A
Arminius
Guest
Dieser Thread ist dem cheruskischen Germanenfürsten Arminius gewidmet, dem "Befreier Germaniens", wie Tacitus schrieb. Doch geht es mir hier nicht allein um sein militärisches Wirken, sondern auch um die kaum abzuschätzenden Folgen seines Sieges, selbst für uns heute noch.
Arminius (mittig) führt die Germanen (links) gegen die Römer (rechts) - im nördlichen Giebelfeld der Walhalla bei Regensburg, Bayern.
Um das Jahr 17 v. Chr. als Sohn eines Cheruskerfürsten geboren, wurde Arminius im Kindesalter von den Römern mit nach Rom genommen. Dort diente er als Führer germanischer Verbände im römischen Militär, erlernte die lateinische Sprache, erwarb das römische Bürgerrecht und wurde in den Stand eines römischen Ritters erhoben.
Im Jahre 6-7 n. Chr. war er an der Niederschlagung des pannonischen Auftands im heutigen Dalmatien beteiligt.
Um 7-8 n. Chr. kehrte Arminius an der Seite des Statthalters Varus, der für seine Erfolge bei der Niederschlagung jüdischer Aufstände in Syrien unter den Römern bekannt war, nach Germanien in das Gebiet seines Stammes zurück. Varus führte zu dieser Zeit drei Legionen in Germanien an.
In Germanien erlebte Arminius die Zerißenheit seines Stammes, gespalten in ein pro- und ein anti-römisches Lager. Stammesmitglieder wurden nach römischem Recht abgeurteilt und hingerichtet. Nach germanischer Vorstellung aber richten über den Tod eines freien Mannes allein die Götter.
Arminius war an einen Scheidepunkt angelangt. Der Römer Arminius begann zu zweifeln, der Germane zu handeln.
Arminius entschied sich für die Seite seines Vaters und damit gegen Rom. Er zog eine große Zahl von Cheruskern und anderen germanischen Stämmen auf seine Seite, lockte Varus und seine Legionen in einen Hinterhalt und entfesselte den Furor Teutonicus.
Drei Legionen standen, drei fielen. Varus nahm sich auf dem Schlachtfeld das Leben und Augusts den Willen Germanien zu erobern. Damit brachte Arminius der Weltmacht Rom eine ihrer verheerendsten Niederlagen bei.
Kaiser Augustus rief aus: „Quintilius Varus, gib mir die Legionen zurück!“
Was trieb Arminius danach an? Die Überlieferungen und die Urteile der Historiker legen nahe; Arminius träumte davon, wie König über ein geeintes Germanien zu herrschen. Und zu diesem Zeitpunkt war er der unangefochtene Herrscher vieler germanischer Stämme.
Einige Jahre später sandte Rom Cladius Germanicus nach Germanien, um einen erneuten Eroberungsversuch zu starten. Auf Germanicus' Seiten stand Arminius' Bruder Flavus, der, wie Tacitus wiedergab, mit seinem Bruder ein Streitgespräch führte, wobei sie sich von gegenüberliegenden Seiten der Weser zuriefen. Laut Tacitus vertrat Arminius in diesem Gespräch das heilige Recht des Vaterlandes, die altüberkommene Freiheit und die germanischen Götter, während der romfreundliche Flavus seinem Bruder die Größe Roms, die Macht des Kaisers und die harten Strafen für Aufständische vorhielt.
Germanicus führte im Jahre 16 n. Chr 8 Legionen gegen Arminius. Zwar gewann Arminius diese Schlacht nicht eindeutig, doch er schlug die Legionen zurück und vertrieb die Römer damit für immer aus Germanien.
Die Germanenstämme von denen wir zu dieser Zeit wissen, dass sie Arminius folgten, waren die Cherusker, die Brukterer, die Usipeter, Chatten, Chattuarier, Tubanten, Angrivarier, Mattiaker, Lander, Semnonen und Langobarden.
Als Arminius den konkurrierenden Germanenfürsten Marbod nach Böhmen vertrieb, erreichter er den Punkt, an dem er viel zu viel Macht besaß. Um das Jahr 21 n. Chr. fand er seinen Tod durch Gift.
Was hat Arminius damit ausgelößt, das uns nun noch beeinflusst? Unschätzbar Bedeutsames.
Der Althistoriker Alexander Demandt sagte in diesem Zusammenhang zur deutschen Sprache:
"Sie wäre ebenso ausgestorben oder marginalisiert worden. Goethe und Shakespeare hätte es nie gegeben."
"Arminius hat die Romanisierung Germaniens verhindert."
Tatsächlich hätte die europäische Geschichte wohl einen ganz anderen Verlauf genommen. Wenn nicht gar die ganze Weltgeschichte.
Zu einem Szenario in dem dem Rom Arminius besiegte und sich damit Germanien zu eigen gemacht hat sagt Demandt:
"Nehmen wir mal an, das Reich hätte sich bis zur Elbe ausgedehnt. Dann wäre das enorme Bevölkerungspotential der Germanen in das römische Wirtschafts- und Militärsystem eingebaut worden." ... "Diese Kraft hätte wohl ausgereicht, um später die ostgermanische Bedrohung während der Völkerwanderungszeit abzuwehren – all die heranstürmenden Goten, Vandalen und Langobarden, die östlich der Elbe lebten und die nach 400 n. Chr. gegen den Limes stürmten und den Untergang des Römischen Reichs auslösten. Diese Horden wären abgeblockt und die Völkerwanderung im Keim erstickt worden. Und ohne diese zerstörerische Menschenflut hätte das Reich sicherlich überdauert – vielleicht bis heute. Die Völkervielfalt Europas wäre nicht entstanden. Ein absurder Gedanke, aber dann würden wir heute noch in der Spätantike leben."
