Streit und Paranoia
Leben in Antarktis und Folgen der Isolation
Wenn Menschen monatelang unter Extrembedingungen in einer kleinen Gruppe leben, hat das weitreichende Auswirkungen auf die Psyche. Das zeigt eine am Montag veröffentlichte Studie an der Besatzung einer entlegenen Antarktisforschungsstation. Sie soll der Vorbereitung für Weltraummissionen, etwa zum Mars, dienen. Und es zeigte sich: Die ständige Nähe ohne Ausweg stärke nicht die soziale Bindung, im Gegenteil.
Das Team, das die Studie verfasste, hat zehn Monate lang die zwölfköpfige Besatzung der französisch-italienischen Antarktisstation „Concordia“ untersucht. Die Station liegt an einem der entlegensten Orte der Erde auf etwa 3.200 Meter Höhe. Dabei ging es unter anderem um Teamdynamik, soziales Miteinander, Misstrauen und Einsamkeit.
Das Fazit lautete: „Unter Extrembedingungen nehmen Einsamkeit, Misstrauen und Konflikte zu, während Zusammenhalt und Leistungsfähigkeit sinken“, hieß es in der Untersuchung, die an mehreren Universitäten, darunter Zürich, Bern und Würzburg, entstanden ist. Die Erkenntnisse wurden am Montag in der Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ („PNAS“) veröffentlicht.
Anzeichen von Paranoia
Weil ein Zugang im antarktischen Winter von Mitte Februar bis Mitte November nicht möglich ist, lebte und arbeitete die Besatzung in völliger Abgeschiedenheit. Die zwölf Forschenden wurden selbst zum Gegenstand der Experimente. Sie trugen Sensoren, die erfassten, wann sie sich wie lange mit wem trafen, und sie füllten mehrfach Fragebögen aus.
Einige Teammitglieder hätten nach ein paar Monaten geglaubt, dass andere über sie sprechen oder sie beobachten würden, berichtete der Würzburger Psychiater Sebastian Walther. Diese Personen hätten angenommen, dass die anderen ihr schaden wollten.
Wenn Menschen monatelang unter Extrembedingungen in einer kleinen Gruppe leben, hat das weitreichende Auswirkungen auf die Psyche. Das zeigt eine am Montag veröffentlichte Studie an der Besatzung einer entlegenen Antarktisforschungsstation. Sie soll der Vorbereitung für Weltraummissionen, etwa...
orf.at