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FÜR ZÜRICH;
Mein Bruder, mein Feind
Vor den Wahlen: Kosovo, Milosevic und die Nationalisten – Serbien wird die Geister seiner Vergangenheit nicht los
Von László Végel
Sieben Jahre, so steht es in der Bibel, diente Jakob bei Laban, um die wunderschöne Rahel zur Frau zu bekommen. Die sieben Jahre vergingen, und nach dem Hochzeitsmahl wandte Laban, der Vater des Mädchens, einen Trick an: Er schickte seine ältere, hässlichere Tochter Lea in Jakobs Zelt. Als Jakob den Betrug bemerkte, rechtfertigte Laban sich damit, dass es nicht üblich sei, die jüngere Tochter vor der älteren zu verheiraten. Er schlug Jakob vor, weitere fünf Jahre zu dienen, dann könne er auch Rahel heiraten. Sieben Jahre nach dem Sturz von Milosevic, jetzt, da in Rumänien und Bulgarien der EU-Beitritt gefeiert wird, fragen sich auch die serbischen Bürger, wer ihnen Lea ins Zelt geschickt hat.
Die Politiker versprechen wieder einmal Wunder. Da ist die demokratische Opposition, die Serbiens schnellen EU-Beitritt verspricht. Die rechtsextremistische Opposition verspricht die Rückgewinnung des Kosovo. Und die Mehrheit der Regierungsparteien mit Regierungschef Kostunica an der Spitze verspricht sogar, dass man für solche Wunder gar nichts zu tun brauche, es komme von selbst. Europa werde seinen Irrtum schon einsehen. Mit Ausnahme einer neuen, noch kleinen liberaldemokratischen Partei fordert niemand in Serbien dazu auf, das Unumgängliche zu tun: Kosovo abgeben, Reformen durchsetzen, sich Europa annähern.
Bei den Parlamentswahlen am kommenden Sonntag, dem 21. Januar, geht es auch um die Regelung der Kosovo-Frage. Eine Hürde, vor der die serbische Gesellschaft zwischen realpolitischem Pessimismus und messianischem Optimismus schwankt. Offiziell schwören alle auf die Zugehörigkeit des Kosovo, aber hinter vorgehaltener Hand geben auch die größten Nationalisten zu, dass das Kosovo verloren ist. Egal ob die einstige Provinz vollständig oder, mit „überwachter Autonomie“ nur teilweise unabhängig wird: Der Traum von der historischen Mission Serbiens auf dem Balkan, der Traum von Groß-Serbien ist ausgeträumt.
Der Name Kosovo bezeichnet also nicht nur ein territoriales Problem, sondern auch ein Dilemma in der politischen Kultur des Landes. Ein Dilemma nicht nur des Verstands, sondern auch des Gefühls. Denn mit dem Problem der territorialen Integrität musste sich die Nation während ihrer fast hundertjährigen Geschichte immer wieder auseinandersetzen.
Frage an die Historiker: Wann eigentlich hat Serbien das Kosovo verloren? Die beste Antwort hat die Belgrader Historikerin Dubravka Stojanovic formuliert: bereits 1912, als Serbien sich das Kosovo einverleibte, war die Provinz schon wieder verloren. Im 19. Jahrhundert war Serbien ein homogener Nationalstaat. 1912 wurde ihm, dem Sieger im Balkankrieg, das Kosovo angegliedert. Plötzlich sah sich die im homogenen Nationalstaat sozialisierte serbische Elite einem Land mit multiethnischem Charakter gegenüber. Und da die Bevölkerung des Kosovo als politisch und kulturell rückständig galt, installierte man dort eine polizeilich-militärische Verwaltung, die die Albaner ihrer verfassungsmäßigen Rechte beraubte.
Serbien erlebte einen multikulturellen Schock, bei dem die nationalen Interessen und die demokratischen Werte in Konflikt miteinander gerieten. Mit dieser Bürde zog es in den Ersten Weltkrieg, aus dem es mit anderen als Sieger hervorging – um den Preis übermenschlicher Opfer.
Ein großer Teil der politischen Elite Serbiens betrachtete das im Versailler Vertrag erschaffene Jugoslawien voller Skepsis. Es sei besser, die Staatsgrenzen nach ethnischer Ausdehnung zu ziehen, also ein Groß-Serbien zu schaffen, sagten viele. Schließlich gab man dem sogenannten westlichen Druck nach und vertraute auf die Übermacht der siegreichen serbischen Armee. Dem ersten multikulturellen Schock folgte also der nächste.
Schon 1912 hatten sich die Serben nicht zur multiethnischen Gesellschaft bekannt. 1918 fanden sie sich auch noch in einem multiethnischen Staat wieder. Sie wollten nicht integrieren, sondern dominieren. Die Spannung zwischen demokratischen Werten und nationalen Interessen wuchs. Und im zweiten Weltkrieg führte der Widerstand der übrigen Nationalitäten gegen die serbische Vorherrschaft zu einem blutigen Bruderkampf.
Nach dem Krieg wurde Jugoslawien föderalisiert, von dem siegreichen Kommunisten, Antifaschisten und Partisanenführer Josif Broz Tito. Doch die Ein-Parteien-Diktatur beseitigte die Spannungen nicht, sondern sorgte für deren Verdrängung. Nach Titos Tod traten sie prompt wieder zutage. Das Beste am Titoismus – die lockere FöderalismusKonzeption – wurde wieder verworfen. Serbiens intellektuelle und politische Elite vertrat die Ansicht, Jugoslawien habe der Nation geschadet und Tito sei ein Serbenfeind gewesen.
