, der Angst davor erwischt zu werden, Familie, Freunde, das eigene Gesicht auf ewig zu verlieren, natuerlich ueberfordert sind. Sie schaemen sich davor, in der Oeffentlichkeit erkannt zu werden. Scham ist das schlimmste Gefuehl das ich kenne, fuer mich schlimmer als koerperliche Schmerzen. Das wuensche ich niemandem.
"Sie" mag mit ihrer Taetigkeit an sich kein Problem haben und kann damit umgehen. Ihr Freier kann damit auch kein Problem haben und damit umgehen.
Die Gesellschaft aber (was auch immer dieses Wort genau meint) die hat ein gewaltiges Problem damit. Leute die nicht direkt involviert sind, massen sich an, ueber ihr Tun zu urteilen, es (sie) zu verurteilen.
Und jetzt sag mir, woher der Angriff auf die Wuerde des Prostituierten ruehrt ?
Es gibt Menschen, die den Deal Sex gegen Geld sehr gut mit sich vereinbaren koennen, egal ob als Kaeufer oder Verkaeufer.
Andere Leute werten diesen Deal ab und grenzen Menschen, im Namen der eigenen Moral, aus. Es gibt auch ein Wort dafuer und das heisst Diskriminierung.
In der Theorie kann wirklich jeder eine Sache als moralisch falsch oder richtig bewerten und das macht auch fast jeder, weil niemand dafuer verantwortlich ist. Die Frage, ob sich dieses Urteil auch in der Praxis moralisch richtig auswirkt, ist sich aber nicht jeder bereit zu stellen, obwohl an dieser Stelle die Moral erst wirklich beginnen wuerde. An dieser Stelle beginnt man wirklich Verantwortung im Namen der Moral zu uebernehmen. Und wo ist "die Gesellschaft" dann ?
Ich achte eine Prostituierte genau wie einen Lehrer.
Jedes Mal, wenn eine ... sich darauf einlaesst, riskiert sie sich zu infizieren. Jedes Mal, wenn sie mit einem Freier mit ins Auto steigt und wegfaehrt, riskiert sie ihr Leben. Kann das noch lange weiter fuehren, denke aber, es sollte klar sein, wie sehr sich dieser Beruf absondert.
Es verlangt einem seine Besonderheiten ab und man muss dafuer geeignet sein. Der Beruf eines Sprengstoffexperten sondert sich z.B. auch ab. Das ist kein Beruf wie jeder andere, aber ich schaetze ihn deshalb nicht weniger. Das meinte ich damit...
Ok, wenn Menschen dazu gezwungen werden, ist es fuer mich was ganz anderes. Was sollte man daran auch nicht verurteilen...
Es gibt natuerlich in (bestimmt nicht wenigen) Einzelfaellen diverse Umstaende, die man kritisieren kann oder muss. Trotzdem, generell sollte man solche Leute respektieren, so wie jeden anderen auch.
Wuerde vermutlich nicht fuer mich in Frage kommen, eine Prostituierte zu heiraten, weil ich eher auf einen anderen Typ Frau stehe. Weiss nicht, die Frage ist nicht leicht zu beantworten, ich stecke ja nicht in so einer Situation. Koennte mir jetzt auch nicht vorstellen mit einer Schliesserin, einer Soldatin, einer Moderatorin aus dem TV zusammen zu sein, aber man weiss ja nie was so kommt.

Ausserdem bin ich derzeit gut untergebracht^^