Seit dem es sie auf dem historischen Parkett aufgetaucht sind.
Sag mal, was bringt man euch fyromischen Dumpfbacken überhaupt in der Schule bei?
Hippokrates
Sowas:
2 Nichthellenen in Griechenland: das Makedonienproblem
Andererseits jedoch sind Gebiete, die zum Staatsgebiet
des modernen Griechenland gehören und deren historische Tradition vom griechischen Staat teilweise vehement in Anspruch genommen wird,
der antiken An-schauung nach keine oder nur zweifelhafte Teile von Hellás: Thessalien, Epeiros und vor allem Makedonien35.
Zwar konnte der Makedonenkönig Alexander I. nach den Perserkriegen für seine Dynastie die Zulassung zu den Olympischen Spielen aufgrund des Nachweises griechischer Abstammung durch Vorlage einer entsprechenden mythischen Genealogie erreichen,
doch bestätigt gerade dieses Ereignis den grundsätzlichen Ausschluss Makedoniens aus dem antiken Hellás36.
35 Zur zweifelhaften Hellenizität von Thessalien und Epeiros: Thuk. 2,80,5-6; App. praef. 10; bezeichnend ist vor allem, dass Herakleides Kritikos BNJ 369A F 3 in seiner Periegese die Zurechnung Thessaliens zu Hellás ausführlich rechtfertigen muss. Noch die im 4. Jh. n. Chr. verfasste Expositio totius mundi et gentium 52 sieht Thessalien außerhalb von Griechenland. Ephoros schloss Epeiros explizit aus (FGrHist 70 F 143). Einen inklusiven Ansatz spiegeln hingegen das angeb-liche perikleische Kongressdekret (Plut. Per. 17,2-3) sowie Pol. 9,38,5. Zur Hellenizität der Epeiroten ausführlich Cabanes 1988, bes. S. 90-96 und Malkin 2001a.
Zur Wahrnehmung der Makedonen durch die Griechen Badian 1982, Hall 2001 und Anson 2004, S. 191-231. Hall 2003, S. 30 weist auf den interessanten Be-fund hin, dass über 90 % der bekannten Olympiasieger aus den Jahren 776-475 v. Chr. jenen griechischen Stämmen angehören, die sich genealogisch auf Hellen zurückführten: Aioler, Dorer, Ionier und Achaier. Die Hellenizität der übrigen Griechen war gemessen am Maßstab des olympischen Panhellenismus also eine marginale. Zum modernen Mazedonienkonflikt Danforth 1995; Shea 1997; Roudometof 2000; Roudometof 2002.
36 Hdt. 5,22; vgl. ebd. 9,45; dass Herodot die Makedonen nicht für Griechen hielt, geht eindeutig aus 7,130,3 hervor. Dazu Hall 2001, S. 167-169. Bis Philipp II. ist unter den Argeaden nur für Archelaos eine Teilnahme an panhellenischen Wett-kämpfen bezeugt, doch einzig in einer späten und wenig vertrauenerweckenden Quelle: Sol. 9,16. Während der Ausschluss von Barbaren sich für Olympia nur aus der genannten Episode erschließen lässt, ist er explizit bezeugt für die eleusinischen Mysterien: Isokr. 4,157; vgl. Schol. Aristoph. Ran. 369 (Ver-kündung durch Hierophant und Daidouche in der Stoa Poikile).
Die abweichende Deutung des Auftretens Alexanders I. in Olympia durch Sourvinou-Inwood 2002, S. 187-192 überzeugt nicht: Wenn Hdt. 1,56,3 die Dorer als eingewanderte Makedonier bezeichnet, ist damit nichts über die ethnische Zugehörigkeit der später in Makedonien siedelnden Personen gesagt (so auch Hall 2001, S. 160, der aber aus Hdt. 6,44,1 und 7,9a,2 schließt, Herodot habe Makedonien zu Griechenland gerechnet; dazu sagen beide Stellen nichts). Im Übrigen spricht Herodot an der genannten Stelle von einem „Makednon“ ge-nannten Gebiet bzw. ebd. 8,43 von einem „makednonischen Stamm“ – ob dies einfach als „Makedonien“ bzw. „makedonisch“ wiederzugeben ist, bleibt fraglich, weil Herodot ansonsten durchaus die üblichen Wortformen verwendet (dazu Hammond 1994, S. 140). Alexanders I. Bezeichnung seines Vaters Amyntas als „griechischer Mann und Statthalter über die Makedonen“ (ebd. 5,20) ist nur vor dem Hintergrund eines prekären Griechentums der Makedonen verständlich. Die unbestreitbare Tatsache, dass Makedonen abgesehen von der Königsdynastie als Teilnehmer an den Olympien erst seit der Zeit Alexanders (III.) d. Gr. bezeugt sind, versucht Sourvinou-Inwood mit der Vermutung wegzuerklären, dass „the Macedonian kings would not have been keen on, and would have discouraged, participation by their people, because of the prestige involved in an Olympic victory, as well as the networking with aristocrats from other cities and ethne“ (ebd. S. 192 Nr. 69).
Die Erzählung über die Erlangung der makedonischen „Tyrannis“ durch den Dynastiegründer Perdikkas aus Argos gibt Hdt. 8,137-139; vgl. Thuk. 2,99,3. Nach Hyg. fab. 219, der hier auf den Archelaos des Euripides rekurriert (TrGF 5,13), wurde die Dynastie direkt durch den Temenossohn und Heraklesenkel Archelaos gegründet: Euripides beschloss sein Leben in Makedonien am Hof des Archelaos. Später wurde dem bei Herodot erwähnten Perdikkas als Gründer der Argeadendynastie der ebenfalls von Herakles abstammende Karanos vor-geschaltet: Theop. FGrHist 115 F 393; Satyros FGrHist 631 F 1; Diod. 7,15-17; von Plut. Alex. 2,1 als communis opinio bezeichnet. Dazu Momigliano 1975. Karanos sollte nun ein Heer von Argivern mit sich geführt haben, womit aus der Dynastiegründung durch einen Einzelnen eine regelrechte Wanderungs-bewegung wurde, die geeignet war, einen Anspruch der Makedonen insgesamt auf hellenische Abstammung zu begründen.