Viva_La_Pita, man kann den Willen einer Generation nicht über die Kontinuität eines Staatsgebildes und der von xx Generationen stellen. Du stellst dir das etwas arg naiv und einfach vor.
Ich mache dir ein Beispiel: Der Staat funktioniert wie ein Körper und investiert enorme Summen für die Industrialisierung und Aufwertung einer Region, in der v.A. Angehörige einer Minderheit leben. Der Staat tut dies, um seine Pflicht gegenüber seinen Bürgern nachzukommen. Diese Infrastruktur haben alle Steuerzahler über Generationen finanziert und nicht nur die Angehörigen dieser Region. Nun könnte sich diese Minderheit nach deiner Vorstellung einfach so mir nichts dir nichts abspalten und diese Aufwertungen einsacken.
Ein Staat ist nicht nur eine Ansammlung von Häusern und Strassen. Es ist ein (hoffentlich) sinnvoll geplantes und mit Zonen angeordnetes Konstrukt, bei dem jede Region einen optimalen Nutzen erbringen soll. Industrie, Pharmazie, Tourismus, Finanzplätze, übrige Dienstleistungen, Landwirtschaft etc...
Spaltet sich eine Region ab, die z.B. v.A. als Finanzplatz wichtig ist, wie zb Frankfurt in Deutschland, ist das wie wenn der Körper plötzlich keine Beine mehr hat.
Zweiter Punkt: Wenn 10 Generationen keine Abspaltung wollen und zufrieden sind, die 11. - vielleicht aus einer Kurzschlussreaktion heraus - eine Abspaltung möchte und die 12. bis 20. Generation auch keine Abspaltung wollen würde: Warum soll dann die Meinung dieser 11. Generation höher gewichtet sein als die der 10 Generationen zuvor?
Was ein Mal getrennt ist, wächst nur sehr schwer wieder zusammen und der Wille der 11. Generation entfaltet einfach so mir nichts dir nichts eine Langzeitwirkung für alle neuen Generationen.
Der dritte und vielleicht wichtigste Punkt: Rechtssicherheit, Stabilität und Kontinuität sind sehr wichtige Voraussetzungen für Investitionen und Wohlstand. Kein Mensch, ob Einheimischer oder von Aussen investiert in eine Gegend, von der er nicht weiss, wie ihre Gesetze und ihre Struktur in 2 Jahren aussehen und ob ihm sein Eigentum nicht eventuell enteignet usw. usf.
Das ist auch ein Problem des Kosovo: Die Region würde viel einfacher wieder auf die Beine kommen, wenn sie nicht nur zur Erzförderung, sondern auch zur Verarbeitung bestimmt worden wäre.
Erzförderung bedeutet zunächst eine einzige grosse Investition, sprich man erschliesst die Resourcen und baut ein Werk. Die anschliessenden Arbeiter sind meist ungebildete Kumpel und erwirtschaften kein Einkommen, das für Wohlstand, sondern fürs nackte Überleben reicht.
Die Rohstoffe wurden dann zu Freundschaftspreisen in die nördlichen Republiken gebracht (sprich v.A. Slowenien und Kroatien, aber auch Serbien), wo sie von Facharbeitern zu Erzeugnissen für den Weltmarkt verarbeitet werden. Dies sorgt für ein gutes Einkommen bei den Arbeitern und gute Devisen für die Republiken.
Dass Kosovo trotz dieser Voraussetzungen seine Unabhängigkeit anstrebte, zeigt einfach, dass dadurch kein ökonomischer Vorteil bezweckt wurde. Das ist irgendwie sympathisch.
Meine Befürchtung ist, dass das rohstoffreiche Kosovo keine verarbeitende Industrie aufbauen wird, sondern einfach nur die Förderrechte an neue "Freunde" für ein Butterbrot abgeben werden. Im Unterschied zur SFRJ-Zeit, wird es dann nicht einmal einen Ausgleichsfonds geben, der die Folgen mildern soll.