Kein Wunder, dass Serbien das letzte Land der Föderation war, in dem das Mehrparteiensystem eingeführt wurde: Man fürchtete, dass die Albaner ihre eigenen Parteien gründen. Milosevic öffnete also eigentlich nur die Büchse der Pandora, in der die Spannung zwischen Nationalinteresse und Demokratie weggesperrt war. Gleichzeitig protestierte Serbien am energischsten gegen die Mehrparteiensysteme in den anderen Republiken. Aus Furcht vor demokratischen Prozessen gab sich das serbische Parlament im September 1990 eine neue Verfassung mit einem Paragraphen, der besagte, dass man nicht verpflichtet sei, sich an die Verfassung zu halten, wenn die Interessen Serbiens gefährdet seien: der erste sezessionsrechtliche, parlamentarische Akt. 1991 folgte die Abspaltung Sloweniens und die Herauslösung Kroatiens.
Eine Zerreißprobe: Am Ende des 20. Jahrhunderts sah Serbien sich mit denselben Fragen konfrontiert wie hundert Jahre zuvor. Im Kosovo wurde der Ausnahmezustand von Militär und Polizei durchgesetzt. Nach den Nato-Bombardements stimmte Milosevic 1999 im Vertrag von Kumanovo einer UN-Aufsicht über das Kosovo zu, also einer Einschränkung der serbischen Souveränität. Am Sturz von Milosevic beteiligten sich dann sowohl jene, die ihn kritisierten, weil er Kriege führte, als auch jene, die ihm vorwarfen, dass er sie verlor.
Milosevic stürzte im Oktober 2000. Aber seine Nationalpolitik lebt weiter – in der heute regierenden Opposition von damals, die sich schon zu seiner Zeit kaum von ihm unterschied. In 15 Jahren stellte sie kein alternatives, europäisches Programm auf die Beine und war auch nicht imstande, das serbische Dilemma des 20. Jahrhunderts zu beseitigen. Und Regierungschef Zoran Djindjic wurde ermordet, weil er Reformen wagte – und Milosevic ans Den Haager Tribunal auslieferte.
Danach wurde in Serbien eine Art Restaurationsprozess in Gang gesetzt. Polizei und Justiz blieben untätig, Militär und Gerichte wurden keiner kritischen Revision unterworfen, anders als in anderen ehemaligen sozialistischen Ländern wurden auch die Geheimdienstakten nicht geöffnet. So wie Milosevic die kommunistische Nomenklatura übernommen hatte, übernahm die einstige Opposition, der gegenwärtig regierende Demokratische Block, seinerseits Milosevic’ Nomenklatura.
Seit Herbst vergangenen Jahres hat Serbien eine Verfassung, die das Land zum Nationalstaat erklärt und in einer Präambel festhält, Kosovo sei ein unveräußerlicher Bestandteil Serbiens. Damit wäre sogar Milosevic zufrieden gewesen. Der aggressive Nationalismus der neunziger Jahre wurde abgelöst von einer Art depressiver Xenophobie; Euphorie verwandelte sich in Apathie. Im öffentlichen Leben dominieren weiterhin die Nationalisten, aber auch sie befinden sich in einem Vakuum. Im aktuellen Milosevicismus mit vermeintlich menschlichem Antlitz fehlt die Kraft zurückzublicken ebenso wie die Energie voranzukommen. Serbien ist noch immer ein Gefangener seiner Vergangenheit.
Die Wahlen können dieses Problem nicht lösen. Es gilt schon als Erfolg, wenn die nationalistischen Extremisten nicht gewinnen. Den Prognosen zufolge haben sie aber gute Chancen. Nach den Wahlen beginnt das Schwierigste: Die Sieger müssen sich selber besiegen, damit es nicht wieder ein Pyrrhussieg für Serbien wird. In den sieben Jahren nach dem Sturz von Milosevic haben sich alle Siege in Niederlagen verwandelt. Nach sieben Jahren müsste auch den Siegern klar werden: Dies wird Milosevic’ letzter Sieg sein.
http://www.tagesspiegel.de/kultur/ar...07/3021563.asp
DAZU NOCH VERTREIBUNGEN SEIT 1912
http://www.z-g-v.de/aktuelles/?id=58
UND NOCH WAS ZUM LESEN;
Kosovo als Katalysator
Der Aufstieg des serbischen Nationalismus 1980-2000
http://www.nzz.ch/2007/01/06/pl/articleERGF3.html
Weshalb verlangen (fast) alle serbischen Politiker und Medien, dass Kosovo bei Serbien bleiben soll? Dies, obwohl die Bevölkerung der Provinz zu 90 Prozent aus Albanern besteht und die meisten Serben nie oder seit vielen Jahren nicht mehr in Kosovo waren. Es seien die historischen Mythen, sagen westliche Beobachter. Dazu komme die typisch serbische Opferlust, welche die militärische Niederlage auf dem Amselfeld gegen die Osmanen 1389 als moralischen Sieg deute. Aber die Umdeutung der verlorenen Schlacht in einen Sieg ist keine serbische Spezialität. Man denke an den Marignano-Mythos: die verlorene Schlacht, aus der die Eidgenossen geläutert hervorgingen und in deren Folge sie die Neutralität für sich entdeckten. Es ist nicht einfach die Vorstellung von der Wiege der Nation, die Kosovo für die Serben so brisant macht, sondern der politische, ideologische und zeitweise militärische Kampf zwischen Serben und Albanern um die Vorherrschaft über dieses Territorium. Dessen jüngste Runde wurde zu Beginn der 1980er Jahre eingeläutet.
