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"Der Staat Jugoslawien stand dem strategischen Entwurf der USA im Wege"

Barut

Gesperrt
Ex-CIA-Agent Robert Baer über die Strategien der CIA während des Jugoslawien-Krieges
Robert Baer hat 20 Jahre lang für den US-Geheimdienst CIA gearbeitet und war für diesen in Ländern wie dem Libanon, dem Irak, in Tadschikistan, in Marokko und im ehemaligen Jugoslawien tätig. 1997 verließ er den Geheimdienst und berichtete seitdem in Büchern und als Autor in Zeitungen über die US-Außenpolitik, Spionage und die Arbeit der Geheimdienste, die er zunehmend kritisch betrachtete. Er schilderte den Niedergang der CIA, die seiner Ansicht nach falsche Haltung gegenüber Saudi-Arabien und dem Iran. In dem Buch "Secrets of the White House", das demnächst erscheinen soll, geht es darum, welche Interessen die USA in Ex-Jugoslawien bis hin zum Kosovo-Krieg verfolgten.

In Ihrem neuen Buch "Secrets of the White House" werfen Sie dem CIA vor, den Zerfall Jugoslawiens in den 1990er Jahren massiv unterstützt zu haben. Was war das strategische Ziel des US-Geheimdienstes, diesen Staatszerfall zu beschleunigen, der zu Krieg und Bürgerkrieg führte und hunderttausende Opfer forderte?

Robert Baer:
Das Ziel war es, den Staat Jugoslawien als geopolitischen Machtfaktor auszuschalten. Versetzen wir uns einmal in jene Zeit zurück, vor rund einem Vierteljahrhundert. Die Sowjetunion zerbrach, ebenso die Tschechoslowakei, Deutschland wurde vereinigt, der Warschauer Pakt löste sich auf, die geopolitische Landschaft, welche nach dem 2. Weltkrieg entstanden war, hatte über Nacht aufgehört zu existieren.

In Washington hatte man damals das Ziel, gemäß der Fehlanalysen Fukuyamas, die Chancen zu nutzen, um dauerhaft westliche Vorstellungen von der Welt nicht nur in Europa zu installieren, also der ganz große Abwasch, um zukünftig das Entstehen eines gegnerischen Machtfaktors, wie es die UdSSR einst war, dauerhaft zu verhindern.
Und was hat das mit Jugoslawien zu tun?

Robert Baer:
Der Staat Jugoslawien stand diesem strategischen Entwurf im Wege. Immerhin war es ein Staat mit einigem
Gewicht und einigem Prestige, sowie mit einer der stärksten Armeen Europas.

Klingt das nicht etwas nach einer antiamerikanischen Verschwörungstheorie?

Robert Baer:
Nicht wenn man selbst dabei war so wie ich seit Januar 1991, als ich in Bosnien eintraf, im Auftrag der CIA.

Was war Ihr damaliges Aufgabengebiet?

Robert Baer:
Wir hatten die Aufgabe, eine angebliche serbische Terrorzelle zu überwachen, gegebenenfalls auszuschalten, die das Ziel hatte, die bosnischen Pläne zur Unabhängigkeit zu sabotieren.

Wieso sagen Sie "angebliche Terrorzelle"?

Robert Baer:
Nun, weil es diese Gruppierung,"Surpreme Serbia" wurde sie übrigens genannt, überhaupt nicht gab. Unsere Anwesenheit vor Ort diente nur dazu, die politische Klasse Bosniens zu verunsichern und deren Weg zur Unabhängigkeit zu beschleunigen. Nach 2 Wochen wurde die Aktion abgeblasen, ich selbst wurde dann nach Slowenien mit dem Ziel versetzt, dort die Entwicklung zur Unabhängigkeit voranzutreiben.

1991 mündete der Zerfallsprozess in einen offenem Krieg, der viele Jahre andauern sollte. Kamen Ihnen persönlich damals Zweifel, was die moralische Rechtfertigung anging?

Robert Baer:
Zweifel hat jeder Agent. Aber die Tätigkeit als Mitarbeiter eines der führenden Geheimdienste der Welt eignet sich nicht besonders gut dazu, moralische Reflexionen anzustellen. Je mehr wir aber über die Geschichte Jugoslawiens erfuhren, umso größer wurden die Zweifel. Besonders die Tatsache, Serbien alleine als den größten Kriegsverbrecher sowohl im historischen Kontext, wie auch in dem aktuellen Krieg von damals darzustellen, entsprach nie den Realitäten.

"Wir schmierten Politiker und Generäle, Publizisten und Polizisten"

Welche Rolle spielte Geld, bei diesen Operationen?

Robert Baer:
Eine ausschlaggebende Rolle. Wir schmierten Politiker und Generäle, Publizisten und Polizisten.

Welche?

