Mich hat der hohe Antisemitismuswert in Portugal überrascht, kennt jemand die Gründe?
Was Deutschland angeht, muß man das Problem differenzierter betrachten. Viele vor allem junge Deutsche sind einfach genervt davon, daß man ihnen auf die eine oder andere Art immer noch die Verbrechen aus der NS-Zeit anlastet und auch das ständige Wiederholen im Geschichtsunterricht und in den Medien tut ein übriges. Natürlich ist Aufklärung wichtig, aber diese pausenlose Selbstgeißelung kommt bei Menschen, bei denen selbst die Großeltern das III. Reich allenfalls als Kinder erlebt haben, nicht mehr wirklich an, jedenfalls nicht so, daß sie sich dabei schuldig fühlen. Letztendlich kann man das Geschehene auch nicht mehr rückgängig machen. Wer auf diese Art genervt ist und findet, daß den Juden zuviel öffentliche Aufmerksamkeit zukommt, ist nicht gezwungenermaßen Antisemit. Man kann auch von den vielen Umweltdiskussionen genervt sein, ohne deshalb Umweltverschmutzung zu befürworten.
Natürlich ist die industrielle Vernichtung eines ganzen Volkes/ einer ganzen Religionsgemeinschaft einmalig. Aber warum?
Weil z. B. Stalin, der noch mehr Opfer auf dem Gewissen hatte, erstens einen weiteren Rahmen gezogen hat und mehrere verschiedene Gruppen "auszumerzen" versucht hat und weil andererseits bis heute niemand Zugang zu allen Zahlen und Namen hat, zumindest niemand, der sie öffentlich gemacht hätte.
Weil z. B. andere Schlächter die danach kamen, schlicht nicht die Mittel hatten, die Hitler zur Verfügung standen. Genozide hat es auch nach 1945 noch reichlich gegeben, wie in einem Balkanforum sicher jeder weiß, auch in anderen Teilen der Welt. Aber Jugoslawien, insbesondere die kritischen Gebiete, war eben deutlich kleiner, als das Deutsche Reich. Und wenn sich in Ruanda oder sonstwo am Ende der Welt die Leute abschlachten, versteht außerhalb kaum jemand, was geschieht und es interessiert auch keinen.
Weil andere Völker ihre ethnischen Probleme schon mit vorindustriellen Mitteln "gelöst" haben. Jeder weiß, daß die Errichtung der USA mit einem Genozid an der indianischen Bevölkerung einher ging. In Südamerika, Afrika, Asien oder Australien waren die Kolonialherren auch nicht zimperlicher. Beispiele gibt es reichlich, aber da stand natürlich der Genozid nicht im Vordergrund. Schließlich wollte man den Wilden, den Ungläubigen, nur Kultur und Glauben nahebringen. Und natürlich ging das nicht ohne Kollateralschäden...
Wer kennt denn eigentlich Juden in seinem Umfeld? Wenn man nicht gerade vor einer Synagoge lauert oder auf sehr orthodoxe Vertreter trifft, sieht man es den allermeisten Juden doch überhaupt nicht an, daß sie Juden sind. Wir haben einen Bodensatz von Hardcore-Rassisten, die Juden hassen. Und Nigger, Kanacken, Fidschis und anderes Gesocks genauso. Und die wird man auch kaum davon abbringen. Weil sie einfach zu dumm sind oder weil sie die Führer der ganzen Dummen sind und ihre Macht genießen.