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Adler mit zwei Köpfen

Adler mit zwei Köpfen

Ein neuer Staat auf Europas Landkarte? Montenegro stimmt über seine Unabhängigkeit ab

Im Vorzimmer des montenegrinischen Parlamentspräsidenten hängt eine Karte aus dem Jahre 1500 an der Wand. Wie ein berühmtes Dorf in Gallien zu Zeiten von Asterix ragt darauf ein winziger Fleck aus einer Einheitsmasse heraus: Nur Montenegro trotzte damals der osmanischen Übermacht und wurde als einziges Land auf dem Balkan nicht von den Türken besetzt. „Wir waren schon unabhängig in schwierigeren Zeiten“, sagt Ramko Krivokapic, Vorsitzender der sozialdemokratischen Partei SDP. Er ist einer der Initiatoren der Unabhängigkeitsbewegung von Montenegro, die nun, am kommenden Sonntag, vor der entscheidenden Frage steht.

„Da“ oder „Ne“? Ja oder nein? Es ist auf jeden Fall eine kurze Antwort auf die lange Frage, ob das kleine Land Montenegro, eingekeilt am Mittelmeer zwischen Albanien, Serbien und Kroatien, in Zukunft unabhängig sein wird. Seit dem Zerfall von Jugoslawien gibt es in Montenegro eine starke Bewegung „weg von Belgrad“. An diesem Sonntag wird sich zeigen, ob eine Mehrzahl der knapp 700 000 Einwohner den Schritt auch tatsächlich wagen will. Mindestens 55 Prozent der Wähler müssen dann mit „Ja“ stimmen.

Den Euro als Landeswährung hat Montenegro schon vor Jahren eingeführt, und in fast allen Wirtschaftsdaten hat es seinen großen Bruder Serbien abgehängt: Die Inflation beträgt 1,8 Prozent, im Rest der Union ist sie zehnmal hö her; das jährliche Haushaltsdefizit liegt unter den von Maastricht geforderten drei Prozent, und, pro Kopf gerechnet, investieren ausländische Firmen in Montenegro deutlich mehr als in Serbien. „Wir haben durch die Union mit Serbien mindestens zehn Jahre an Entwicklung verloren,“ sagt Krivokapic, der sich sicher ist, wie die Entscheidung am Sonntag ausgehen wird: „Alle Meinungsinstitute sagen einen klaren Sieg für die Unabhängigkeit voraus.“

In seiner Verfassung nennt sich der kleine Balkan-Staat ganz unbescheiden „erster ökologischer Staat der Welt“. Weil bis auf ein Aluminium-Kombinat in der Nähe der Hauptstadt Podgorica so gut wie keine Industrie existiert, ist Umweltverschmutzung in Montenegro mangels Gelegenheiten weitgehend ausgeblieben. Im Norden ragen bewaldete Berge bis zweieinhalbtausend Meter in die Höhe, und keine zwei Fahrstunden davon entfernt liegen im Süden Strände, die zu den schönsten des Mittelmeers gehören. Wilde Canyons mit kristallklarem Wasser durchziehen die „schwarzen Berge“, darunter mit der Tara die tiefste Schlucht Europas. Dieses Potenzial will Montenegro in Zukunft nutzen, um vor allem durch den Tourismus Geld ins Land zu bringen.

In den vergangenen Jahren haben vor allem die Russen das Land entdeckt. Sie kaufen Immobilien entlang der Küste, mehrere Hotelkomplexe werden zurzeit von russischen Investoren zwischen Ulcinj und Kotor gebaut – ohne dabei allzu sehr auf Umweltstandards zu achten. So wird im Moment in der Nähe des Küstenstädtchens Budvar ein ganzer Berg weggesprengt, um auf seinen Trümmern ein Hotel mit Unterwasser-Casino zubauen. Nicht immer stammt das Geld dabei aus sauberen Kanälen. „Manche Grundstücke“, sagt ein montenegrinischer Immobilienmakler, der nicht genannt werden möchte, „sind in einem Jahr fast 20 Mal verkauft worden. Die waschen doch hier nur ihr Geld.“

Dass hinter mancher Großinvestition die russische Mafia stecken könnte, vermutete auch der Leiter einer Ermittlungsgruppe bei der Polizei in Podgorica, Sljavoljub Scekic. Nachdem in einer der russischen Hotelbaustellen an der Küste zum dritten Mal eine Bombe explodiert war, schien er den Hintermännern auf der Spur. Im Sommer vergangenen Jahres wurde Scekic vor seinem Wohnhaus von einem Killerkommando erschossen. Die Bombenserie und der Mord an dem Polizeichef wurden nie aufgeklärt.

„Wir haben ein sauberes Land, aber noch keine saubere Politik“, sagt Parlamentspräsident Krivokapic. Dass in Belgrad noch immer politische Kräfte die Richtung bestimmen, die Europa feindlich gesonnen und nicht willens sind, Kriegsverbrecher an den europäischen Gerichtshof auszuliefern, diesen Hemmschuh wollen sich er und ab Sonntag vielleicht auch die Mehrheit seiner Landsleute nicht länger anziehen. „Serbien muss unser Votum akzeptieren“, sagt er und hat sich für die Unabhängigkeitsfeier am Sonntagabend im Zentrum von Podgorica schon die passende Krawatte gekauft: rot wie die Landesflagge, auf der ein doppelköpfiger Adler argwöhnisch in alle Richtungen blickt.

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Genau zu der Zeit um 1500 entwickelte sich das montenegrinische Volk,als Serbien ganz besetzt wurde und der kleine bergige Teil Serbiens nicht besetzt werden konnte.

Den vor den Türken gab es das nicht,da war alles eins,Serbien :!:
 
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