Robert Baer:
Die führenden Politiker der damaligen Teilrepubliken zum Beispiel.

Kommen wir auf die Situation im Kosovo zu sprechen. Gehen Sie davon aus, dass mit der Abspaltung Kosovos von Serbien der Zerfallsprozess Jugoslawiens beendet ist?


Robert Baer:
Das hängt davon ab, wie sich die innenpolitische Lage Kosovos entwickelt. Der Zerfallsprozess, von dem Sie sprachen, also im klassischen Sinne, ist sicherlich vorbei. Mich würde es aber nicht wundern, wenn die Albaner bald auch albanische Gebiete in den Nachbarstaaten beanspruchen würden, also in Serbien und Mazedonien.

Der damalige deutsche Außenminister Fischer sprach von einem drohenden Ausschwitz, womit er die westliche Intervention damals moralisch zu rechtfertigen gedachte.

Robert Baer:
Als deutscher Politiker hätte er eigentlich über ein gewisses historisches Gespür verfügen sollen bezüglich solcher unsachlichen Vergleiche. Es gab zwei strategische Gründe für ein unabhängiges Kosovo. Wegen der mineralischen und natürlichen Ressourcen und natürlich wegen der geplanten Errichtung von Bondsteel, dem Militärstützpunkt, mitten im Herzen Südost-Europas.

Viele Kosovaren sind aber heute noch dankbar für die westliche Intervention von damals.

Robert Baer:
Ich würde eher behaupten, sie waren es. Denn bis heute hat sich die ökonomische Lage nicht verbessert. Die Menschen fliehen doch aus dem Land. Der Staat ist nicht lebensfähig.

Ich möchte kurz über Ihre Motivation sprechen, was Ihre publizistische Arbeit angeht, seitdem Sie aus dem CIA ausgeschieden sind. Möchten Sie das Ansehen der USA beschädigen?

Robert Baer:
Im Gegenteil, ich bin ein amerikanischer Patriot, der sich Sorgen macht über diese desaströse Politik der letzten Jahrzehnte, speziell seit dem Ende des Kalten Krieges, die das Ansehen der USA weltweit sinken lassen.

Gehen Sie davon aus, dass auch bei anderen geopolitischen Krisen der jüngsten Zeit ähnliche Maßnahmen zur Anwendung kamen?

Robert Baer:
Mit Sicherheit. Allerdings möchte ich betonen, dass natürlich andere Mächte ähnliche Praktiken verwenden, je nach den jeweiligen Möglichkeiten.



[h=3]Ex-CIA agent: - We got millions to destroy Yugoslavia[/h]
Irgendwann überholt die Realität jede verfickte Verschwörungstheorie.
 
J

Jovan

Guest
frag mich nur was mit der AMBO Pipeline ist...

- - - Aktualisiert - - -


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FloKrass

Dvoglavi orao

Robert Baer:
Ich würde eher behaupten, sie waren es. Denn bis heute hat sich die ökonomische Lage nicht verbessert. Die Menschen fliehen doch aus dem Land. Der Staat ist nicht lebensfähig.

Da sagt aber die Statistik etwas anderes als der Herr hier behauptet. Zudem widerspricht seinen Aussagen sein eigener Arbeitgeber. Hier werden mal wieder Geschichten erzählt.

https://www.state.gov/documents/organization/229098.pdf

Kosovo: Wirtschaft: Ausgabe, Milliarden $

JahrBIPBNEWert hinzugefügt
20001.71.91.4
20105.85.94.9
20147.47.56.1


Kosovo: Wirtschaft
 

Mal

Legende
"Der Staat Jugoslawien stand dem strategischen Entwurf der USA im Wege"

Da sagt aber die Statistik etwas anderes als der Herr hier behauptet. Zudem widerspricht seinen Aussagen sein eigener Arbeitgeber. Hier werden mal wieder Geschichten erzählt.

https://www.state.gov/documents/organization/229098.pdf

Kosovo: Wirtschaft: Ausgabe, Milliarden $

JahrBIPBNEWert hinzugefügt
20001.71.91.4
20105.85.94.9
20147.47.56.1


Kosovo: Wirtschaft

Man braucht es nicht schönzureden. Das Kosovo stagniert in jedem Bereich. Die Menschen sind nicht aus Spaß geflüchtet sondern aus purer Verzweiflung und würden wir aus der Diaspora aufhören Geld runter zu schicken würde unten die Anarchie ausbrechen. Diese steigenden Zahlen kommen daher zu Stande, da die Wirtschaft bei 0 angefangen hat, sie können daher so einfach verschönert werden. Im Kosovo hätte selbst ein Bau einer Fabrik für paar hunderte Arbeiter sichtbare Auswirkungen. Das BIP wächst nur, wenn eine Volkswirtschaft etwas produziert hat. Der Bau von Autobahnen und Straßen eignet sich daher wunderbar um Geld aus EU-Fördermittel in die Taschen zu stecken und bei der Jahresrede von einer wachsenden Wirtschaft zu sprechen. Real gesehen resigniert das Land, es hatte mit einer arbeitswilligen, sehr billigen und extrem jungen Bevölkerung alle Chancen der Welt
 

Grdelin

Handwerker
Für den Untergang Jugoslawiens sind die Serben schuld. Die waren auch nie richtige Jugoslawen.
 