Alternative zu Jugoslawien
Dem Historiker Florian Bieber verdanken wir einen tiefen Einblick in die Genese des zeitgenössischen serbischen Nationalismus. Er überzeugt dort, wo er die innere Dynamik des Diskurses beschreibt. Es ist der Aufstieg vom peripheren antijugoslawischen Dissidenten-Nationalismus zum Nationalismus als Mainstream, der fast alle öffentlichen Akteure, Regierung, Opposition, Medien, Kirche, dominiert (wobei Bieber die wichtige Rolle der Populärkultur weitgehend auslässt). Der Aufstieg des Nationalismus beginnt 1980 mit der Liberalisierung des öffentlichen Raumes nach Titos Tod. Die bis anhin halb im Verborgenen agitierenden Nationalisten erschliessen sich neue Foren. Die gleichzeitige wirtschaftliche Krise schafft ein aufnahmebereites Publikum.
Interessanterweise spielt die «Vergangenheitsbewältigung» eine wichtige Rolle. Anders als viele behaupten, führt die Auseinandersetzung mit der Geschichte keineswegs zwingend zu Heilung und Aussöhnung. In diesem Fall bedeutet der Vorgang eine fortschreitende Zerrüttung zwischen den nationalen Eliten der Teilrepubliken: Goli Otok, die titoistische Gefangeneninsel, wird aus der Tabuzone geholt, der Partisanenkult wird kritisiert, und mit der gegenseitigen Vor- und Aufrechnung von Opferzahlen werden öffentliche Debatten provoziert.
Serbien werde kleingehalten innerhalb Jugoslawiens, klagen die Nationalisten, nicht zuletzt wegen der autonomen Provinzen Kosovo und Vojvodina, die die Einheit der Republik untergrüben. Der Alternativentwurf zum sozialistischen Jugoslawien ist kein reformiertes Jugoslawien, sondern der ethnisch definierte Nationalstaat. Diese Weiche, lautet Biebers These, sei schon vor dem Ausbruch der Krise in den 1980er Jahren gestellt worden. Später machte die Pluralisierung der Parteienlandschaft den Nationalismus omnipräsent. Die Opposition gegen Milosevic war darin oft radikaler als der Autokrat selber, für den der Nationalismus im Grunde ein Instrument war.
Aufschaukeln mit den Albanern
Die Unruhen in Kosovo seit Beginn der 1980er Jahre sind der Katalysator. Kosovo ist der Topos und das Territorium, an dem sich der serbische Nationalismus entzündet: Die albanischen Forderungen nach Loslösung der Provinz von Serbien, später nach Sezession aus Jugoslawien provozieren extreme Reaktionen. Es ist die Rede von Genozid an den Serben in Kosovo; in diesem Kontext werden die Klöster zu Bollwerken umgedeutet, und es wird Mode, Kosovo als «Seele Serbiens» anzusprechen. Der Kampf um Kosovo wird das Hauptmotiv des serbischen Nationalismus - und zwar in der direkten Konfrontation mit dem albanischen Nationalismus.
Diese wechselseitige Verstärkung kommt in dem Buch zu kurz. Bieber versucht, den methodischen Mangel wegzuargumentieren, indem er zeigt, dass der serbische Nationalismus oft vor den Nationalismen der Nachbarn manifest wurde: Die bosnische Serbenrepublik wurde vier Monate vor der Sezession Bosniens ausgerufen. Aber dies überzeugt nicht. Entscheidend für die Radikalisierung ist das Hin und Her. Bieber zeigt dagegen überzeugend, dass es strukturelle Eigenheiten gab, welche den serbischen Nationalismus zur besonders destabilisierenden Kraft machten. Serbien hatte (und hat) eine multiethnische Bevölkerung, und vor allem lebte zu Beginn der 1990er Jahre ein Viertel der Serben ausserhalb des «Mutterlandes», besonders in Bosnien und Kroatien.
Bieber legt eine ausgezeichnete, quellenreiche und detaillierte Bestandesaufnahme des serbischen Nationalismus von 1980 bis 2000 vor. Dessen Rolle bei der Zerstörung Jugoslawiens wird offensichtlich. Doch um sein zerstörerisches Potenzial zu gewichten, müsste er ins Verhältnis zu den Nationalismen der Nachbarn und der Minderheiten gestellt werden. Denn der Zerfall Jugoslawiens ist eine Beziehungsgeschichte.
Andreas Ernst
Florian Bieber: Nationalismus in Serbien vom Tode Titos bis zum Ende der Ära Milosevic. Wiener Osteuropa-Studien, Band 18. Lit-Verlag, Wien 2005. 541 S., Fr. 69.40, Euro 40.-.
"Romantische Mythen über die eigene Größe"
Dragoljub Micunivic, politischer Vater der Demokratischen Partei von Präsident Tadic, im STANDARD- Interview
STANDARD: Sind die Wahlen eine Wende für Serbien?
