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5. Jänner 2012 21:47
Verdacht in Ergenekon-Affäre erhärtet
Istanbul - Der frühere Generalstabschef der türkischen Streitkräfte, Ilker Basbug, soll nach Medieninformationen vom Donnerstag auf Antrag der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Drahtzieherschaft bei einer Internetkampagne zur Diskreditierung der Regierung in Untersuchungshaft genommen werden. Das berichtete die Nachrichtenagentur Anadolu Ajansi (AA) am Abend nach einer siebenstündigen Einvernahme des pensionierten Generals, der zu den "Verdächtigen" in der sogenannten Ergenekon-Affäre gehöre. Basbug werde als Initiator der Kampagne betrachtet, mit der die islamisch orientierte Regierungspartei AKP von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan in Misskredit gebracht werden sollte.
Bei der Internet-Affäre handelt es sich um nur eines von vielen Ermittlungsverfahren rund um das Ergenekon-Netzwerk, die bereits seit fünf Jahren laufen. Mehrere hundert Beschuldigte, darunter höhere Offiziere, Anwälte, Akademiker und Journalisten wurden in diesem Zusammenhang angeklagt. Auf der "Todesliste" der Untergrundorganisation sollen unter anderen der Literatur-Nobelpreisträger Orhan Pamuk und der in Istanbul residierende Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. stehen, für deren Ermordung man islamistische Kräfte verantwortlich machen wollte. Regierungsgegner werfen Erdogan vor, die Ergenekon-Ermittlungen zur Schwächung der Armee und politischer Gegner zu nutzen. Oppositionelle werfen der AKP vor, die Ergenekon-Affäre zu nutzen, um Kritiker zu verfolgen. Dutzende kritische Journalisten sitzen derzeit im Gefängnis. Die Regierung weist die Vorwürfe zurück.
Die türkische Armee, die sich in der Rolle der Hüterin der kemalistisch-säkularen Grundprinzipien der Republik sieht, hatte 1960, 1971, 1980 und 1997 in die Politik eingegriffen. 1960 unter General Cemal Gürsel und 1980 unter General Kenan Evren übernahm die Armee mit einem Staatsstreich direkt die Macht. Die AKP-Regierung hat die Machtbefugnisse des Militärs stark eingeschränkt.
Die als "terroristische Vereinigung" eingestufte ultranationalistische Geheimorganisation bezieht sich auf die Ergenekon-Sage, den Ursprungsmythos der türkischen Nation um ein Tal in Zentralasien. Die Drahtzieher sollen laut Anklage versucht haben, durch politischen Mord und Zusammenarbeit mit dem organisierten Verbrechen Chaos im Land zu erzeugen, um die Streitkräfte im Namen der Verteidigung der Prinzipien des Kemalismus zu einem Staatsstreich zu veranlassen. (APA/Reuters)
Ex-Generalstabschef Basbug soll in U-Haft - Türkei - derStandard.at
Verdacht in Ergenekon-Affäre erhärtet
Istanbul - Der frühere Generalstabschef der türkischen Streitkräfte, Ilker Basbug, soll nach Medieninformationen vom Donnerstag auf Antrag der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Drahtzieherschaft bei einer Internetkampagne zur Diskreditierung der Regierung in Untersuchungshaft genommen werden. Das berichtete die Nachrichtenagentur Anadolu Ajansi (AA) am Abend nach einer siebenstündigen Einvernahme des pensionierten Generals, der zu den "Verdächtigen" in der sogenannten Ergenekon-Affäre gehöre. Basbug werde als Initiator der Kampagne betrachtet, mit der die islamisch orientierte Regierungspartei AKP von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan in Misskredit gebracht werden sollte.
Bei der Internet-Affäre handelt es sich um nur eines von vielen Ermittlungsverfahren rund um das Ergenekon-Netzwerk, die bereits seit fünf Jahren laufen. Mehrere hundert Beschuldigte, darunter höhere Offiziere, Anwälte, Akademiker und Journalisten wurden in diesem Zusammenhang angeklagt. Auf der "Todesliste" der Untergrundorganisation sollen unter anderen der Literatur-Nobelpreisträger Orhan Pamuk und der in Istanbul residierende Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. stehen, für deren Ermordung man islamistische Kräfte verantwortlich machen wollte. Regierungsgegner werfen Erdogan vor, die Ergenekon-Ermittlungen zur Schwächung der Armee und politischer Gegner zu nutzen. Oppositionelle werfen der AKP vor, die Ergenekon-Affäre zu nutzen, um Kritiker zu verfolgen. Dutzende kritische Journalisten sitzen derzeit im Gefängnis. Die Regierung weist die Vorwürfe zurück.
Die türkische Armee, die sich in der Rolle der Hüterin der kemalistisch-säkularen Grundprinzipien der Republik sieht, hatte 1960, 1971, 1980 und 1997 in die Politik eingegriffen. 1960 unter General Cemal Gürsel und 1980 unter General Kenan Evren übernahm die Armee mit einem Staatsstreich direkt die Macht. Die AKP-Regierung hat die Machtbefugnisse des Militärs stark eingeschränkt.
Die als "terroristische Vereinigung" eingestufte ultranationalistische Geheimorganisation bezieht sich auf die Ergenekon-Sage, den Ursprungsmythos der türkischen Nation um ein Tal in Zentralasien. Die Drahtzieher sollen laut Anklage versucht haben, durch politischen Mord und Zusammenarbeit mit dem organisierten Verbrechen Chaos im Land zu erzeugen, um die Streitkräfte im Namen der Verteidigung der Prinzipien des Kemalismus zu einem Staatsstreich zu veranlassen. (APA/Reuters)
Ex-Generalstabschef Basbug soll in U-Haft - Türkei - derStandard.at
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