Der Unsinn mit Neuwahlen
Interessierte Gruppen in der ÖVP und der Wirtschaft möchten früher einen Kanzler Kickl
Das Krawall-Trio Krone, Heute und Österreich treibt zu Neuwahlen. Beinahe täglich wird die Schwäche der Regierung (angeblich oder tatsächlich) herausgestrichen, betont, dass die Kickl-FPÖ in den Umfragen haushoch führt und das eh nichts mehr werden kann. Die Absicht dahinter: sicherzustellen, dass Medienminister Andreas Babler so rasch wie möglich, jedenfalls aber nach Neuwahlen, nicht mehr Minister sein und seine Reformen zur Medienförderung umsetzen kann.
Aus der ÖVP kommen dazu begleitende Geräusche. Vor allem Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner glaubt, dass sie ihren lokalen Wahlkampf besser besteht, wenn die FPÖ im Bund den Kanzler stellt. Ein Irrtum, aber ein hartnäckiger. Dazu kommt, dass Mikl-Leitner die SPÖ wirklich zuwider ist.
Und dann noch "die Wirtschaft". Da gibt es welche, die hoffen, dass ihnen eine Neubesetzung im Justizministerium nach Neuwahlen aus diversen gerichtlichen Schwierigkeiten hilft. Andere erhoffen sich von einem FPÖ-Kanzler ein Wiederaufleben alter Russland-Geschäfte. Wieder andere wie der Industrielle Stephan Zöchling (soeben im ORF-Gespräch zu erleben) haben eigene politische Ambitionen.
Über dem Ganzen steht groß das Motto "Selbst wenn wir nur als kleiner Kompagnon und Mehrheitsbeschaffer bei einem Kanzler Kickl unterkriechen können, der sowieso kommt, werden wir unsere wirtschaftlichen und sonstigen Interessen schon durchsetzen".
Völlige Verkennung
Wenn sich da ein paar nur nicht gewaltig täuschen. Wie die Chefredakteurin des Profil, Anna Thalhammer, schreibt, ist "prinzipiell die Idee, man könne den Bund aufgeben, um die Länder zu retten, absurd".
Vor allem aber entspringen solche Gedanken einer völligen Verkennung der Natur der Kickl-FPÖ. Die ist nicht nur eine etwas rüdere, aber letztlich auch „bürgerliche“ Partei, mit der man schon wirtschaftsfreundliche Maßnahmen durchsetzen kann.
Die FPÖ ist eine radikale System-Umsturzpartei geworden. Sie will ein anderes Österreich, Wirtschaftspolitik inklusive. Auf dem Programm stehen ein De-facto-Austritt aus der EU, ein Ersatz der schwarz-roten Funktionseliten durch (inkompetente) blaue – und eine Umsetzung der „Festung Österreich“. Ausländische Arbeitskräfte? Entweder „remigrieren“ oder unter menschenunwürdigen Bedingungen in abgeschlossenen Quartieren „konzentrieren“. Dazu natürlich eine Neuausrichtung auf die rückständige russische Wirtschaft. Von den antidemokratischen und sonstigen Ungeheuerlichkeiten reden wir gar nicht, denn die interessieren bekannte Industrielle ja weniger.
Fliegender Wechsel?
Jeder Unternehmer, der sich auf ein solches Wohlstandsvernichtungsprogramm der FPÖ einlässt, sollte einmal nachdenken, was das alles bedeutet.
Jetzt Neuwahlen oder gar ein fliegender Wechsel der ÖVP zur FPÖ ist ein Rezept für eine längerfristige Schädigung der Republik Österreich.
Noch wird die Neuwahlkampagne von ein paar speziellen Privatinteressen betrieben. Aber ein Umschmeißer in der Regierung ist bald passiert, und es gibt Unsicherheitsfaktoren wie den Gesundheitszustand des künftigen Vizekanzlers Markus Marterbauer. Was die Regierung jetzt machen muss, ist zunächst, auf sinnlose Ermahnungen an die Bevölkerung zu verzichten, wie die von Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer: “Eigenverantwortung statt Susi-Sorglos-Mentalität." Und stattdessen die beschlossene Industriestrategie endlich umzusetzen. (Hans Rauscher, 14.10.2026)
Interessierte Gruppen in der ÖVP und der Wirtschaft möchten früher einen Kanzler Kickl
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