FloKrass

Dvoglavi orao
Man braucht es nicht schönzureden. Das Kosovo stagniert in jedem Bereich. Die Menschen sind nicht aus Spaß geflüchtet sondern aus purer Verzweiflung und würden wir aus der Diaspora aufhören Geld runter zu schicken würde unten die Anarchie ausbrechen. Diese steigenden Zahlen kommen daher zu Stande, da die Wirtschaft bei 0 angefangen hat, sie können daher so einfach verschönert werden. Im Kosovo hätte selbst ein Bau einer Fabrik für paar hunderte Arbeiter sichtbare Auswirkungen. Das BIP wächst nur, wenn eine Volkswirtschaft etwas produziert hat. Der Bau von Autobahnen und Straßen eignet sich daher wunderbar um Geld aus EU-Fördermittel in die Taschen zu stecken und bei der Jahresrede von einer wachsenden Wirtschaft zu sprechen. Real gesehen resigniert das Land, es hatte mit einer arbeitswilligen, sehr billigen und extrem jungen Bevölkerung alle Chancen der Welt


Kme,kme,kme....die Leute flüchten, weil es so scheiße ist...kme, kme, kme.

Sag mal bist du auf den Kopf gefallen? Ich habe das Gefühl, du kennst die Lage überhaupt gar nicht im Kosovo, sondern bist einfach nur iwie verzweifelt, deshalb schreibst du irgend einen Schrott.

Die präsentierten Zahlen sind zunächst ein Fakt und widersprechen der Aussage des angeblichen ehemaligen Agenten, der behauptet, das Kosovo macht keine Fortschritte. Fortschritte sind auf jeden Fall zu erkennen und zwar massive. Ich kenne die Situation, ich habe dort von 2001 bis ende 2009 gelebt. Wenn ich die Lage jetzt mit 2001 vergleiche, ich habe das Gefühl, ich lebe in einem anderen Land. Ob es noch Nachholbedarf gibt? Auf jeden Fall und die Situation ist weit vom optimalen Zustand entfernt. Aber verglichen seit 1990 hat sich der Lebensstandard im Kosovo seit 1999 um zehnfaches erhöht und verbessert.

Die Menschen sind geflüchtet? Natürlich flüchten sie, weil viele einfach kein Bock haben für 250-300 Euro/Monat zu arbeiten wie bspw in den Nachbarländern. Ich arbeite hier als Dolmetscher und Übersetzter in Karlsruhe und habe viel Kontakt mit Flüchtlingen. Ich habe zu Anfang der Flüchtlingswelle Menschen aus dem Kosovo kennen gelernt, die das KOMPLETTE Haus verkauft haben, um nach Deutschland zu gelangen, weil ihm die Frau die Hölle heiß gemacht hat; seine Olle wollte mehr Luxus also musste er zuschauen, wie er nach DE kommt, in der Hoffnung, dass er hier mehr Luxus findet. Ich habe hier Flüchtlinge kennen gelernt, die das teure Auto, den ganzen Kuhstall, etc verkauft haben, um nach DE zu kommen. Menschen, die ein Haus haben, die ein Auto fahren oder die eine Tierfarm haben, sind nicht arm. Sie sind allerhöchstens dumm und naiv.

Ich habe hier auch unbegleitete minderjährige Flüchtlingen (mit denen ich am meisten zu tun habe) kennengelernt, die von ihren Eltern angetrieben wurden nach DE zu kommen oder weil sie schlichtweg vor ihrer Familie geflüchtet sind. Junge Menschen die noch zur Schule gegangen sind. Und wenn sie nach ihren Verhältnissen im Kosovo gefragt wurden, dann hieß es meistens, dass der Vater oder Mutter Polizist, Lehrer, Arbeiter, Verkäufer, etc ist. Solche Menschen sind auch nicht arm. Sie haben einfach zu viel Geld und Zeit gehabt, als dass sie sich die Reise nach Deutschland leisten konnten. Die die tatsächlich arm sind, haben nicht einmal Geld für ein Busticket bis nach Prishtina, geschweige denn bis nach Deutschland. Und von denen habe ich hier keinen kennengelernt.

Die einzigen Sektoren, in denen die Entwicklung tatsächlich stagniert, sind der öffentliche Gesundheits- und Bildungssektor aufgrund der privaten Konkurrenz, die von machtvollen Politikern entweder geführt oder geschützt werden.
 
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