Micunovic : Als solche könnten sie sich erweisen, denn die Bürger haben die Wahl zwischen politischen Kräften, die nach Europa streben, und Parteien, die anti-europäisch sind. Niemand hat aber die Kraft, alleine zu regieren.
STANDARD: Eine Wunschkoalition der EU wäre zwischen der „Demokratischen Partei“ (DS) und der „Demokratischen Partei Serbiens“ (DSS). Wie wahrscheinlich ist das?
Micunovic: Es wäre logisch und rational, dass die DS und DSS als führende Parteien des demokratischen Blocks die Regierung bilden und Serbien in die EU führen. Obwohl wir darauf bestanden haben, wollte sich die DSS jedoch nicht darauf verpflichten, keine Koalition mit der „Serbischen Radikalen Partei“ (SRS) einzugehen. Im Klartext bedeutet das, dass sich die DSS nicht davor ekelt, ein Bündnis mit Kräften einzugehen, die das Land zu Grunde gerichtet haben und sie dadurch auch zu rehabilitieren. Wir haben die DSS auch vor einer Koalition mit der völlig inakzeptablen Partei „Einheitliches Serbien“ gewarnt, wurden aber scharf abgewiesen, gefälligst keine Bedingungen zu stellen.
STANDARD: Wo liegen die Unterschiede zwischen DS und DSS?
Micunovic: Als eine Mitte-links-Partei kommt die DS der europäischen Sozialdemokratie immer näher. Die DSS hingegen lehnt sich stark an das serbisch-orthodoxe Christentum an, als religiöses und kulturelles Postament. Da werden romantische, nationale Mythen über die eigene Größe gepflegt. Diese Glorifizierung der eigenen Vergangenheit gestattet keinerlei kritischen Rückblick und ist die Grundlage für den Widerstand gegen eine schnellere europäische und euroatlantische Integration. Das nationale wird dem menschlichen Wesen vorgezogen, was eine Einschränkung des humanistischen Weltbildes und moderner, zivilisatorischer Ideen ist. Auch das Territorium wird an sich verherrlicht. Wenn ich von dem Traum eines großen Staatswesens (der EU) mit einer halben Milliarde Bürger spreche, ist das für sie so schrecklich, als würde damit das schöne, kleine Serbien umgebracht.
STANDARD: Wo würde die DS bei Koalitionsverhandlungen mit der DSS Grenzen ziehen?
Micunovic: Die Zusammenarbeit mit dem Kriegsverbrecher-Tribunal und der EU sind unsere Bedingungen. Eine Rehabilitierung der Miloševic-Sozialisten und der SRS würden wir nicht akzeptieren.
STANDARD: Was bedeutet es, wenn Präsident Tadic sagt, er würde eine Unabhängigkeit des Kosovo nicht anerkennen?
Micunovic: Das heißt, dass er während seines Mandats keine diplomatischen Beziehungen mit dem Kosovo aufnehmen würde.
leider kann ich den artikel nicht posten vom gestrigen tag aus der NZZ 16.11.06 zum diesem thema.
also wenn jemand zugang hat bitte her damit.
dieser artikel ist vom HISTORIKER EKKEHARD KRAFT geschrieben.
ich werde nur kleine textstellen hier wiedergeben.
Auch die unabgängigkeit von kosovo,das de iure noch teil serbiens ist,dürfte nur noch eine frage der zeit sein.
zumindest südlich der donau wären dann die grenzen serbiens -nimmt man den sandschak aus- ähnlich jenen vor den balkankriegen 1912/1913.
doch anstatt sich endlich entschieden den drängenden wirtschaftlichen und geselschaftlichen problemeen des landdes zuzuwenden , bleibt der blick der meisten politiker weiterhin auf die vergeangenheit und die nationale frage fixiert.
mit grosser mehrheit votierte das parlament dafür,kosovo in der zukünftigen verfassung als integralen bestandteil serbiens zu verankern.und kostunica kündigte bei seinem besuch am 19.september im athoskloster kosovo werde auf aufgrund menschlich und göttlichen rechts unabtrennbarer bestandteil serbiens bleiben.
weiter gehts dann mit der geschichte von serbien vom mittelalter bis heute......
das die serbische politik auch den jugoslawischen staat dominiert von 1921 bis zum schluss schon damals haben die serbien die hälfte der ämter besetzt bei 43% der gesamtbevölkerung inklusive montenegro berechnet.
zum schluss noch:
wieder einmal ist die ideologische wahrungnehmung der wirklichkeit stärker als die normative kraft des faktischen.wie schon im 19.jahrhundert verhindert dies die bewältigung der eigentlichen probleme serbiens.