Arminius' Kampf prägt unser Leben, in ungeahntem Maße, bis heute.
Arminius (mittig) führt die Germanen (links) gegen die Römer (rechts) - im nördlichen Giebelfeld der Walhalla bei Regensburg, Bayern.
Um das Jahr 17 v. Chr. als Sohn eines Cheruskerfürsten geboren, wurde Arminius im Kindesalter von den Römern mit nach Rom genommen. Dort diente er als Führer germanischer Verbände im römischen Militär, erlernte die lateinische Sprache, erwarb das römische Bürgerrecht und wurde in den Stand eines römischen Ritters erhoben.
Im Jahre 6-7 n. Chr. war er an der Niederschlagung des pannonischen Auftands im heutigen Dalmatien beteiligt.
Um 7-8 n. Chr. kehrte Arminius an der Seite des Statthalters Varus, der für seine Erfolge bei der Niederschlagung jüdischer Aufstände in Syrien unter den Römern bekannt war, nach Germanien in das Gebiet seines Stammes zurück. Varus führte zu dieser Zeit drei Legionen in Germanien an.
In Germanien erlebte Arminius die Zerißenheit seines Stammes, gespalten in ein pro- und ein anti-römisches Lager. Stammesmitglieder wurden nach römischem Recht abgeurteilt und hingerichtet. Nach germanischer Vorstellung aber richten über den Tod eines freien Mannes allein die Götter.
Arminius war an einen Scheidepunkt angelangt. Der Römer Arminius begann zu zweifeln, der Germane zu handeln.
Arminius entschied sich für die Seite seines Vaters und damit gegen Rom. Er zog eine große Zahl von Cheruskern und anderen germanischen Stämmen auf seine Seite, lockte Varus und seine Legionen in einen Hinterhalt und entfesselte den Furor Teutonicus.
Drei Legionen standen, drei fielen. Varus nahm sich auf dem Schlachtfeld das Leben und Augusts den Willen Germanien zu erobern. Damit brachte Arminius der Weltmacht Rom eine ihrer verheerendsten Niederlagen bei.
Kaiser Augustus rief aus: „Quintilius Varus, gib mir die Legionen zurück!“
Was trieb Arminius danach an? Die Überlieferungen und die Urteile der Historiker legen nahe; Arminius träumte davon, wie König über ein geeintes Germanien zu herrschen. Und zu diesem Zeitpunkt war er der unangefochtene Herrscher vieler germanischer Stämme.
Einige Jahre später sandte Rom Cladius Germanicus nach Germanien, um einen erneuten Eroberungsversuch zu starten. Auf Germanicus' Seiten stand Arminius' Bruder Flavus, der, wie Tacitus wiedergab, mit seinem Bruder ein Streitgespräch führte, wobei sie sich von gegenüberliegenden Seiten der Weser zuriefen. Laut Tacitus vertrat Arminius in diesem Gespräch das heilige Recht des Vaterlandes, die altüberkommene Freiheit und die germanischen Götter, während der romfreundliche Flavus seinem Bruder die Größe Roms, die Macht des Kaisers und die harten Strafen für Aufständische vorhielt.
Germanicus führte im Jahre 16 n. Chr 8 Legionen gegen Arminius. Zwar gewann Arminius diese Schlacht nicht eindeutig, doch er schlug die Legionen zurück und vertrieb die Römer damit für immer aus Germanien.
Die Germanenstämme von denen wir zu dieser Zeit wissen, dass sie Arminius folgten, waren die Cherusker, die Brukterer, die Usipeter, Chatten, Chattuarier, Tubanten, Angrivarier, Mattiaker, Lander, Semnonen und Langobarden.
Als Arminius den konkurrierenden Germanenfürsten Marbod nach Böhmen vertrieb, erreichter er den Punkt, an dem er viel zu viel Macht besaß. Um das Jahr 21 n. Chr. fand er seinen Tod durch Gift.
Was hat Arminius damit ausgelößt, das uns nun noch beeinflusst? Unschätzbar Bedeutsames.
Der Althistoriker Alexander Demandt sagte in diesem Zusammenhang zur deutschen Sprache:
"Sie wäre ebenso ausgestorben oder marginalisiert worden. Goethe und Shakespeare hätte es nie gegeben."
"Arminius hat die Romanisierung Germaniens verhindert."
Tatsächlich hätte die europäische Geschichte wohl einen ganz anderen Verlauf genommen. Wenn nicht gar die ganze Weltgeschichte.
Zu einem Szenario in dem dem Rom Arminius besiegte und sich damit Germanien zu eigen gemacht hat sagt Demandt:
"Nehmen wir mal an, das Reich hätte sich bis zur Elbe ausgedehnt. Dann wäre das enorme Bevölkerungspotential der Germanen in das römische Wirtschafts- und Militärsystem eingebaut worden." ... "Diese Kraft hätte wohl ausgereicht, um später die ostgermanische Bedrohung während der Völkerwanderungszeit abzuwehren – all die heranstürmenden Goten, Vandalen und Langobarden, die östlich der Elbe lebten und die nach 400 n. Chr. gegen den Limes stürmten und den Untergang des Römischen Reichs auslösten. Diese Horden wären abgeblockt und die Völkerwanderung im Keim erstickt worden. Und ohne diese zerstörerische Menschenflut hätte das Reich sicherlich überdauert – vielleicht bis heute. Die Völkervielfalt Europas wäre nicht entstanden. Ein absurder Gedanke, aber dann würden wir heute noch in der Spätantike leben."
Arminius' Kampf prägt unser Leben, in ungeahntem Maße, bis heute.
