Salafistische Netzwerke sind ein wachsendes Phänomen in Nordrhein-Westfalen. Wegen seines strengen
Schwarz-Weiß-Schemas ist diese Spielart des Islam besonders für Konvertiten interessant. Die
salafistische Ideologie widerspricht in Teilen dem Grundgesetz. Es besteht eine Affinität gegenüber der
als „Jihad“ bezeichneten Anwendung von Gewalt zur Durchsetzung der eigenen Glaubensvorstellungen.
Für die Entwicklung des Phänomens gibt es geschichtliche Ursachen.
Der vorliegende Bericht behandelt die Entstehungsgeschichte des Salafismus und seine heutige Ausrichtung.
Heute begegnet uns Salafismus in drei Spielarten: dem puristischen, dem Mainstream-
Salafismus und dem Jihadismus. Mit allen drei Strömungen befasst sich der Verfassungsschutz.
Der Mainstream-Salafismus ist eine ideologische Mischung aus dem puristischen und dem jihadistischen
Salafismus. Der „Jihad“ als bewaffneter Kampf zur Durchsetzung der eigenen Glaubensvorstellungen
wird nicht abgelehnt, aber meist auch nicht offen propagiert. Durch die als „da’wa“ bezeichnete
Missionsarbeit sollen neue Anhänger gewonnen und die Gesellschaft von unten her umgestaltet werden.
Endziel ist die Errichtung eines islamischen Weltstaates, der auf den Grundlagen von Koran und
Sunna – Überlieferungen aus der Lebenszeit des islamischen Propheten Muhammad – beruht.
In Deutschland sind vor allem orientierungslose Migrantenkinder der dritten Generation und Konvertiten
eine Zielgruppe salafistischer Prediger. Letztere organisieren sich in Netzwerken und verbreiten ihre
Ideologie in Moscheen, auf Islamseminaren und im Internet.
Der Salafismus geht zurück auf den arabischen Begriff „al-salaf al-salih“, zu Deutsch: die „frommen
Altvorderern“. Damit sind die ersten drei Generationen gemeint, die mit und nach dem islamischen
Propheten Muhammad lebten. Der Salafismus sieht im Leben und Wirken dieser drei Generationen
einen Idealtypus, dem es auch heute nachzueifern gilt. Salafisten sind Teil des sunnitischen Islams. Die Bewegung ist im 19. Jh. in Ägypten entstanden. Die ersten Salafisten verstanden sich selbst als Reformer.
Die Re-Islamisierung sollte der Gesellschaft den Weg in die Moderne weisen. Als bis heute Richtungsweisende
Bewegung gründete sich 1928 in Ägypten die Muslimbruderschaft. Eine militante Ausrichtung
bekam die Ideologie in der Mitte des 20. Jh. durch den Konflikt mit dem säkularen ägyptischen
Staat. Radikale Denker entwarfen verschiedene religiöse Konzepte, mit denen „unislamische“ Herrscher
und muslimische Mitbürger zu Zielscheiben von Gewalt erklärt werden konnten. Dies bildet die
Grundlage für den heutigen Jihadismus. Der puristische Salafismus dagegen ist eine Denkrichtung, die
sich streng apolitisch und Gewalt ablehnend gibt. Sie widmet sich ganz dem Erziehungsgedanken. Eine
wahre islamische Gesellschaft soll von unten aufgebaut werden.
Ideologisch bieten alle drei ideologischen Ausrichtungen des Salafismus ihren Anhängern ein klares Schwarz-Weiß-Werteschema an. Die meisten neuen Errungenschaften, etwa Demokratie oder Gleichberechtigung,
werden als „unislamische Neuerungen“ abgelehnt. Salafisten vertreten eine sehr strenge
Form des Monotheismus. Das Befolgen von Idealen außer dem Propheten Muhammad wird bereits als
„Vielgötterei“ angesehen. Auch die reichhaltigen Traditionen von der Entstehung des Islam bis heute
werden abgelehnt, darunter auch die vier sunnitischen Rechtsschulen. Schiiten gelten gar als Ungläubige.
Salafisten zeigen sich außerdem durch das strikte und wortwörtliche Befolgen religiöser Regeln
aus. Diese entnehmen sie der eigenen Vorstellung nach nur Koran und Sunna.
Eine gegenseitige ideologische Beeinflussung fand mit dem Wahhabismus statt. Dieser ist nur in Saudi-
Arabien offizielle Staatsreligion. Der Salafismus sieht sich dagegen als globale Bewegung. Das Endziel ist ein islamischer Weltstaat