ALSO zürcher lies das mal durch ja.......
auch wenn es dich schmerzen wird aber so ist das mit der wahrheit....
du solltes eins NICHT vergessen serbien und deren regierung versuchen seit hunderten von jahren die albaner zu vertreiben und aber tausende sind GETÖTET worden.......
diese politik gibts bei den albaner nicht .....
zumindest bis 1999 gabs diese nicht...
das es zu rache-akten kam kann ich nicht unterstützen....
und das andere ist das viele nicht zurück kommen hat auch damit zu tun vielleicht das diese blut an den händen haben natürlich nicht alle aber es werden sicher viele darunter -sein.
und die die gewalt erleben mussten werden diese nicht vergessen :idea: :idea:
Mein Bruder, mein Feind
Vor den Wahlen: Kosovo, Milosevic und die Nationalisten – Serbien wird die Geister seiner Vergangenheit nicht los
Von László Végel
Sieben Jahre, so steht es in der Bibel, diente Jakob bei Laban, um die wunderschöne Rahel zur Frau zu bekommen. Die sieben Jahre vergingen, und nach dem Hochzeitsmahl wandte Laban, der Vater des Mädchens, einen Trick an: Er schickte seine ältere, hässlichere Tochter Lea in Jakobs Zelt. Als Jakob den Betrug bemerkte, rechtfertigte Laban sich damit, dass es nicht üblich sei, die jüngere Tochter vor der älteren zu verheiraten. Er schlug Jakob vor, weitere fünf Jahre zu dienen, dann könne er auch Rahel heiraten. Sieben Jahre nach dem Sturz von Milosevic, jetzt, da in Rumänien und Bulgarien der EU-Beitritt gefeiert wird, fragen sich auch die serbischen Bürger, wer ihnen Lea ins Zelt geschickt hat.
Die Politiker versprechen wieder einmal Wunder. Da ist die demokratische Opposition, die Serbiens schnellen EU-Beitritt verspricht. Die rechtsextremistische Opposition verspricht die Rückgewinnung des Kosovo. Und die Mehrheit der Regierungsparteien mit Regierungschef Kostunica an der Spitze verspricht sogar, dass man für solche Wunder gar nichts zu tun brauche, es komme von selbst. Europa werde seinen Irrtum schon einsehen. Mit Ausnahme einer neuen, noch kleinen liberaldemokratischen Partei fordert niemand in Serbien dazu auf, das Unumgängliche zu tun: Kosovo abgeben, Reformen durchsetzen, sich Europa annähern.
Bei den Parlamentswahlen am kommenden Sonntag, dem 21. Januar, geht es auch um die Regelung der Kosovo-Frage. Eine Hürde, vor der die serbische Gesellschaft zwischen realpolitischem Pessimismus und messianischem Optimismus schwankt. Offiziell schwören alle auf die Zugehörigkeit des Kosovo, aber hinter vorgehaltener Hand geben auch die größten Nationalisten zu, dass das Kosovo verloren ist. Egal ob die einstige Provinz vollständig oder, mit „überwachter Autonomie“ nur teilweise unabhängig wird: Der Traum von der historischen Mission Serbiens auf dem Balkan, der Traum von Groß-Serbien ist ausgeträumt.
Der Name Kosovo bezeichnet also nicht nur ein territoriales Problem, sondern auch ein Dilemma in der politischen Kultur des Landes. Ein Dilemma nicht nur des Verstands, sondern auch des Gefühls. Denn mit dem Problem der territorialen Integrität musste sich die Nation während ihrer fast hundertjährigen Geschichte immer wieder auseinandersetzen.
Frage an die Historiker: Wann eigentlich hat Serbien das Kosovo verloren? Die beste Antwort hat die Belgrader Historikerin Dubravka Stojanovic formuliert: bereits 1912, als Serbien sich das Kosovo einverleibte, war die Provinz schon wieder verloren. Im 19. Jahrhundert war Serbien ein homogener Nationalstaat. 1912 wurde ihm, dem Sieger im Balkankrieg, das Kosovo angegliedert. Plötzlich sah sich die im homogenen Nationalstaat sozialisierte serbische Elite einem Land mit multiethnischem Charakter gegenüber. Und da die Bevölkerung des Kosovo als politisch und kulturell rückständig galt, installierte man dort eine polizeilich-militärische Verwaltung, die die Albaner ihrer verfassungsmäßigen Rechte beraubte.
Serbien erlebte einen multikulturellen Schock, bei dem die nationalen Interessen und die demokratischen Werte in Konflikt miteinander gerieten. Mit dieser Bürde zog es in den Ersten Weltkrieg, aus dem es mit anderen als Sieger hervorging – um den Preis übermenschlicher Opfer.
Ein großer Teil der politischen Elite Serbiens betrachtete das im Versailler Vertrag erschaffene Jugoslawien voller Skepsis. Es sei besser, die Staatsgrenzen nach ethnischer Ausdehnung zu ziehen, also ein Groß-Serbien zu schaffen, sagten viele. Schließlich gab man dem sogenannten westlichen Druck nach und vertraute auf die Übermacht der siegreichen serbischen Armee. Dem ersten multikulturellen Schock folgte also der nächste.
Schon 1912 hatten sich die Serben nicht zur multiethnischen Gesellschaft bekannt. 1918 fanden sie sich auch noch in einem multiethnischen Staat wieder. Sie wollten nicht integrieren, sondern dominieren. Die Spannung zwischen demokratischen Werten und nationalen Interessen wuchs. Und im zweiten Weltkrieg führte der Widerstand der übrigen Nationalitäten gegen die serbische Vorherrschaft zu einem blutigen Bruderkampf.
Nach dem Krieg wurde Jugoslawien föderalisiert, von dem siegreichen Kommunisten, Antifaschisten und Partisanenführer Josif Broz Tito. Doch die Ein-Parteien-Diktatur beseitigte die Spannungen nicht, sondern sorgte für deren Verdrängung. Nach Titos Tod traten sie prompt wieder zutage. Das Beste am Titoismus – die lockere FöderalismusKonzeption – wurde wieder verworfen. Serbiens intellektuelle und politische Elite vertrat die Ansicht, Jugoslawien habe der Nation geschadet und Tito sei ein Serbenfeind gewesen.
