Ich denke, daß Thema wird hier stark simplifiziert.
zunächst einmal: Man nennt das horizontale Gewerbe das älteste der Welt. Ein Gewerbe, das sich solange am Markt hält, hat offensichtlich eine Nachfrage. Dazu komme ich später noch.
Man muß grundsätzlich unterscheiden zwischen Prostituierten, die zwangsweise anschaffen gehen und damit nur die Corvette ihres Zuhälters abzahlen und solchen, die es freiwillig und auf eigene Rechnung machen. Viele tun es aus Spaß, weil sie vielleicht sexuell sonst nicht ausgelastet sind (und zumindest diese haben auch die Möglichkeit, sich ihre Kunden auszusuchen) oder eben einfach weil es relativ leicht verdientes Geld ist. Stundenlöhne im dreistelligen Eurobereich sind sonst doch eher selten. Sobald Menschenhandel, Zwangsprostitution usw. ins Spiel kommen, ist das natürlich verwerflich, aber das sind eigene Straftatbestände, hat mit der eigentlichen Prostitution nichts zu tun. Und in der Umfrage ging es wohl eher um Hobby-Huren.
"Ohne Freier keine Nutten" wurde hier propagiert, aber das gilt natürlich auch umgekehrt, "ohne Nutten keine Freier". Wie das Ding mit dem Huhn und dem Ei. Gerade bei dieser Frage sollte man aber tiefer schürfen, anstatt das Gewerbe an sich zu verteufeln und den Moralapostel zu spielen. Ich finde es ja schön, daß hier offensichtlich noch niemand mit dem Gewerbe zu tun hatte. Sei es, weil alle auch so guten und reichlich Sex haben, sei es, weil der ein oder andere nicht die ganze Wahrheit sagt, sei es, weil die finanziellen Mittel einfach noch nicht reichen oder sei es, weil man erst knapp 20 ist und noch keine Gelegenheit hatte. Es hätte mich überrascht, wenn sich hier jemand als notorischen Puffgänger oder gar als Prostituierte geoutet hätte.
Ich möchte dennoch einmal einen Aspekt zu bedenken geben, der bisher noch nicht angesprochen wurde: die soziale Funktion der Prostitution. Wie Bambi richtig bemerkt hat, ist es natürlich geiler, eine Frau ohne Geldeinsatz zu erobern, aber genau das ist oft auch das Problem. Es ist einfach Fakt, daß auf dieser Welt eine größere Anzahl an Männern herumläuft, die entweder keine Frau abbekommen haben oder die sexuelle Vorlieben haben, die ihnen ihre Partnerin nicht erfüllen kann oder will, bzw. die gar nicht erst den Mut aufbringen, sie danach zu fragen. Prostituierte bieten diesen Männern die Möglichkeit, ihren Trieben möglichst unverbindlich nachzugehen, eben einfach gegen Bezahlung. Stellen wir uns einmal vor, es gäbe die Prostitution nicht, was wäre die Folge? Die, die auf normalem Wege einfach keine Frau abbekommen, können ihre Triebe nicht stillen. Wenn alles optimal läuft, haben sie eben ihre Hand als Geliebte, wenn's aber richtig übel läuft, endet das früher oder später mit Vergewaltigung, oft mit zunehmender Abartigkeit und anschließendem Mord. Bei denen, die mit ihrer Partnerschaft nicht ausgelastet sind, endet es entweder genauso oder mit einer außerehelichen Beziehung, die man dann aber eben erst erobern muß, was in den seltensten Fällen ohne den Einsatz von Gefühlen funktioniert. Mindestens auf Seiten der Frau, wenn der Typ ein echtes Charakterschwein ist, meist läßt es aber den Mann auch nicht kalt und Ehe und Familie sind gefährdet. Beim Gang zum Bordell ist es ein reines Geschäft, Geld gegen Dienstleistung, eben nur reiner, gefühlsfreier Sex für beide Seiten. Von zwei unschönen Dingen, finde ich das allemal besser.
Kurz hinzufügen möchte ich, daß ich es moralisch nicht besser finde, wenn Frauen mit Männern eine feste Beziehung eingehen, nur weil sie Geld, Macht und Einfluß haben, ich sehe da keinen Unterschied. Ebenso sei es kurz erwähnt, daß es ja auch den umgekehrten Fall gibt (Callboys) wenn auch mengenmäßig nicht vergleichbar. Außerdem störte mich in diesem Thread, daß Menschen (auch Nutten und Freier sind tatsächlich Menschen!) als Scheiße oder Dreck bezeichnet wurden.
Und, wer's noch nicht gelesen hat, zum Thema: "Theorie und Praxis", habe ich vor ein paar Tagen beim Witz des Tages eingestellt.
Und, bevor jemand fragt, warum ich Prostitution "verteidige": Nein, ich gehöre zu den wenigen tugendhaften, die derlei Dienste noch nicht in Anspruch genommen haben. Aber nicht aus moralischen Gründen, die Frage hat sich mir einfach nie gestellt, bisher ging es auch immer noch so ganz gut... Ich kann, wenn ich ehrlich bleiben will, nicht sagen, was gewesen wäre, wenn es anders gelaufen wäre.