Kein Wunder, dass Serbien das letzte Land der Föderation war, in dem das Mehrparteiensystem eingeführt wurde: Man fürchtete, dass die Albaner ihre eigenen Parteien gründen. Milosevic öffnete also eigentlich nur die Büchse der Pandora, in der die Spannung zwischen Nationalinteresse und Demokratie weggesperrt war. Gleichzeitig protestierte Serbien am energischsten gegen die Mehrparteiensysteme in den anderen Republiken. Aus Furcht vor demokratischen Prozessen gab sich das serbische Parlament im September 1990 eine neue Verfassung mit einem Paragraphen, der besagte, dass man nicht verpflichtet sei, sich an die Verfassung zu halten, wenn die Interessen Serbiens gefährdet seien: der erste sezessionsrechtliche, parlamentarische Akt. 1991 folgte die Abspaltung Sloweniens und die Herauslösung Kroatiens.
Eine Zerreißprobe: Am Ende des 20. Jahrhunderts sah Serbien sich mit denselben Fragen konfrontiert wie hundert Jahre zuvor. Im Kosovo wurde der Ausnahmezustand von Militär und Polizei durchgesetzt. Nach den Nato-Bombardements stimmte Milosevic 1999 im Vertrag von Kumanovo einer UN-Aufsicht über das Kosovo zu, also einer Einschränkung der serbischen Souveränität. Am Sturz von Milosevic beteiligten sich dann sowohl jene, die ihn kritisierten, weil er Kriege führte, als auch jene, die ihm vorwarfen, dass er sie verlor.
Milosevic stürzte im Oktober 2000. Aber seine Nationalpolitik lebt weiter – in der heute regierenden Opposition von damals, die sich schon zu seiner Zeit kaum von ihm unterschied. In 15 Jahren stellte sie kein alternatives, europäisches Programm auf die Beine und war auch nicht imstande, das serbische Dilemma des 20. Jahrhunderts zu beseitigen. Und Regierungschef Zoran Djindjic wurde ermordet, weil er Reformen wagte – und Milosevic ans Den Haager Tribunal auslieferte.
Danach wurde in Serbien eine Art Restaurationsprozess in Gang gesetzt. Polizei und Justiz blieben untätig, Militär und Gerichte wurden keiner kritischen Revision unterworfen, anders als in anderen ehemaligen sozialistischen Ländern wurden auch die Geheimdienstakten nicht geöffnet. So wie Milosevic die kommunistische Nomenklatura übernommen hatte, übernahm die einstige Opposition, der gegenwärtig regierende Demokratische Block, seinerseits Milosevic’ Nomenklatura.
Seit Herbst vergangenen Jahres hat Serbien eine Verfassung, die das Land zum Nationalstaat erklärt und in einer Präambel festhält, Kosovo sei ein unveräußerlicher Bestandteil Serbiens. Damit wäre sogar Milosevic zufrieden gewesen. Der aggressive Nationalismus der neunziger Jahre wurde abgelöst von einer Art depressiver Xenophobie; Euphorie verwandelte sich in Apathie. Im öffentlichen Leben dominieren weiterhin die Nationalisten, aber auch sie befinden sich in einem Vakuum. Im aktuellen Milosevicismus mit vermeintlich menschlichem Antlitz fehlt die Kraft zurückzublicken ebenso wie die Energie voranzukommen. Serbien ist noch immer ein Gefangener seiner Vergangenheit.
Die Wahlen können dieses Problem nicht lösen. Es gilt schon als Erfolg, wenn die nationalistischen Extremisten nicht gewinnen. Den Prognosen zufolge haben sie aber gute Chancen. Nach den Wahlen beginnt das Schwierigste: Die Sieger müssen sich selber besiegen, damit es nicht wieder ein Pyrrhussieg für Serbien wird. In den sieben Jahren nach dem Sturz von Milosevic haben sich alle Siege in Niederlagen verwandelt. Nach sieben Jahren müsste auch den Siegern klar werden: Dies wird Milosevic’ letzter Sieg sein.
http://www.tagesspiegel.de/kultur/ar...07/3021563.asp
DAZU NOCH VERTREIBUNGEN SEIT 1912
http://www.z-g-v.de/aktuelles/?id=58
UND NOCH WAS ZUM LESEN;
Kosovo als Katalysator
Der Aufstieg des serbischen Nationalismus 1980-2000
http://www.nzz.ch/2007/01/06/pl/articleERGF3.html
Weshalb verlangen (fast) alle serbischen Politiker und Medien, dass Kosovo bei Serbien bleiben soll? Dies, obwohl die Bevölkerung der Provinz zu 90 Prozent aus Albanern besteht und die meisten Serben nie oder seit vielen Jahren nicht mehr in Kosovo waren. Es seien die historischen Mythen, sagen westliche Beobachter. Dazu komme die typisch serbische Opferlust, welche die militärische Niederlage auf dem Amselfeld gegen die Osmanen 1389 als moralischen Sieg deute. Aber die Umdeutung der verlorenen Schlacht in einen Sieg ist keine serbische Spezialität. Man denke an den Marignano-Mythos: die verlorene Schlacht, aus der die Eidgenossen geläutert hervorgingen und in deren Folge sie die Neutralität für sich entdeckten. Es ist nicht einfach die Vorstellung von der Wiege der Nation, die Kosovo für die Serben so brisant macht, sondern der politische, ideologische und zeitweise militärische Kampf zwischen Serben und Albanern um die Vorherrschaft über dieses Territorium. Dessen jüngste Runde wurde zu Beginn der 1980er Jahre eingeläutet.
Alternative zu Jugoslawien
Dem Historiker Florian Bieber verdanken wir einen tiefen Einblick in die Genese des zeitgenössischen serbischen Nationalismus. Er überzeugt dort, wo er die innere Dynamik des Diskurses beschreibt. Es ist der Aufstieg vom peripheren antijugoslawischen Dissidenten-Nationalismus zum Nationalismus als Mainstream, der fast alle öffentlichen Akteure, Regierung, Opposition, Medien, Kirche, dominiert (wobei Bieber die wichtige Rolle der Populärkultur weitgehend auslässt). Der Aufstieg des Nationalismus beginnt 1980 mit der Liberalisierung des öffentlichen Raumes nach Titos Tod. Die bis anhin halb im Verborgenen agitierenden Nationalisten erschliessen sich neue Foren. Die gleichzeitige wirtschaftliche Krise schafft ein aufnahmebereites Publikum.
Interessanterweise spielt die «Vergangenheitsbewältigung» eine wichtige Rolle. Anders als viele behaupten, führt die Auseinandersetzung mit der Geschichte keineswegs zwingend zu Heilung und Aussöhnung. In diesem Fall bedeutet der Vorgang eine fortschreitende Zerrüttung zwischen den nationalen Eliten der Teilrepubliken: Goli Otok, die titoistische Gefangeneninsel, wird aus der Tabuzone geholt, der Partisanenkult wird kritisiert, und mit der gegenseitigen Vor- und Aufrechnung von Opferzahlen werden öffentliche Debatten provoziert.
Serbien werde kleingehalten innerhalb Jugoslawiens, klagen die Nationalisten, nicht zuletzt wegen der autonomen Provinzen Kosovo und Vojvodina, die die Einheit der Republik untergrüben. Der Alternativentwurf zum sozialistischen Jugoslawien ist kein reformiertes Jugoslawien, sondern der ethnisch definierte Nationalstaat. Diese Weiche, lautet Biebers These, sei schon vor dem Ausbruch der Krise in den 1980er Jahren gestellt worden. Später machte die Pluralisierung der Parteienlandschaft den Nationalismus omnipräsent. Die Opposition gegen Milosevic war darin oft radikaler als der Autokrat selber, für den der Nationalismus im Grunde ein Instrument war.
Aufschaukeln mit den Albanern
Die Unruhen in Kosovo seit Beginn der 1980er Jahre sind der Katalysator. Kosovo ist der Topos und das Territorium, an dem sich der serbische Nationalismus entzündet: Die albanischen Forderungen nach Loslösung der Provinz von Serbien, später nach Sezession aus Jugoslawien provozieren extreme Reaktionen. Es ist die Rede von Genozid an den Serben in Kosovo; in diesem Kontext werden die Klöster zu Bollwerken umgedeutet, und es wird Mode, Kosovo als «Seele Serbiens» anzusprechen. Der Kampf um Kosovo wird das Hauptmotiv des serbischen Nationalismus - und zwar in der direkten Konfrontation mit dem albanischen Nationalismus.
Diese wechselseitige Verstärkung kommt in dem Buch zu kurz. Bieber versucht, den methodischen Mangel wegzuargumentieren, indem er zeigt, dass der serbische Nationalismus oft vor den Nationalismen der Nachbarn manifest wurde: Die bosnische Serbenrepublik wurde vier Monate vor der Sezession Bosniens ausgerufen. Aber dies überzeugt nicht. Entscheidend für die Radikalisierung ist das Hin und Her. Bieber zeigt dagegen überzeugend, dass es strukturelle Eigenheiten gab, welche den serbischen Nationalismus zur besonders destabilisierenden Kraft machten. Serbien hatte (und hat) eine multiethnische Bevölkerung, und vor allem lebte zu Beginn der 1990er Jahre ein Viertel der Serben ausserhalb des «Mutterlandes», besonders in Bosnien und Kroatien.
Bieber legt eine ausgezeichnete, quellenreiche und detaillierte Bestandesaufnahme des serbischen Nationalismus von 1980 bis 2000 vor. Dessen Rolle bei der Zerstörung Jugoslawiens wird offensichtlich. Doch um sein zerstörerisches Potenzial zu gewichten, müsste er ins Verhältnis zu den Nationalismen der Nachbarn und der Minderheiten gestellt werden. Denn der Zerfall Jugoslawiens ist eine Beziehungsgeschichte.
Andreas Ernst
Florian Bieber: Nationalismus in Serbien vom Tode Titos bis zum Ende der Ära Milosevic. Wiener Osteuropa-Studien, Band 18. Lit-Verlag, Wien 2005. 541 S., Fr. 69.40, Euro 40.-.
"Romantische Mythen über die eigene Größe"
Dragoljub Micunivic, politischer Vater der Demokratischen Partei von Präsident Tadic, im STANDARD- Interview
STANDARD: Sind die Wahlen eine Wende für Serbien?
Micunovic : Als solche könnten sie sich erweisen, denn die Bürger haben die Wahl zwischen politischen Kräften, die nach Europa streben, und Parteien, die anti-europäisch sind. Niemand hat aber die Kraft, alleine zu regieren.
STANDARD: Eine Wunschkoalition der EU wäre zwischen der „Demokratischen Partei“ (DS) und der „Demokratischen Partei Serbiens“ (DSS). Wie wahrscheinlich ist das?
Micunovic: Es wäre logisch und rational, dass die DS und DSS als führende Parteien des demokratischen Blocks die Regierung bilden und Serbien in die EU führen. Obwohl wir darauf bestanden haben, wollte sich die DSS jedoch nicht darauf verpflichten, keine Koalition mit der „Serbischen Radikalen Partei“ (SRS) einzugehen. Im Klartext bedeutet das, dass sich die DSS nicht davor ekelt, ein Bündnis mit Kräften einzugehen, die das Land zu Grunde gerichtet haben und sie dadurch auch zu rehabilitieren. Wir haben die DSS auch vor einer Koalition mit der völlig inakzeptablen Partei „Einheitliches Serbien“ gewarnt, wurden aber scharf abgewiesen, gefälligst keine Bedingungen zu stellen.
STANDARD: Wo liegen die Unterschiede zwischen DS und DSS?
Micunovic: Als eine Mitte-links-Partei kommt die DS der europäischen Sozialdemokratie immer näher. Die DSS hingegen lehnt sich stark an das serbisch-orthodoxe Christentum an, als religiöses und kulturelles Postament. Da werden romantische, nationale Mythen über die eigene Größe gepflegt. Diese Glorifizierung der eigenen Vergangenheit gestattet keinerlei kritischen Rückblick und ist die Grundlage für den Widerstand gegen eine schnellere europäische und euroatlantische Integration. Das nationale wird dem menschlichen Wesen vorgezogen, was eine Einschränkung des humanistischen Weltbildes und moderner, zivilisatorischer Ideen ist. Auch das Territorium wird an sich verherrlicht. Wenn ich von dem Traum eines großen Staatswesens (der EU) mit einer halben Milliarde Bürger spreche, ist das für sie so schrecklich, als würde damit das schöne, kleine Serbien umgebracht.
STANDARD: Wo würde die DS bei Koalitionsverhandlungen mit der DSS Grenzen ziehen?
Micunovic: Die Zusammenarbeit mit dem Kriegsverbrecher-Tribunal und der EU sind unsere Bedingungen. Eine Rehabilitierung der Miloševic-Sozialisten und der SRS würden wir nicht akzeptieren.
STANDARD: Was bedeutet es, wenn Präsident Tadic sagt, er würde eine Unabhängigkeit des Kosovo nicht anerkennen?
Micunovic: Das heißt, dass er während seines Mandats keine diplomatischen Beziehungen mit dem Kosovo aufnehmen würde.
leider kann ich den artikel nicht posten vom gestrigen tag aus der NZZ 16.11.06 zum diesem thema.
also wenn jemand zugang hat bitte her damit.
dieser artikel ist vom HISTORIKER EKKEHARD KRAFT geschrieben.
ich werde nur kleine textstellen hier wiedergeben.
Auch die unabgängigkeit von kosovo,das de iure noch teil serbiens ist,dürfte nur noch eine frage der zeit sein.
zumindest südlich der donau wären dann die grenzen serbiens -nimmt man den sandschak aus- ähnlich jenen vor den balkankriegen 1912/1913.
doch anstatt sich endlich entschieden den drängenden wirtschaftlichen und geselschaftlichen problemeen des landdes zuzuwenden , bleibt der blick der meisten politiker weiterhin auf die vergeangenheit und die nationale frage fixiert.
mit grosser mehrheit votierte das parlament dafür,kosovo in der zukünftigen verfassung als integralen bestandteil serbiens zu verankern.und kostunica kündigte bei seinem besuch am 19.september im athoskloster kosovo werde auf aufgrund menschlich und göttlichen rechts unabtrennbarer bestandteil serbiens bleiben.
weiter gehts dann mit der geschichte von serbien vom mittelalter bis heute......
das die serbische politik auch den jugoslawischen staat dominiert von 1921 bis zum schluss schon damals haben die serbien die hälfte der ämter besetzt bei 43% der gesamtbevölkerung inklusive montenegro berechnet.
zum schluss noch:
wieder einmal ist die ideologische wahrungnehmung der wirklichkeit stärker als die normative kraft des faktischen.wie schon im 19.jahrhundert verhindert dies die bewältigung der eigentlichen probleme serbiens.
ALSO zürcher lies das mal durch ja.......
auch wenn es dich schmerzen wird aber so ist das mit der wahrheit....
du solltes eins NICHT vergessen serbien und deren regierung versuchen seit hunderten von jahren die albaner zu vertreiben und aber tausende sind GETÖTET worden.......
diese politik gibts bei den albaner nicht .....
zumindest bis 1999 gabs diese nicht...
das es zu rache-akten kam kann ich nicht unterstützen....
und das andere ist das viele nicht zurück kommen hat auch damit zu tun vielleicht das diese blut an den händen haben natürlich nicht alle aber es werden sicher viele darunter -sein.
und die die gewalt erleben mussten werden diese nicht vergessen :idea: :idea: